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"Ich bekam unablässig Drohungen"

Interview mit dem Satiriker und Islamkritiker Andreas Thiel, der mit Auftritten in Franken seine Karriere beendet - 27.09.2018 17:23 Uhr

Andreas Thiel (Jahrgang 1971) stammt aus Bern. Er ist Satiriker, Buchautor und Kolumnist. Der Kabarettist wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem im Jahr 2013 mit dem in Nürnberg verliehenen Deutschen Kabarettpreis. Für seinen Auftritt heute und morgen im Nürnberger Burgtheater gibt es nur noch Restkarten. Am 27. 10. ist er in der Kulturfabrik Roth. © F.: Daniel Karmann/dpa


Herr Thiel, warum schmeißen Sie nun endgültig hin?

Andreas Thiel: Im Kabarett wäre es normal, dass diejenigen Zuschauer die Vorstellung eines Kabarettisten besuchen, die den Kabarettisten mögen, und dass die anderen zu Hause bleiben. Bei mir ist die Situation dahin eskaliert, dass diejenigen, die mich nicht mögen, zu den Vorstellungen kommen, um mögliche andere davon abzuhalten. Wenn man bedenkt, dass sich das Kabarett als Teil der Unterhaltungsbranche versteht, dann ist diese Taktik der Publikumseinschüchterung für das Kabarett tödlich. Zu den politischen Gegnern, die wenigstens nur zur Waffe der öffentlichen Diffamierung griffen, kamen ja auch noch religiös motivierte Morddrohungen hinzu, was nach den Anschlägen auf die Redaktion des Charlie Hebdo zur absurden Situation führte, dass zeitweise die Kriminalpolizei in meinen Vorstellungen das größte Publikumssegment stellte.

 

Konnten die Täter ermittelt werden?

Thiel: Einige Morddrohungen konnten aufgeklärt werden. Die Geschichte dazu ergäbe ein Kabarettprogramm. Neben einem pubertierenden Schweizer mit muslimischen Wurzeln, der so nett ist, dass ich nicht sicher war, ob er nicht vielleicht ein Familienmitglied deckt, wurde zum Beispiel auch ein geistig Behinderter ermittelt, der wegen eines in suizidaler Absicht abgegebenen Frontlappendurchschusses jedem eine Morddrohung schickt, dessen Name kurz genug ist, dass er ihn buchstabieren kann. Unabhängig davon, ob der Betroffene in den Medien ist, weil er die Olympischen Spiele gewonnen oder den Deutschen Kabarettpreis erhalten hat. Die Gefährlichsten hingegen konnten nicht ermittelt werden. Sie spähten mein Umfeld aus, sammelten Telefonnummern meiner Freunde, Familienangehörigen und Geschäftspartner und riefen mich dann bis zu zehnmal täglich an mit Hilfe einer Software, die mich aufgrund der Angaben auf meinem Display jeweils glauben ließ, meine Mutter, mein Nachbar oder mein Manager rufe an. Wegen diesen unablässigen Drohungen musste ich Ende 2014 mit meiner damals zum ersten Mal schwangeren Frau anonym und unter Polizeischutz den Wohnort wechseln.

 

Das alles hat dazu geführt, dass Theater Auftritte von Ihnen abgesagt haben. Mit welcher Begründung?

Thiel: Die einen hatten Angst vor islamistischen Terroristen, andere glaubten den Diffamierungen meiner politischen Feinde, und die meisten verhielten sich, wie sich die meisten halt verhalten: Sie liefen mit.

 

Sind die Theater vielleicht auch pikiert, weil Sie gegen subventionierte Kultur wettern?

Thiel: Die subventionierten Theater begründen ihre Forderung nach Subventionen ja gerade mit dem Argument, nur so die Meinungsvielfalt aufrechterhalten zu können. Und Meinungsvielfalt gäbe ja es nicht ohne abweichende Meinungen.

 

Sie werden immer wieder gerne als rechter Satiriker bezeichnet. Trifft’s das Ihrer Ansicht nach?

Thiel: Wer einen Liberalen als "rechts" bezeichnet, weiß erstens nicht, was "liberal" heißt, meint zweitens damit vermutlich "nicht links" und zeigt drittens, wie eindimensional sein eigenes Weltbild ist. Neben rechts und links gibt es auch noch progressiv und konservativ. Und alle rufen sie nach staatlicher Regulierung. Der liberale Standpunkt liegt am Nullpunkt aller politischen Richtungen. Das Ideal des Liberalismus ist ein Staat, der seinen Bürgern keine Vorschriften macht. Das macht den Liberalen zum Feind aller Ideologen, welche die ganze Gesellschaft bevormunden möchten, sei es im Namen des Sozialismus, des Nationalsozialismus, des Veganismus oder des Klimawandels. Als Liberaler kann ich mich vegan ernähren, ohne von den anderen zu verlangen, das Gleiche zu tun. Das kapieren die wenigsten und am wenigsten die Linken.

 

Mit 47 beenden Sie also Ihre Karriere und machen jetzt Filme? Auf Ihrer Homepage ist zumindest eine zartbittere Kinokomödie angekündigt . . .

Thiel: Meine Gegner können mich von der Bühne stoßen, aber ich falle nach oben.

 

Vom Filmemachen werden Sie künftig aber nicht leben können, oder?

Thiel: Das werden wir sehen.

 

Werden Sie Ihre Kritik am Islam abseits der Bühne weiterhin äußern?

Thiel: Solange im Koran mehrfach zur Ermordung aller Juden aufgerufen wird, bleibt dieses Buch so kritikwürdig wie "Mein Kampf".

 

Was empfinden Sie jetzt beim Endspurt während der letzten Auftritte? Erleichterung, Enttäuschung, vielleicht sogar Wut?

Thiel: Träumen nicht alle davon, den Beruf zum Hobby zu machen? So fühlt es sich jedenfalls an.

 

Wenn der Kabarettist Thiel geht, was passiert dann mit der markanten Frisur?

Thiel: Wieso? Die ist privat.

  

Interview: BIRGIT RUF

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