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Nürnbergs Theater-Legende wird 85

Schauspieler, Rezitator und Friedens-Aktivist: Erich Ude setzte Signale - 03.01.2016 13:30 Uhr

Erich Ude in Thomas Bernhards Stück „Einfach kompliziert“, mit dem er 2004 auf der Bühne des Gostner Hoftheaters zu erleben war. © Foto: oh


45 Jahre auf der Bühne, unendlich viele Rollen, das ist es, was die meisten älteren Theatergänger mit Erich Ude verbinden. Er kam aus Braunschweig an die damaligen Städtischen Bühnen, erlebte die lange Ära unter Intendant Karl Pschigode intensiv mit, blieb aber auch unter dessen Nachfolgern eine prägende Figur im Ensemble. Auch im Alter begeisterte er mit seiner ruhigen Art, die Rollen zu gestalten: Unvergessen sein Rentner Nat in seiner Abschiedsvorstellung „Ich bin nicht Rappaport“ 1996. Und an Nürnbergs Off-Bühne, dem Gostner Hoftheater, war er ebenfalls gern gesehener Gast.

Aber Ude setzte seine sonore Stimme auch für Gedichtlesungen, Vorträge, die Literatur ein. Die war ihm kein Selbstzweck: Erich Ude ist erklärter Antifaschist und engagierte sich bei der Friedensbewegung. Dass aus dem Schauspieler durchaus auch ein Literat hätte werden können, zeigt die Mischung aus Kindheitserinnerungen und Familiengeschichte, die er unter dem Titel „Spielwiesen“ geschrieben hat (bislang nur im Selbstverlag erschienen).

Vor allem das fantasievolle Eingangskapitel hat es in sich: Mit literarischem Einfallsreichtum und viel Witz schildert er da das „Leben, Wirken und Streben des Schauspielers Kaspar Kruse“, wie er die „halbauthentische Biographie“ im Untertitel nennt. Und was er da anrichtet, ist höchst amüsant. Jener Kaspar, sein Alter Ego, wünscht sich, posthum in der Pathologie zu landen und – einmal zum Wohle der Wissenschaft entkernt – als bleiches Skelett im Theaterfundus einer neuen Aufgabe zugeführt zu werden . . .

Erich Ude breitet die Lebenswege seiner direkten und indirekten Vorfahren aus, woraus sich ein schlüssiges Bild des Jungen aus kleinbürgerlichen Verhältnissen ergibt, dessen Eltern immer „die Sozis“ gewählt haben, den Kindern bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten eine ziemlich glückliche Kindheit boten und sich auch während der NS-Zeit nicht verbiegen ließen. Und die, schon als sie sich kennenlernten, beide begeisterte Theatergänger und Hobby-Darsteller waren.

Erich Ude ist ein ausgezeichneter Erzähler, nicht nur seiner Stimme wegen (als Vorleser kann er heute nicht mehr auftreten, die Augen machen nicht mehr mit). In dem Band sind auch seine eigenen Gedichte abgedruckt. Ein Schauspieler, der den Text ins Zentrum stellt, war er immer, einer, der den Worten lauschen kann. Weshalb ihm viele Wegbegleiter auf Einladung seiner zweiten Frau Annette Dahms zum 85. Geburtstag eine Anthologie voller Texte und Gedichte zusammengestellt haben. Der Titel: „Spielwiesen 2“.

Von Goethe bis Enzensberger

Da finden sich von Walther von der Vogelweides berühmtem Gedicht aus dem Mittelhochdeutschen „Ich saz uf eime steine . . .“ über Goethe, Schiller und Hölderlin bis zu Brecht, Gottfried Benn, Erich Kästner, Robert Gernhardt und Hans Magnus Enzensberger bekannte und weniger bekannte Texte, die die Freunde dem Jubilar „schenken“. In ihnen spiegelt sich auch Udes Engagement: Für den Frieden, für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt (er war lange Personalratsvorsitzender am Theater) und gegen den Faschismus. Auch ein Gruß seines Sohnes Erik findet sich darin, der dem „lieben Papa“ das Gedicht „Hoffnung“ von Friedrich Schiller gewidmet hat.

Ein schönes Geschenk für einen, der sich selbst nicht in den Vordergrund drängte, sein Talent aber immer für die Gesellschaft und eine bessere Welt eingesetzt hat.  

KATHARINA ERLENWEIN

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