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Offene Ateliers in der Nürnberger Südstadt

Interview mit Evelyn Hesselmann, Organisatorin der Südart-Ateliertage, - 15.03.2018 17:31 Uhr

Kommen, schauen, plaudern: Bei den Ateliertagen hoffen die Südstadt-Künstler, wie hier Kirsten Schoppmann, auf interessierte Besucher. © Foto: Roland Fengler


Frau Hesselmann, ist die Südstadt ein gutes Pflaster für die Kunst?

Evelyn Hesselmann: Ja, es gibt eine rege Kunstszene dort und eine ganze Menge Ateliers, die oft eher im Verborgenen sind. Die sieht man nicht. Und das war auch der eigentliche Grund, warum wir auf die Idee kamen, die Südart-Ateliertage ins Leben zu rufen.

 

Weil Sie selbst nicht wussten, was es in der Nachbarschaft gibt?

Hesselmann: Ja. Ich habe mein Atelier mit einem Galerieraum jetzt seit 30 Jahren in der Wilhelm-Spaeth-Straße. Mich hat dann mal jemand bei den Ateliertagen des Bundesverbands Bildender Künstler gefragt: Wo ist denn hier das nächste Kunstatelier? Ich wusste es nicht. Da dachte ich mir, das kann doch nicht sein! Ich wusste, es gibt hier eine Menge an Künstlern, die man mal zusammenbringen müsste.

 

Das heißt, die Ateliertage waren und sind für die Künstlerschaft eine Möglichkeit der Vernetzung und des sich gegenseitigen Kennenlernens?

Hesselmann: Ja genau. Viele sind zu Freunden geworden. Das ist ein sehr schöner Nebeneffekt der Südart-Ateliertage. Und dem Publikum wollen wir zeigen, was es an künstlerischer Aktivität im Viertel gibt.

Organisiert die Ateliertage: Künstlerin Evelyn Hesselmann. © Foto: privat


Sie wohnen außerhalb Nürnbergs, arbeiten aber seit drei Jahrzehnten in der Südstadt. Was hat sich dort in dieser Zeit verändert?

Hesselmann: Das Publikum hat sich sehr verändert. Ich habe das Gefühl, dass früher mehr Bildungsbürgertum in der Südstadt war.

 

Was ist das Besondere an den Südart-Ateliertagen?

Hesselmann: Wir halten sie bewusst klein, aber fein. Die Leute sollen nicht von der Masse des Angebots erschlagen werden. Sie sollen die Chance haben, an dem Wochenende alle Ateliers in Ruhe besuchen zu können und dabei das Viertel näher kennenlernen. Dafür haben wir einen Rundweg konzipiert.

 

„Evolution“ nannte Gerd Bauer, der im November 2017 verstorben ist, diesen Comic. Er wird in der Gemeinschaftsschau der Künstler gezeigt. © F.: Gerd Bauer


Wie könnte die Kultur in der Südstadt Ihrer Meinung nach besser gefördert werden?

Hesselmann: Es fehlt ein Zentrum für die Bildende Kunst. Toll wäre ein Veranstaltungsraum, in dem Konzerte stattfinden können, aber auch genauso gut Ausstellungen, die länger zu sehen sein können. Das fände ich sehr, sehr schön für die Südstadt.

Was halten Sie von Nürnbergs Bewerbung als Kulturhauptstadt?

Hesselmann: Ich finde, bei dem Thema sollte gerade die Südstadt und ihr kulturelles Potenzial intensiver mit eingebunden werden. Es konzentriert sich immer alles so auf Gostenhof als das Künstlerviertel schlechthin. Aber es gibt woanders auch eine Kunstszene und bei so einer Bewerbung müsste die ganze Stadt involviert sein. Mit den Ateliertagen wollen wir ja gerade aus diesem Schatten rauskommen.

 

Die 4. Südart-Ateliertage werden am morgigen Freitag um 19 Uhr von Gertrud Kasper vom Museum Lothar Fischer in Neumarkt eröffnet. An dem Abend startet im Südpunkt (Pillenreuther Straße 147) die große Gemeinschaftsausstellung der Künstler. Geöffnet ist sie auch am Samstag (14-18 Uhr) und Sonntag (11-16 Uhr).
An den Ateliertagen sind 26 Künstler aus der Südstadt beteiligt. Sie öffnen ihre Werkstätten am Samstag, 17. März, von 14 bis 19 Uhr, am Sonntag, 18. März, von 11 bis 18 Uhr.

www.südart-ateliertage.de  

Interview: BIRGIT RUF

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