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Wie eine 25-jährige Bambergerin das BILD-Girl abschaffen will

Interview mit Kristina Lunz, Initiatorin der Petition "BILD: Zeigt allen Respekt" - 13.11.2014 11:37 Uhr

"Schluss mit dem BILD-Sexismus": Die 25-jährige Kristina Lunz hat eine Online-Petition zu Abschaffung des BILD-Girls und für mehr Respekt gestartet. Mittlerweile haben 25.000 Menschen unterschrieben.

"Schluss mit dem BILD-Sexismus": Die 25-jährige Kristina Lunz hat eine Online-Petition zu Abschaffung des BILD-Girls und für mehr Respekt gestartet. Mittlerweile haben 25.000 Menschen unterschrieben. © PR


Frau Lunz, Ihre Petition hat Tausende von Unterstützern, mittlerweile hat auch BILD-Chef Kai Diekmann auf Twitter reagiert.  

Lunz: Ich war darüber ziemlich überrascht, die Petition steht ganz am Anfang. Der Fakt, dass er sich eingeschaltet hat, war toll, wie er reagiert hat, erschreckend.  Auf mein inhaltliches Anliegen reagiert er mit dem Aufruf, dass ich ihm noch mehr BILD-Girls beschaffe. Besser hätte ich seine Respektlosigkeit und seinen Sexismus gar nicht darstellen können.

Über 25.000 Menschen haben die Petition mittlerweile unterschrieben. Was passiert, wenn Sie die als Ziel angegebenen 35.000 Unterschriften haben?

Lunz: Dann geht es einfach weiter, das sind kleine Meilensteine und Erfolge. Aber das ist eine langfristig angelegte Kampagne. Es geht so lange weiter, bis der Druck und die Debatte in Deutschland groß genug sind, dass sich etwas ändert, dass die Leute diskutieren, wieso Sexismus in der meistverkauften Zeitung Deutschlands und Alltagssexismus im Allgemeinen problematisch sind. Wir orientieren uns an der Schwesterkampagne „No More Page 3“ in Großbritannien, die es seit zwei Jahren gibt und die 210.000 Unterstützer sowie ein großes Netzwerk aus Politikern, Prominenten, Stiftungen und Verbänden hat. Das ist auch unser Ziel.

Wann wäre die Petition für Sie ein Erfolg?

Lunz: Kleine Erfolge gab es schon, zum Beispiel dass so viele Zeitungen darüber berichtet haben, dass Kai Diekmann überhaupt darauf reagiert hat und er weiß, dass es hier in so kurzer Zeit 25.000 Menschen gibt, die sagen: Das Frauenbild, das ihr vermittelt, passt nicht. Die großen Erfolge setzen dann ein, wenn es das Netzwerk gibt, wenn uns einflussreiche Akteure unterstützen und wenn das BILD-Girl verschwindet und Herr Diekmann sich generell dazu Gedanken macht.

Viele Leute argumentieren so, dass es viele Frauen gibt, die sich für die BILD freiwillig ausziehen – und somit gar kein Problem vorhanden ist.

Lunz: Das ist natürlich richtig, niemand wird gezwungen. Aber das ist nicht Kern der Sache. Stellen Sie sich einmal die größte Zeitung Deutschlands vor, welche die Frauen für mehr als ihren Sexappeal, ihre Brüste und ihren Hintern schätzt. Es geht darum, dass die BILD als meistverkaufte Zeitung des Landes einen riesigen Einfluss hat. Sie vermittelt ein bestimmtes Bild von Frauen; dass es in Ordnung ist, wenn wir Frauen nur auf ihr Äußeres reduzieren. Bislang ist der Tenor, dass Frauen nur dann wertgeschätzt werden, wenn sie ihre Brüste zeigen. Männer hingegen werden für ihre Leistungen in Politik und Sport geschätzt. Das BILD-Girl steht repräsentativ für BILD-Sexismus, aber da hört es ja nicht auf.

Mehrere Nutzer in den sozialen Netzwerken kritisieren die Petition und Sie als Person ziemlich stark. Wie gehen Sie damit um?

Lunz: Ich lese nicht alles. Aber innerhalb der ersten 24 Stunden habe ich auch sexistische Attacken abbekommen. Ich wurde gefragt, ob ich mit meinem Sexleben unzufrieden, ob ich neidisch auf die Körper der BILD-Girls sei. Das zeigt den Kern des Problems: Leute kritisieren mich nicht wegen meiner Argumente, sondern reduzieren mich auf meine Sexualität und mein Aussehen. Viele der Kommentare zeigen, dass diese Petition wichtig ist. Und ich bin ja auch nicht alleine, hinter mir stehen 25.000 Menschen.

Ist das BILD-Girl denn nicht eher ein Symptom als die Ursache des Problems?

Lunz: Beides. Natürlich bedient BILD viele Wünsche, aber sie ist auch gleichzeitig die Ursache. Als ich in Franken aufgewachsen bin, lag oft die BILD-Zeitung herum. Es ist verstörend, als kleines Mädchen die Zeitung zu sehen und sich zu fragen: Ist das tatsächlich alles, was so eine Gesellschaft später für mich übrig hat, was sie später an mir als Frau schätzen wird? 

Interview: Björn Bischoff

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