Freitag, 16.11.2018

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Schade: Kein Oscar für Tobias Rosen

Der Kurzfilm des Ex-Bonhoeffer-Schülers erhielt die Trophäe in Hollywood nicht - 05.03.2018 04:20 Uhr

Gefährliche Dreharbeiten: Tobias Rosen und Regisseurin Katja Benrath waren mit ihrem Team unter anderem an der somalischen Grenze unterwegs. © Foto: Mwangi M. Eric


Neun Stunden und rund 9500 Kilometer Luftlinie trennen Mittelfranken von Los Angeles. Doch Sonntagnacht war die Metropolregion dank Tobias Rosen hautnah im Dolby Theater am Hollywood Boulevard in Los Angeles dabei. "Es brodelt hier drumrum, das ist alles total spannend und aufregend", hatte Rosen schon im TV-Interview auf dem roten Teppich vor Beginn der Zeremonie gesagt.


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Der 34-Jährige, der in Nürnberg geboren wurde, in Oberasbach sein Abitur machte und in Fürth Theater spielte, hat als Creative Producer mit „Watu Wote – All of us“ ein Herzensprojekt vorgelegt. Auch wenn es nun mit dem Oscar nicht geklappt hat - gewonnen, sagt Rosen, haben er und sein Team dennoch: "Allein durch die Nominierung sind für uns plötzlich Türen aufgegangen, an die wir vorher gar nicht zu klopfen gewagt hätten."

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Was er in den vergangenen Tagen in Los Angeles vor der feierlichen Oscar-Verleihung erlebt hat, kann Rosen nur als „verrückt und ein bisschen surreal“ bezeichnen - etwa die Begegnung mit Top-Stars wie Meryl Streep oder Steven Spielberg , die ungezählten Interviews und Pressetermine. 

Intensive Beziehung zu Afrika

Sieben Jahre seiner Kindheit verbrachte Rosen in Südafrika, seither ist seine Beziehung zu Afrika eng, intensiv und oft von Sehnsucht geprägt. Immer wieder zieht es ihn dorthin, regelmäßig engagierte er sich während seiner Ferien unter anderem in Kenia in Projekten von nichtstaatlichen Organisationen. Nach seinem Masterstudium in der Fachrichtung Produktion an der Hamburg Media School stand für ihn fest: „Meine Abschlussarbeit soll auf jeden Fall einen afrikanischen Hintergrund haben.“


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Sein Thema entdeckte er in den Nachrichten: Im Dezember 2015 griffen islamistische Al-Shabaab-Terroristen einen Reisebus an, der auf dem Weg in den Norden Kenias war. Die Fahrt durch die Grenzregion von Somalia gilt wegen der andauernden Anschläge auf Christen als extrem gefährlich. In diesem besonderen Fall aber wehrten sich die muslimischen Reisenden, sie verweigerten unter Lebensgefahr die Preisgabe der christlichen Passagiere.

Gemeinsam mit Regisseurin Katja Benrath, Kameramann Felix Striegel und Autorin Julia Drache machte Rosen aus dem dramatischen Vorfall einen 22 Minuten langen bewegenden Kurzfilm. Zum Team gehörten viele kenianische Mitwirkende, denn das Ziel, so Rosen, hieß immer, einen Film aus afrikanischer Sicht zu machen und nicht aus einer abgehobenen, europäischen Position über Menschen und Situationen zu urteilen. Auch Produktionsleiterin Krysteen Savane und Schauspielerin Adelyn Nimo sind im Moment in Hollywood dabei.

 Die Dreharbeiten waren schwierig und zeitweise auch sehr gefährlich: „Das Vertrauen meines Teams, das mir bis an die Grenze nach Somalia gefolgt ist und mir dabei im wahrsten Sinne sein Leben anvertraut hat, werde ich nie vergessen“, sagt Rosen heute. Erschwert wurde die Produktion nicht zuletzt dadurch, dass der Crew vor der ersten Einstellung die Kamera gestohlen wurde.

Einer der afrikanischen Darsteller wurde kurz darauf völlig überraschend verhaftet. Er kam frei – dank eines Autogramms, das Faysal Ahmed gab. Der somalisch-amerikanische Schauspieler, der ebenfalls in „Watu Wote“ mitspielt, wurde bekannt als Gegenspieler von Tom Hanks in dem Thriller „Captain Phillips“ und gilt in Afrika als Superstar.

Der Weg von Tobias Rosen bis nach Hollywood begann mit dem Besuch der Schauspielschule in München. In Fürth bekam er schon 2010 den Talentpreis des Theatervereins verliehen, bis 2014 tauchte er dann jeden Tag als „Surferboy Mick“ in der TV-Serie „Rote Rosen“ im Ersten auf. Mit „Watu Wote – All of us“ legte er gemeinsam mit dem Team einen hochpolitischen Film vor, der nicht zuletzt aufgrund seiner Authentizität einen Nerv trifft. Bereits im vergangenen Oktober hatte es dafür den Studenten-Oscar gegeben. 

Sabine Rempe/hän Fürther Nachrichten

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