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Das bedeuten die rätselhaften Plakate in Nürnberg wirklich

Angebliche Verwechslungsgefahr mit Straßenschildern - Test für die Augen? - 14.07.2016 06:00 Uhr

Diese Plakate rund um den Bahnhof in Nürnberg sorgen derzeit für Verwirrung bei vielen Autofahrern - dabei haben sie mit dem Verkehr in der Noris gar nichts zu tun. © Rurik Schnackig


Immer wieder schauen Menschen bei roter Fußgängerampel auf eines der an Ampelmasten befestigten Plakate und überlegen, was es damit auf sich hat. Folgende Aussagen bereichern das Repertoire an Vermutungen: eine Schatzkarte und ein Test für die Augen. Auch interessant: Von der Anordnung gehe eine positive Energie aus, die zu mehr Sicherheit an den Kreuzungen führen soll. Wer wirklich nahe an die Rätsel-Objekte heranrückt, wird auch nicht schlauer, sieht aber mehr: Die Kreise und Striche sind in Wahrheit Eisennägel und Einmachgummiringe.

Ein Anruf bei der Stadt bringt dann die erhoffte Klarheit: Die Plakate gelten als genehmigt und werden bis Ende Juli dort hängen. Es handelt sich um eine Kunstaktion im Rahmen des 20. Jahrestages des Krakauer Hauses. So wie das Nashorn am Hans-Sachs-Platz.

Die Homepage des Krakauer Hauses führt zu der Künstlerin, Annette Voigt aus Erlangen. Die in Schwäbisch Hall geborene Absolventin der Akademie für Bildende Kunst in Nürnberg freut sich hörbar darüber, dass ihre Werke zum Grübeln bringen. Bereitwillig verrät sie aber die Auflösung.

Muttersprache des Computers

Es handele sich bei den Abbildungen auf 36 Plakaten um die stilisierten Zahlen "1" und "0", also um einen sogenannten Binärcode - quasi die Muttersprache des Computers. Zwei Varianten davon hat sie gemacht. Wandelt man die Ziffern um, erhält man entweder das Wort "Ja" oder "Nein".

Und warum nun Einmachgummis und Eisennägel? "Es sollten alltägliche Gegenstände sein", so die Künstlerin, die sich selbst trotz der Beschäftigung mit dem Binärcode keineswegs als Computerfreak bezeichnet.

Von den Plakaten wurde bereits eines gestohlen und eines zerstört. Das aber sieht Künstlerin Annette Voigt gelassen: "So ist das eben mit Kunst im öffentlichen Raum."

Eine andere Sache, kurz nach dem Gespräch mit dem Stadtanzeiger, hat die Künstlerin dann aber überrascht: Die Stadt habe doch noch moniert, dass ihre Plakate sich nicht ausreichend von Verkehrsschildern unterscheiden. Voigt reagiert halb verärgert, halb belustigt: "Ich denke, wer seinen Führerschein ordnungsgemäß gemacht hat, wird dies eher nicht für ein Verkehrszeichen halten."

Die Ausstellung im Krakauer Haus ist bis Samstag, 30. Juli, geöffnet.  

Rurik Schnackig

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