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Auf nach Namibia !

Ein bayerisches Auslandsprogramm für Lehramtsstudenten - 04.09.2018 17:11 Uhr

Inga daheim in Erlangen © Sebastian Müller


Die Lebensfreude der Afrikaner hat Inga Hahn angesteckt: "Sie sind fröhlich, teilen alles, und jeder ist entspannt", sagt die 22-Jährige aus Erlangen. Die Einstellung "ganz ruhig, es gibt schlimmere Sachen im Leben" hat sie versucht, nach Franken zu importieren.

Im 500-Seelen-Dorf Karibib, etwa 180 Kilometer westlich von Namibias Hauptstadt Windhoek entfernt, unterrichtete die Lehramtsstudentin an einer Privatschule mit Internat die Fächer Deutsch und Sport. "Ich hatte vorher noch nie so viel Verantwortung", sagt die angehende Gymnasiallehrerin, die im 7. Semester in Erlangen studiert. Regelmäßig trainiert sie Volleyball und Turnen.

Als sie nach einem Neun-Stunden-Flug in Windhoek ankam, hatte sie einige Turnschuhe, Trikots, Blöcke und Stifte im Gepäck – als Spende für die Kinder. "Klar war ich aufgeregt, aber mich hat Afrika gereizt, und ich wollte ein anderes Schulsystem kennen lernen."

Ihren ersten Tag an der "Primary and Secondary School" wird sie wohl nie vergessen: Die eigentliche Deutschlehrerin ist krank. Inga soll an dem Tag eine 8., eine 9. und und eine 11. Klasse unterrichten. Ohne Lehrplan. "Keep them busy", rät ihr ein afrikanischer Kollege – beschäftige die Schüler einfach!

Seltsamer Stundenplan

"In der 8. Klasse war erst mal das totale Chaos", erzählt Inga. Doch dann improvisiert sie einfach, führt mit den Kindern eine Diskussion auf Deutsch. Obwohl eine Schulstunde offiziell 40 Minuten dauert, kann es passieren, dass der von Hand geschlagene Gong zu früh oder zu spät ertönt. "Dann steht manchmal schon die nächste Klasse vor der Tür", sagt Inga und schmunzelt. Einen Raumbelegungsplan? Gibt es nicht.

Genauso gewöhnungsbedürftig: Der Stundenplan verteilt sich auf sieben Tage – ohne das Wochenende natürlich. Am Anfang des Schuljahres beginnt am Montag Tag 1 – und die Woche endet am Freitag mit Tag 5. Doch dann beginnt die neue Woche am Montag mit Tag 6, gefolgt von Tag 7 am Dienstag. Die neue Schulwoche beginnt dann am Mittwoch wieder mit Tag 1. "Das ist einer der vielen Widersprüche im namibischen Schulsystem", sagt Inga.

Inga in der namibischen Schule © privat


Ebenso wie der oft militärische Drill: Die Kinder tragen Schuluniformen – und an machen Schulen gibt es sogar noch die Prügelstrafe. Nicht jedoch an Ingas Schule. "Aber die afrikanischen Kinder, die ich hatte, kannten nur Frontalunterricht und haben noch nie eine Gruppenarbeit gemacht."

Die Partnerschaft zwischen dem BLLV und Namibia begann vor 20 Jahren. Sie geht auf die Initiative von Dieter Poschardt, dem früheren Leiter des Praktikumsamtes an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, zurück. Für hunderte junger bayerischer Lehrer ist das Praktikum ein unvergesslicher Teil ihres Studiums.

Mit neuen pädagogischen Methoden aus Deutschland will der BLLV bei diesen Auslandspraktika ein wenig Entwicklungshilfe leisten. Inga versuchte zum Beispiel eine "Listening Comprehension" am Laptop: Die Kinder sollten ein Video auf Deutsch anschauen und danach sagen, was sie verstanden haben.

Der Tag im Internat beginnt wegen der Hitze schon um 4.50 Uhr. Morgens gibt es einen Appell, bei dem alle Schüler antreten müssen. Dann wird gebetet. In der Regel ist nach acht Schulstunden Schluss. Im benachbarten Internat, in dem Inga untergebracht war, gibt es nach dem Abendessen noch eine "Study Time".

Uniform beim Sport

Der Sportunterricht, den Inga zusammen mit einem anderen deutschen Praktikanten halten sollte, war ebenfalls sehr improvisiert. Es gibt keinen richtigen Sportplatz, die Kinder tragen beim Sport ihre Schuluniformen.

Vorher haben die Jungs einfach Fußball gespielt – und die Mädchen haben zugeschaut. Inga und ihr Kollege haben mehr Spiele mit und ohne Ball gespielt und alle Kinder integriert. Zwei Mal pro Woche bot Inga Hahn auch ein Fußballtraining an.

In ihrer Freizeit hat Inga viel mit den Kindern gespielt. "Die sind noch sehr klein und dürfen nicht so oft nach Hause fahren." In Karibib fühlte sich Inga sicher, es gab keinerlei Probleme. Mit vielen Kollegen schloss sie Freundschaften. Diverse Ausflüge in Namibia, zu den Victoria Falls in Simbabwe oder ein Trip nach Kapstadt rundeten das halbe Jahr Afrika ab.

"Ich habe den Freiraum dort sehr genossen. Es war gut, das Land kennen zu lernen, sich selbst auszuprobieren und ein anders Schulsystem kennen zu lernen. Ich finde, man bewirkt als junger Lehrer dort unten etwas", zieht Inga Bilanz. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland stand sie erst mal unter Kulturschock.

Weitere Infos zum Namibia-Aufenthalt bayerischer Lehramtsstudenten gibt es über den Kurzlink https://tinyurl.com/ y8pd2ygz 

SEBASTIAN MÜLLER

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