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Praktikum mit großer Herausforderung

Neues Programm der Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Erlangen-Nürnberg für Master-Studenten - 11.12.2015 10:00 Uhr

Lisa-Maria Lehner war bei der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) in London.

Lisa-Maria Lehner war bei der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) in London. © Foto: Reuters


Auf Englisch kommunizieren, bei Telefonkonferenzen mit Chefs von Milliardenkonzernen souverän bleiben, im Team mit rund 20 Bankern seine Kompetenz beweisen – und das alles weit weg von zu Hause, alleine im Ausland. Für Lisa-Maria Lehner war das Praktikum am Anfang eine Herausforderung. „Aber nach der ersten Eingewöhnungszeit habe ich gemerkt, dass ich jede Menge Fachwissen einbringen konnte und meine Arbeit geschätzt wurde“, sagt sie.

Lisa-Maria hat drei Monate lang bei der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) in London gearbeitet. „Das Praktikum hat meinen Horizont fachlich, sprachlich und kulturell erweitert“, sagt die 27-Jährige, die kurz vor dem Abschluss des Master-Studiengangs Finance, Auditing, Controlling, Taxation (FACT) steht.

Sie war durch einen Aushang in der Uni auf das Praktikumsprogramm aufmerksam geworden. Zur Infoveranstaltung der Professor(inn)en Nadine Gatzert, Christian Merkl und Hendrik Scholz kamen einige Interessierte. Zunächst sollten sich alle schriftlich bewerben. Lisa-Maria kam in die engere Auswahl.

Dann musste sie sich noch in mehreren Videointerviews via Skype beweisen, in denen die Personalabteilung der EBRD, der Direktor und spätere Kollegen aus dem Team ihr Fachwissen prüften, bevor sie die Zusage bekam. Ihre Hauptaufgabe im Praktikum war es, herauszufinden, in welche Projekte von Unternehmen die Bank Eigen- oder Fremdkapital investieren könnte. Dadurch sollte die Marktwirtschaft von Entwicklungsländern gestärkt werden. Dafür analysierte Lisa-Maria die Unternehmensstruktur, die finanzielle Situation der Firma und den Wettbewerb, und sie erstellte Finanzmodelle.

Besonders gut gefallen hat ihr der Einblick in das große Ganze eines Unternehmens: „In den Lehrveranstaltungen an der Uni bekommt man das Fachwissen zu einzelnen Gebieten. Im Praktikum war ich von der Projektidee bis zum Projektabschluss beteiligt, habe gesehen, wie verschiedene Abteilungen im Unternehmen zusammenarbeiten und konnte vielseitige Aufgaben ausführen“, erklärt sie.

Für die Studentin aus Lauf/Pegnitz war es eine große Unterstützung, dass ihr Praktikum von der Staedtler-Stiftung gefördert wird. Das Budget deckte nicht nur Miete, Fahrt- und Lebensmittelkosten ab, sondern auch Fachliteratur.

Milena Kern hat das Praktikum bei der International Labor Organization (ILO) in Genf absolviert.

Milena Kern hat das Praktikum bei der International Labor Organization (ILO) in Genf absolviert. © Foto: dpa


Milena Kern, die Doctoral Master of Science in Economics (DMSE) studiert, hat das Praktikum bei der International Labor Organization (ILO) in Genf absolviert. Eigentlich war es für Drittsemester ausgeschrieben, Milena war allerdings erst in ihrem 1. Master-Semester. „Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich entschlossen habe, es trotzdem zu versuchen“, sagt die 25-Jährige.

Als Sonderorganisation der Vereinten Nationen hat die ILO das Ziel, soziale Gerechtigkeit sowie Menschen- und Arbeitsrechte zu fördern. Milena arbeitete sechs Monate lang im Research Department und betreute eigenständig ein Projekt, in dem es um das Thema europäische Arbeitsmarktpolitik nach der Krise ging.

„Es ist neu in der Forschung, dass hier regionale Daten einbezogen werden“, erklärt die Erlangerin. Da der Arbeitsmarkt in einzelnen Regionen eines Landes sehr unterschiedlich aussehen kann, können anhand der regionalen Daten genauere Aussagen getroffen werden. Milena hat Daten aufbereitet, Graphiken erstellt und ein wissenschaftliches Paper über ihre Erkenntnisse verfasst. „Ich habe schon eine Zeit gebraucht, um mich in die Methodik und Programme einzuarbeiten“, gibt sie zu. Aber dann sei sie problemlos zurechtgekommen.

Die vielseitigen Aufgaben und das internationale Arbeitsumfeld haben ihr gut gefallen. Kommuniziert wurde auf Englisch, Deutsch oder Französisch. „Im Team mit einem Italiener, Spanier, Inder und Amerikaner zu arbeiten, hat mir oft gezeigt, wie deutsch meine Denk- und Herangehensweise ist.“

Suche nach mehr Plätzen

Milena kan sich gut vorstellen, nach ihrem Abschluss, eine feste Stelle bei der ILO anzutreten. Aber auch die Wissenschaft reizt sie: „Ich habe durch das Praktikum sehr viel Spaß an der Forschung gefunden und könnte mir auch vorstellen an der Uni zu bleiben und zu forschen.“

Ein Erfolg des Praktikumsprogramms: EBRD und die ILO möchten wieder Master-Studierende der FAU beschäftigen. Jetzt arbeitet das Professorenteam daran, weitere Praktikumsstellen zu ermöglichen. „Wir sind in Kontakt mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung“, erklärt Prof. Christian Merkl vom Lehrstuhl Makroökonomik. Aber es sei immer eine Herausforderung, genau dann einen Studierenden mit dem richtigen Profil zu finden, wenn eine internationale Organisation ihn benötigt.

Aber auch die Uni profitiert von dem Praktikumsprogramm. Wer daran teilgenommen hat, meint Merkl, könne sein Wissen später in die regionale Wirtschaft und Wissenschaft einbringen. 

LEA-VERENA MEINGAST

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