Montag, 17.12.2018

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Von Nürnberg nach New York und zurück

Zwischen Jazz-Clubs und Konzert-Arenen: Der viel gefragte Musiker Lutz Häfner spielt in der ersten Liga - 14.12.2011 12:00 Uhr

„Ich bin offen für alles“: Saxophonist Lutz Häfner. © Volker Beushausen




Am einfachsten kann man Lutz Häfner bei den Auftritten des Sunday Night Orchestra in der Tafelhalle hören. Seit vielen Jahren spielt er in der unkonventionellen Big Band, die sich regelmäßig in Nürnberg trifft. Ansonsten ist er aber viel unterwegs. Zuletzt mit der Soul-Sängerin Joy Denalane, in deren Band er ein festes Mitglied ist. Und daneben hat er noch jede Menge Musik-Projekte unter seinem eigenen Namen laufen. Vor kurzem ist sein in New York produziertes Album „Bar Talk with Bela“ erschienen. Darauf zeigt der Saxophonist wieder einmal, dass er ein mit allen Wassern gewaschener Jazzmusiker ist. „Jazz ist die Basis“, sagt Lutz Häfner, „aber ich bin offen für alles.“

Diese Offenheit ist wohl auch sein Erfolgsgeheimnis. Wählerisch war er noch nie. 1972 in Nürnberg geboren, fing er als Teenager am Sigena-Gymnasium mit dem Saxophon-Spielen an. Sein Lehrer Traugott Jäschke weckte die Jazz-Rock-Leidenschaft in ihm. Wie ein Besessener übte er oft stundenlang. Nach dem Abitur studierte er zwei Semester Betriebswirtschaft, bevor er sich zum Leidwesen seiner Mutter für eine Musiklaufbahn entschied. „Im Nachhinein betrachtet, habe ich dem Widerstand meiner Mutter viel zu verdanken: Ich wollte ihr beweisen, dass ich es als Musiker schaffe.“

Frühe Erfolgserlebnisse

Erste Erfolgserlebnisse kamen schnell: Bereits 1992 wurde er in das von Peter Herbolzheimer geleitete Bundesjugend-Jazz-Orchester aufgenommen. „Das war schon toll. 16 Jungs aus ganz Deutschland, die ihre Musikbegeisterung miteinander teilen konnten. Von den Kontakten, die sich aus dieser Talentschmiede ergeben haben, profitiere ich noch heute“, erinnert sich Häfner, der in Mannheim, Würzburg und Köln Musik studierte.

In Nürnberg wurde man schon früh auf das Ausnahmetalent aufmerksam. 1998 bekam er beim Festival Jazz Ost-West den erstmals vergebenen Internationalen Jazz-Preis der Nürnberger Nachrichten verliehen.

Dass die Jury damals den richtigen Riecher hatte, beweist allein schon die schier endlose Liste der Musiker, mit denen Häfner seitdem gespielt hat: Die Rock-Röhre Bonnie Tyler ist ebenso vertreten wie die Sängerin Helen Schneider, der verstorbene Jazz-Altmeister Albert Mangelsdorff oder die Schlagersänger Sarah Connor und Tony Marshall. Besonders stolz ist Häfner auf die Zusammenarbeit mit Chuck Leavell, dem musikalischen Leiter der Rolling Stones. In die elitäre Jazz-Ecke hat er sich – ähnlich wie sein Kollege Wolfgang Haffner – nie verkrochen. „Ich war mir nie zu fein für populäre Musik und musste mich auch nicht verbiegen“, erklärt Häfner. „Wenn die Musiker ihr Handwerk verstehen und mit Leidenschaft bei der Sache sind, ist das okay.“

Zum Beispiel war er lange Mitglied in der Live-Band der TV-Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Manchmal eröffnen scheinbar zweitklassige Projekte auch erstklassige Perspektiven: Erst hatte sich Häfner fast ein bisschen dafür geniert, dass er ein Instrumental-Album für das Schlager-Duo Marshall & Alexander produzierte. Doch dann hörte Star-Trompeter Till Brönner die fertige CD und war von den Arrangements so begeistert, dass er dem Nürnberger sein Christmas-Album anvertraute – das dann 2008 mit einem Jazz-Echo ausgezeichnet wurde.

Inzwischen hat sich Lutz Häfner nicht nur als Solist, sondern auch als Arrangeur und Produzent einen Namen gemacht. Er arrangierte das Erfolgsalbum „In diesem Moment“ von Roger Cicero, demnächst folgt die neue CD von Max Herre. Nicht zu vergessen Die Fantastischen Vier, mit denen er beim „Heimspiel“ in Stuttgart vor 70000 Fans auf der Bühne stand. „Das war ein Wahnsinnserlebnis.“ Ein wichtiger Partner ist in diesem Zusammenhang der Kölner Keyboard-Spieler Lillo Scrimali, mit dem viele Projekte entstehen.

Durch all diese Auftragsarbeiten hat Lutz Häfner enorm viel Erfahrung gewonnen, dabei seine eigene Musik aber nie aus den Augen verloren. Im Herbst nächsten Jahres wird er Professor an der Musikhochschule in Bern, wo auch der Schlagzeuger Dejan Terzic unterrichtet, mit dem er früher im Sunday Night Orchestra gespielt hat. Mit dem Orchester tritt Häfner am 27./28. Dezember in der Tafelhalle auf, mit seinem Quartett am 20.Januar im Nürnberger Jazzstudio.

Seiner Heimatstadt, wo er mit Frau und zwei kleinen Kindern lebt, bleibt der Musiker verbunden. Hier fühlt er sich wohl, hier kann er sich auf seine Arbeit konzentrieren. Außerdem gibt es ja auch Internet und Flughafen. Denn der Blick über den Tellerrand ist auch für Musiker heute lebenswichtig.

Aktuelle CD: Lutz Häfner, „Bar Talk with Bela“ (Care Music)

  

STEFFEN RADLMAIER

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