VW Tiguan: Update mit Sport und Stecker

25.9.2020, 18:33 Uhr
VW Tiguan R: Sportlicher geht es nicht mehr im Programm, der "R" leistet 320 PS.

© Hersteller VW Tiguan R: Sportlicher geht es nicht mehr im Programm, der "R" leistet 320 PS.

Wer VW sagt, meint häufig Golf. Und der in Wolfsburg inszenierte mediale Trommelwirbel rückt derzeit vor allem die neuen Elektro-Modelle ID.3 und ID.4 in den Vordergrund.

Der weltweit aktuell meistverkaufte Volkswagen ist jedoch der Tiguan. Jetzt hat das 4,51 Meter lange Kompakt-SUV ein Update erfahren. Kleiner Auszug aus dem, was sich getan hat: Ein paar optische Retuschen modernisieren vor allem die Frontpartie, der "Travel Assist" ermöglicht nunmehr teilautonomes Fahren bis 210 km/h, wobei der Tiguan mithilfe kapazitativer Flächen sorgsam darauf achtet, dass sein Fahrer brav die Hände am Lenkrad lässt.

Touchen und Sliden

Die neue Generation des sogenannten Modularen Infotainment-Baukastens (MIB3) sorgt für optimierte Vernetzung, bietet neue Online-Dienste und macht bei der Smartphone-Anbindung via Apple CarPlay oder Android Auto das Kabelgewurschtel obsolet. Obendrein gibt es geänderte Bedienstrukturen mit Touch-Elementen am Lenkrad und Touch-Slidern an der Mittelkonsole, die berührungsempfindlichen Schieberegler sind für Temperatur und Lautstärke da.

Digitaler und mit neuen Touchelementen versehen: Das ist nicht nur im Cockpit des Tiguan R so.

Digitaler und mit neuen Touchelementen versehen: Das ist nicht nur im Cockpit des Tiguan R so. © Hersteller

Vor allem aber ergänzen zwei neue Antriebsvarianten das Programm. Mit Stolz verweist VW auf die Krone der Tiguan-Schöpfung: Das Performance-Modell Tiguan R wird zwar nur eine leistungshungrige Randgruppe ansprechen, dies aber mit der Power von 235 kW/320 PS und 420 Newtonmetern, freigesetzt von einem Zweiliter-Turbo-Vierzylinder. Per Tastendruck ist der Race-Modus zu aktivieren, der den Sound sofort verschärft und 7-G-DSG, Sportfahrwerk, Progressivlenkung sowie das Torque Vectoring des Allradantriebs sportiver abstimmt. Zum Torque Vectoring ist zu sagen, dass ein Torque-Splitter die Antriebskräfte bedarfsgerecht auch zwischen den Hinterrädern verteilt, was die Kurvendynamik spürbar steigert.

Anders als das R-Modell könnte der Tiguan eHybrid dagegen bei einer breiteren Käuferklientel auf der Shoppinglist landen, denn dank großzügiger Förderprämien von bis zu 7110 Euro brutto drängen Plug-in-Hybride zunehmend den Diesel als den für SUVs gesetzten Standardantrieb aus dem Blickfeld.

Die Plug-in-Technik des eHybrid kennt man bereits aus dem Golf GTE. Ein 110 kW/150 PS starker 1,4-l-TSI-Benziner und eine E-Maschine mit 85 kW/115 PS ergänzen sich zu einer Systemleistung von 180 kW/245 PS und einem Drehmoment von 400 Newtonmetern. Der 13-kWh-Akku ermöglicht nach NEFZ 65 Kilometer rein elektrisches Fahren, wir gehen in der Praxis eher von 50 Kilometern aus. Das ist nicht schlecht, doch die Ansprüche steigen, inzwischen erscheint ein solcher Aktionsradius tatsächlich schon überschaubar. Der (freilich weniger leistungsstarke) Golf eHybrid beispielsweise stromert nach Norm bis zu 80 Kilometer weit.

Sportlicher GTE-Modus

"Wir wollen das elektrische Fahren in den Vordergrund stellen", sagt Dr. Kai Philipp, technischer Projektleiter für elektrifizierte Antriebe bei VW. Somit startet der Tiguan eHybrid immer rein strombetrieben. Wurde der "Hybrid"-Modus angewählt, organisiert die Software im weiteren Verlauf der Reise das Zusammenspiel zwischen E-Motor und Verbrenner. Alternativ kann der Fahrer rein elektrisches Fahren aktivieren (E-Mode) oder in den sportlichen GTE-Modus wechseln, in dem beide Antriebe ihre maximale Leistung entwickeln.

VW Tiguan eHybrid: Erstmals bekommt Volkswagens Kompakt-SUV einen Stecker.

VW Tiguan eHybrid: Erstmals bekommt Volkswagens Kompakt-SUV einen Stecker. © Hersteller

Geladen wird Wechselstrom (AC) einphasig mit 2,3 oder 3,6 kW. Verbrauchswerte hat VW noch nicht an die Hand gegeben.

Twindosing killt Stickoxide

Während Tiguan R und Tiguan eHybrid erst im vierten Quartal dieses Jahres bestellbar sein werden, lassen sich die übrigen Benziner und Diesel schon jetzt ordern. Kunden haben einerseits die Wahl zwischen zwei 1,5-l-TSI-Vierzylindern mit 96 kW/130 PS und 110 kW/150 PS, die im Teillastbetrieb zwei Zylinder abschalten. Andererseits halten sich drei  Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit 90 kW/122 PS, 110 kW/150 PS und 147 kW/200 PS bereit, die jetzt eine neue, besonders effektive Twindosing-Abgasreinigung (zweifacher SCR-Kat, zweifache AdBlue-Einspritzung) bekommen.

Der Einstiegspreis für den Tiguan 1.5 TSI 96 kW beträgt 28.206 Euro. Für den Tiguan R werden vermutlich rund 58.000 Euro aufgerufen und für den eHybrid ca. 42.000 Euro, wenn sie jeweils Ende des Jahres auf den Markt kommen – praktisch zeitgleich mit dem "elektrischen Tiguan" ID.4, um den VW so viel Trommelwirbel entfaltet.

Ulla Ellmer

 

VW Tiguan in Kürze:

Wann er kommt: Ist bereits bestellbar

Wen er ins Visier nimmt: Audi Q3, Mercedes GLB, BMW X1, Nissan Qashqai, Volvo XC40, Hyundai Tucson, Kia Sportage, Seat Ateca, Skoda Kodiaq, Opel Grandland X etc.

Was ihn antreibt:  1,5-l-TSI-Vierzylinder mit 96 kW/130 PS und 110 kW/150 PS;  Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit 90 kW/122 PS, 110 kW/150 PS und 147 kW/200 PS

Was er kostet: Ab 28.206 Euro

Was noch kommt: Im vierten Quartal 2020 Tiguan R und Tiguan eHybrid