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Freitag, 27.11.2020

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Energiewendebündnis kritisiert Ökostrom-Vorhaben der N-Ergie

Die Ankündigung sorgte Anfang Oktober für überregionales Aufsehen - 20.11.2020 11:58 Uhr

Die N-Ergie soll in Anlagen zur Erzeugung von Öko-Strom, etwa PV-Anlagen, investieren, fordert das Energiewendebündnis. 

14.11.2020 © imago images/MiS


Die Pressemitteilung der N-Ergie von Anfang Oktober liest sich erfreulich: Durch die Umstellung auf reinen Ökostrom spare man jährlich rund 480.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) ein. Und der grüne Strom komme nur aus Deutschland und möglichst aus der Region. Damit bringe man eine dezentrale Energiewende voran, so der Vorstandsvorsitzende Josef Hasler damals im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Ankündigung und weitere Äußerungen des N-Ergie-Chefs im Geschäftsbericht des Unternehmens hält Peter Mühlenbrock vom Nürnberger Energiewendebündnis für einen Marketing-Gag. "Das ist Greenwashing, da steht nicht viel dahinter. Um wirklich CO2 einzusparen müsste man neue Anlagen bauen", so der Bündnis-Sprecher.

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Das Unternehmen erzeuge nur ein Prozent des grünen Stroms in eigenen Anlagen. Der Rest komme von Dritten, also zum Beispiel von Hausbesitzern, die über die PV-Anlage auf ihrem Dach Strom ins Netz einspeisen. Die N-Ergie kaufe fast ausschließlich Zertifikate. "Das spart keine Tonne CO2 ein. Das ist ein Ökostrom-Angebot, das seinen Namen nicht verdient", findet Mühlenbrock.

Öko-Strom wird günstiger

Insgesamt 46 Prozent des Stromes wird in Deutschland aus Erneuerbaren Energien erzeugt. Tendenz steigend. Der Grund ist, dass Strom aus Sonne, Wind und Biomasse günstiger zu erzeugen ist, als aus fossilen Energieträgern, die mit hohen Gebühren belegt sind. Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2030 mindestens 65 Prozent Ökostrom zu erzeugen.

Zur Klimaneutralität fehlen aber noch 35 Prozent. Und dieses Ziel will die Stadtverwaltung bis 2035 erreichen und es soll auch für die städtischen Tochterunternehmen gelten, berichtet Mühlenbrock, der auf einen Stadtratsbeschluss aus dem Juli 2019 verweist. Das Energiewendebündnis fordert deshalb, dass die N-Ergie massiv in den Ausbau eigener Anlagen investiert, oder Kapazitäten von Drittanbietern anmietet.


Erneuerbare Energien: Region nutzt ihr Potenzial noch nicht


Die Klimaschützer haben sich in einem Schreiben an Josef Hasler gewandt. Er hat mittlerweile geantwortet und stellt einen Ausbau von Ökostrom-Anlagen mit einer Leistung von 20 bis 50 Megawatt Leistung pro Jahr in Aussicht. Aus Sicht von Peter Mühlenbrock ist das jedoch völlig unzureichend: "Das ist kümmerlich und reicht bei weitem nicht aus. Klimaneutralität ist so nicht erreichbar." Er und seine Mitstreiter hoffen nun, dass die Stadt ihren Einfluss auf das Unternehmen nutzt.

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