Lebensmittel-Check

Hanfsamen sind nährstoffreich - haben sie auch eine psychoaktive Wirkung?

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Katja Kiesel

Volontärin

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21.3.2022, 08:30 Uhr
Hanfsamen – ein Superfood, das auch bei uns wächst – sind voll von gesunden Nährstoffen. Sie passen zu vielen Gerichten, lassen sich über Joghurt, Müsli, Smoothies oder Salat streuen oder im Teig verbacken.

© imago images/Shotshop Hanfsamen – ein Superfood, das auch bei uns wächst – sind voll von gesunden Nährstoffen. Sie passen zu vielen Gerichten, lassen sich über Joghurt, Müsli, Smoothies oder Salat streuen oder im Teig verbacken.

Die Zahl der Menschen, die Hafensamen für sich entdecken, wächst. Seit einiger Zeit findet man die kleinen Körner und die Lebensmittel, die man aus ihnen herstellen kann – wie zum Beispiel Brotaufstriche, Hanfmehl, -öl oder Hanfsamenriegel – vermehrt in den Ladenregalen: Produkte aus der Hanfpflanze liegen im Trend.

Das gestiegene Interesse an Hanfprodukten hat verschiedene Gründe. "Hanf, das hat ein etwas verrufenes Image, man denkt vielleicht an Kiffer oder Hippies – und das macht natürlich neugierig", vermutet Daniela Krehl, Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Vielseitigkeit

Mit Drogentrips haben Hanfsamen allerdings nichts zu tun, die kleinen Samenkörner haben es aber auch ohne Rauscheffekt ganz schön in sich – obwohl man das aufgrund ihrer unscheinbaren Optik auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde.

Sie schmecken leicht süßlich bis nussig und passen damit zu vielen Gerichten, sind unkompliziert kombinierbar und einfach in den Speiseplan integrierbar: "Hanfsamen lassen sich über Joghurt, Müsli, Smoothies oder Salat streuen oder im Teig für Brot, Brötchen oder Knäckebrot verbacken", empfiehlt die Ernährungsexpertin.

In Sachen Vielseitigkeit gibt es dafür von uns vier von fünf grünen Punkten.

Gesundheit

Übrigens sind sie geschält oder auch ungeschält essbar. "Die Ungeschälten sind durch die Schale deutlich ballaststoffreicher, die Geschälten sind etwas zarter im Geschmack", weiß die Expertin. Eine der ersten Fragen, die beim Wort "Hanf" aufkommen, ist sicher die: "Wird man davon high?" Das kann Daniela Krehl verneinen. "Die Samen der Hanfpflanze enthalten natürlicherweise gar kein THC (Tetrahydrocannabinol), jene psychoaktive Substanz, die zu Rauschzuständen führen kann.

"In Deutschland und europaweit gelten klare Grenzwerte für den Verkauf von Hanfprodukten. Trotzdem ist über das Bundesamt für Risikobewertung bekannt, dass es immer wieder auffälligere Proben mit zu hohem THC-Gehalt gibt – der kann durch Verunreinigungen mit anderen Pflanzenteilen bei der Ernte oder der Verarbeitung zustande kommen. Bei Schwangeren oder Kindern wäre ich deshalb ein bisschen vorsichtiger", lautet der Hinweis von Daniela Krehl.

Statt THC stecken in den kleinen Kraftpaketen jedoch jede Menge wertvoller Inhaltsstoffe, die Bezeichnung "Superfood" ist deshalb durchaus gerechtfertigt und sorgt für volle Punktzahl in der Rubrik "Gesundheitscheck". Unter anderem enthalten sie reichlich Vitamine und Mineralstoffe, darunter Magnesium, Eisen und Zink, leicht verdauliches und hochwertiges Eiweiß und mehrfach ungesättigte Fettsäuren in einem besonders guten Verhältnis.

"Die kann man mit Vitaminen gleichsetzen – unser Körper kann sie nicht selbst produzieren und wir müssen sie über die Nahrung aufnehmen", weiß Daniela Krehl. "Sie sind wichtig für die Hormonbildung und unser Immunsystem, können Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und den Cholesterinspiegel senken."

Neben Fisch sind vor allem pflanzliche Öle ein guter Lieferant dieser ungesättigten Fettsäuren: "Gerade für Vegetarier und Veganer können Hanfsamen also ein spannendes Lebensmittel sein, ebenso für Menschen, die nach Low Carb leben, weil die Samen kaum Kohlenhydrate enthalten." Aber: Weil die Hanfsamen viele Fette enthalten – wenn auch gesunde – sind sie recht kalorienreich: Auf 100 Gramm kommen etwa 500 Kalorien. Allerdings nimmt man Hanfsamen – wenn man sie als Topping oder zum Backen nutzt – kaum in größeren Mengen auf, auf einen Esslöffel kommen etwa 50 Kalorien.

Ökobilanz

"Dadurch, dass sich die Hanfpflanze in Gänze – von den Samen über die Blätter – verwerten lässt und es sich um ein pflanzliches Lebensmittel handelt, gehe ich nicht davon aus, dass die Umweltbilanz schlecht ist", sagt Daniela Krehl.

Und im Gegensatz zu anderem Superfood wie Chiasamen oder Acai können Hanfsamen regional aus deutscher Produktion gekauft werden: "Wer kann, sollte auf einen regionalen Anbau achten." Lange Transportwege fallen dann weg, was sich positiv auf den ökologischen Fußabdruck auswirkt.

Zu kaufen gibt es die Powerkörner zum Beispiel im Reformhaus, in manchen Drogerien und Supermärkten, in Bio-Supermärkten oder natürlich online.

Mehr Informationen in unserer Rubrik Essen und Trinken!

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