Falafel in der Tupperdose

Mehrwegsystem: Nürnberger Restaurant könnte Vorbild für viele sein

Ella Schindler

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14.6.2021, 09:15 Uhr
In seinem Orient-Restaurant "Der Express" im Nürnberger Stadtteil Gostenhof hat Ali Zibi zu Beginn des zweiten Lockdowns im November 2020 ein Pfandsystem eingeführt. Wer mag, kann sein Gericht in einer Tupperdose mit nach Hause nehmen.

© Stefan Hippel In seinem Orient-Restaurant "Der Express" im Nürnberger Stadtteil Gostenhof hat Ali Zibi zu Beginn des zweiten Lockdowns im November 2020 ein Pfandsystem eingeführt. Wer mag, kann sein Gericht in einer Tupperdose mit nach Hause nehmen.

Eine nachhaltigere Lösung hat sich das Orient-Restaurant "Der Express" in Nürnberg-Gostenhof überlegt. Schon im November – gleich zu Beginn des zweiten Lockdowns – servierte es seinen Gästen Falafel, Reis und Co. in Mehrwegbehältern.

Die Bilanz nach den ersten sieben Monaten: "Es funktioniert, die Kunden nutzen es", berichtet Nora Zibi vom Restaurant, das libanesische Küche in der Kernstraße bietet. "Wir achten sehr darauf, möglichst wenig Müll durch Verpackungsmaterial zu produzieren, und waren deswegen sofort begeistert, als "Der Express" sein Pfandsystem eingeführt hat. Das sollten noch viel mehr Restaurants so machen", bestätigt Katharina Russ die Aussage des Restaurants.

Eric Wurm, ebenfalls Stammkunde des Lokals, nutzt das Angebot gern: "In Zeiten von Lieferdiensten und Selbstabholung finde ich es besonders wichtig, den Aspekt der Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommen zu lassen. Leider vermisse ich solch ein Pfand-System bei vielen anderen Restaurants."

Die Entscheidung, die Mehrwegbehälter einzuführen, ist im Orient-Restaurant schnell gefallen, erinnert sich Zibi: "Wir wollten weg vom Abfall, uns war der Umweltgedanke wichtig." Die Suche nach dem passenden Konzept dauerte aber etwas. Mehrere Systeme für Mehrweggeschirr habe man geprüft, "aber keins davon hat unseren Anforderungen standgehalten".

Die Überlegung, dass die Gäste ihre eigenen Behälter mitbringen, wurde schnell verworfen, so Zibi: "Die Dose müsste 20 Minuten vor der Abholung da sein, damit wir sie befüllen können." Diese Zeit zum Herrichten des Gerichts wolle sich "Der Express" nehmen. "Es soll schön dekoriert werden."

Augen auf bei Mehrweggeschirr

Das Auge isst mit, auch beim Essen aus der Tupperdose.

Das Auge isst mit, auch beim Essen aus der Tupperdose. © Stefan Hippel

Außerdem gibt es eine Reihe an Vorschriften, die das Lokal dabei beachten müsste und die die Nutzung der mitgebrachten Behälter zumindest kompliziert machen, erläutert die junge Frau: "Die Verpackung vom Gast darf zum Beispiel mit dem Küchengeschirr nicht in Berührung kommen."

Auch die Verbraucherzentrale Bayern verweist darauf, dass Mehrwegverpackungen für Gerichte einige Voraussetzungen erfüllen müssen. "Die Hygiene muss gewährleistet werden. Und das Mehrweggeschirr muss so weit sicher sein, sodass keine Schadstoffe ins Essen gelangen. Die Lokale müssen die Kunden informieren, ob die Behälter für die Mikrowelle und Backofen geeignet sind. Auch die Frage, ob die Behälter säureresistent sind, muss geklärt sein. Bei Aluminium etwa wäre das nicht der Fall", erläutert Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale, die die Idee eines Mehrweg-Systems in der Gastronomie grundsätzlich begrüßt.

"Der Express" hat sich im November vergangenen Jahres für Plastikdosen entschieden, die robust und spülmaschinentauglich sind. An den Start ging man zunächst mit 50 Behältern. "Aber wir mussten ziemlich schnell nachkaufen, weil die Nachfrage groß war", sagt Nora Zibi. Inzwischen sind etwa 250 Behälter im Umlauf.

Sie gibt es in verschiedenen Größen, für Salate und Hauptgerichte. Zwischen zwei und fünf Euro pro Behälter müssen die Kunden als Pfand dafür zahlen. Den passenden Preis festzulegen, ist eine Herausforderung, gibt Zibi zu: "Man muss die Mitte finden. Es darf nicht zu teuer sein, aber es muss einen Anreiz bieten, die Dosen zurückzubringen." Im "Express" funktioniert es gut, so Zibi, weil es viele Stammkunden gibt.


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Genau da ist der Haken, wenn es um Mehrwegsysteme in der Gastronomie geht, sagt Robert Horka, Vorsitzender der Kreisstelle Nürnberg im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA): "Es braucht Menschen, die regelmäßig kommen. Für Lokale, die viele Stammkunden haben und die in der Nähe großer Firmen liegen und daher oft als Kantinenersatz genutzt werden, lohnt es sich. Für andere aber wird es mühsam und schwierig. Wichtig wäre es, dass die Einwegverpackung biologisch abbaubar ist."

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Beim libanesischen Restaurant ist dies laut Zibi der Fall. Es ist nicht komplett auf das Pfandsystem umgestiegen. Wer nicht in der Nähe wohnt oder nicht so oft Essen bestellt, entscheidet sich doch oft für eine Einwegverpackung. "Wir fragen immer nach, ob der Kunde sein Essen in unseren Behältern haben möchte. Die Menschen sollten unser Mehrwegsystem kennenlernen. Wir wollen sie dazu nicht zwingen, aber gerne überzeugen."

Dem Restaurant scheint das im Moment oft zu gelingen. Für die nahe Zukunft, sagt Zibi, braucht "Der Express" noch mehr Behälter – und gerne auch mehr Personal.

Mehr Informationen über den Express in unserer Rubrik Essen und Trinken!

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