City-Cars auf der Automesse

IAA Mobility 2021: Neue Stadtautos mit Elektroantrieb

13.9.2021, 16:38 Uhr
Bis aus der VW-Studie ID.Life Serienwirklichkeit wird, dauert es noch rund vier Jahre.

Bis aus der VW-Studie ID.Life Serienwirklichkeit wird, dauert es noch rund vier Jahre. © Hersteller

Bekanntlich hat sich die IAA Mobility 2021 nicht nur auf die Messehallen in München-Riem beschränkt, sondern darüber hinaus die Innenstadt als Schauplatz erwählt. Just in der City fühlen sich auch einige der wichtigsten Neuheiten besonders wohl.

Dabei haben sie eines gemeinsam: Sie fahren, natürlich, allesamt elektrisch. Das gilt beispielsweise für den ID.Life, der das elektrische Portfolio von VW nach unten abrunden soll und, wenn er vom Status eines Concept-Cars in den der Serienversion wechselt, wahrscheinlich ID.1 oder ID.2 heißen wird.

Die Sitze werden zur Liegefläche

Technisch basiert der Stromer auf der Small-Ausführung des Modularen Elektrobaukastens (MEB). Im Unterschied zu den anderen Vertretern der ID-Familie ist der Junior mit Frontantrieb unterwegs, ein 57-kWh-Akku ermöglicht rund 400 Kilometer Reichweite. Das Showcar leistet 172 kW/234 PS, da wird es noch was mit weniger Muskeln geben. Auch das abnehmbare Dach aus Luftkammer-Textil, die zu Unterhaltungs- und Gaming-Zwecken aus der Armaturentafel ausfahrbare Projektionsleinwand und die Kameraäuglein als Außenspiegel-Ersatz werden es wohl nicht in die Serienfertigung schaffen.

Schön wäre es indes, wenn Kunden auf die Umlegefunktion der vorderen und hinteren Sitzbank zählen könnten, sie generiert ein zwei Meter langes Bett.

Zweites Leben für PET-Flaschen

Elektrisch fahren zu können ist nicht alles, was ein Öko-Auto ausmacht. Auch nachhaltig soll es sein, und so wirken beim ID.Life Holzspäne im Lack als natürliche Farbgeber, die Grundzutaten für die Reifen sind Bio-Öl, Naturkautschuk und Reishülsen, und das besagte Luftkammer-Textil fürs Dach sowie die Frontabdeckung bestehen komplett aus wiederverwerteten PET-Flaschen.

Leider lässt sich VW mit seinem kleinen Stromer noch Zeit, erst 2025 ist mit ihm zu rechnen, vermutlich zu Preisen ab ca. 20.000 Euro gerechnet.

Der Cupra Urban Rebel ist eng mit dem ID.Life verwandt, wurde auf der Messe aber als kleiner Rennwagen gezeigt.

Der Cupra Urban Rebel ist eng mit dem ID.Life verwandt, wurde auf der Messe aber als kleiner Rennwagen gezeigt. © Hersteller

Neben VW werden auch die Konzernschwestern Skoda und Seat auf Basis des Small-MEB ihre elektrischen Kleinwagen auf den Markt bringen. Seats Sportmarke Cupra gab auf der IAA Mobility schon mal einen Ausblick auf das entsprechende Modell. Allzu viel von ihrem eher wilden Aussehen dürfte die passenderweise "Urban Rebel" getaufte Studie der Serienversion freilich nicht vererben. Beim Concept handelt es sich schließlich um einen Rennwagen mit gefährlich wirkender Haifischnase und einer Panoramascheibe, sie soll die Wirkung eines Helms erzeugen. Anders als die ziemlich sicher viertürige Serienvariante belässt es der Urban Rebel bei Zweitürigkeit, und mit 320 kW/435 PS ist er für den Stadtfahrer/die Stadtfahrerin reichlich übermotorisiert.

Isetta als Vorbild

Die Außenlänge von rund 4,10 Metern lässt VW ID.Life und Cupra Urban Rebel zumindest über Kleinstwagendimensionen hinauswachsen. Anders sieht das beim Microlino aus: Die 2,44 m kurze Inkarnation der legendären BMW Isetta soll nach langem Ringen tatsächlich in Bälde zu haben sein, spätestens im März 2022 sei es soweit, wie in München zu erfahren war, die Preise beginnen bei 12.500 Euro. Drei Editionen (Urban, Dolce und Competizione) sowie drei Batteriegrößen stehen zur Wahl, nach denen sich auch die Reichweite richtet, die 95 Kilometer (6 kWh), 175 Kilometer (10,5 kWh) beziehungsweise 230 Kilometer (14 kWh) beträgt. Produziert wird der Microlino 2.0 im italienischen La Loggia (Turin).

Beim Smart wird alles anders: So sieht die nächste Generation aus.

Beim Smart wird alles anders: So sieht die nächste Generation aus. © Hersteller

Der Smart wird zum SUV

Ebenfalls für 2022 avisiert ist der nächste Smart, der im neuen Kleid eines fünfsitzigen Mini-Crossovers von 4,29 Metern Länge allerdings kaum wiederzuerkennen ist und auf der IAA Mobility als - sieht man einmal von den gegenläufig öffnenden Türen ab - bereits recht seriennahes Smart Concept #1 ausgestellt wird. Auch die Viersitzigkeit wird sich noch auf ein fünfsitziges Konzept erweitern. Zentrales Bedienelement ist ein Touchscreen im Format 12,8 Zoll, ein animierter Avatar führt als digitaler Assistent durch die Bedienfunktionen. Produziert wird der erwachsen gewordene Smart, der aus einem Joint Venture zwischen Mercedes-Benz und Geely resultiert, in China.

Lifestyler aus China

Aus China kommt auch der lifestylige Cat, mit dem Ora - eine Marke des Great-Wall-Konzerns - bei jungen Leuten punkten will. Das Basismodell mit 49-kWh-Akku (ab ca. 30.000 Euro) bringt es auf 300, die Version mit 63 kWh auf 400 km Reichweite. In beiden Varianten ist ein 126 kW/171 PS starker Elektromotor verbaut. Serienmäßig bringt der Cat, dessen Name (zu deutsch bekanntlich „Katze“) freundliche Nähe zum Besitzer suggerieren soll, einen 20,5-Zoll-Dual-Screen, eine 360-Grad-Kamera sowie den sogenannten Autobahnassistenten mit. Bestellstart ist noch im Herbst 2021, erste Auslieferungen sollen Anfang 2022 erfolgen.

Der R5 kehrt zurück

Renault wiederum hat auf der Messe die elektrische Wiederauferstehung des R5 bestätigt. Das Basismodell bekommt einen 40-kWh-Akku, die hochwertigere Variante kann sich auf 52 kWh verlassen, das soll für 400 Kilometer Strecke reichen. Zugriff auf den R5 wird wohl ab 20.000 bis 25.000 Euro möglich sein. Im Jahr 2024 soll es soweit sein, ein Jahr früher also als beim serienreif umgesetzten ID.Life, wie Renault-Chef Luca de Meo in München mit ersichtlicher Genugtuung kommuniziert hat.

Der ACM City One trägt die Austausch-Batterien auf dem Dach.

Der ACM City One trägt die Austausch-Batterien auf dem Dach. © Hersteller

Wechsel-Akkus auf dem Dach

Für pfiffige Ideen sorgten die Start-ups: Der ACM City One aus München ist ein 3,60 m kurzes Mini-SUV mit flexiblem Raumkonzept - je nach Bedarf finden entweder fünf Personen Platz an Bord oder der City One wandelt sich mit wenigen Handgriffen zum zweisitzigen Kleinsttransporter. Besonderer Clou sind die Akkus, die sich einfach entnehmen und austauschen lassen, was die Reichweite auf bis zu 360 Kilometer ausdehnt. Transportiert werden kann die Ersatzware auf dem Dach. Marktstart soll 2024 sein, als Einstiegspreis stehen sehr günstige 10.000 Euro im Raum.

Schmalspur-Konzept

Aus Tel Aviv kommt das Elektro-Start-up City Transformer, das in München seinen gleichnamigen Kleinstwagen vorstellt. Gerade einmal 2,50 Meter kurz ist der Stromer, dessen Spurbreite sich - was auch während der Fahrt funktioniert - von ohnedies schon parkplatzfreundlichen 1,40 Metern um weitere 40 Zentimeter schmälern lässt. Somit soll es möglich sein, dass auf einer Parkfläche gleich vier City Transformers nebeneinander Platz finden. Ein 14-kWh-Akku dient als Energiespeicher, für den Vortrieb sind zwei E-Motoren an der Hinterachse zuständig. Reservierungen werden bereits entgegengenommen, wenn das Wägelchen 2024 tatsächlich vorfährt, wird die Anzahlung (150 Euro) mit dem Kaufpreis verrechnet, der mindestens 12.500 Euro beträgt.

Der iVision Circular ist eine Minivan-Studie, die vollständig recycelbar sein soll.

Der iVision Circular ist eine Minivan-Studie, die vollständig recycelbar sein soll. © Hersteller

Einen Ideenträger für 2040 markiert der BMW iVision Circular, ein viersitziger Luxus-Stromer im Minivan-Format, der zumindest schematisch noch die BMW-Niere im Gesicht trägt und über gegenläufig öffnende Portaltüren Zustieg ins Interieur gewährt. Im Zentrum der Instrumententafel sitzt ein spacig-kristalliner Körper aus dem 3-D-Drucker, den so etwas wie Nervenbahnen durchziehen, sie sollen - man staunt - die "Gedankenströme" des Fahrzeugs sichtbar machen. Der Circular ist des bidirektionalen Ladens mächtig, kann also auch als Stromspender dienen und Strom ins Stromnetz einspeisen. Circular - der Name deutet auf einen Kreislauf und somit auf Nachhaltigkeit hin: Zu 100 Prozent besteht die Studie aus recycelten bzw. recycelbaren Materialien - wie es heißt, einschließlich der Festkörperbatterie mit ihrer hohen Energiedichte. Das sind tatsächlich gute Zukunftsaussichten.

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