Pläne für die nächste Saison

Im Nürnberger Stadtgarten der Natur näher kommen

21.10.2021, 17:30 Uhr
Die pädagogische Workshopleiterin Xenia Mohr (re.) zeigt den kleinen Besuchern die fest installierten Insektenhotels im Stadtgarten.

Die pädagogische Workshopleiterin Xenia Mohr (re.) zeigt den kleinen Besuchern die fest installierten Insektenhotels im Stadtgarten. © Michael Matejka, NNZ

In den vielen bepflanzten Kisten blüht es, was das Zeug hält. Sie stehen auf der etwa 1000 Quadratmeter großen Fläche hinter dem Heizhaus des ehemaligen Quelle-Geländes. Es ist womöglich einer der letzten warmen Herbsttage im Gemeinschaftsgarten, der gezielt als Blühgarten angelegt ist. So bietet die Fläche eine Nahrungsquelle für Insekten und stellt auch die Versorgung für die immer seltener gewordenen Singvögel sicher.

Beim Gestalten der selbstgebauten Insektenhotels können sich die Kinder individuell ausleben.

Beim Gestalten der selbstgebauten Insektenhotels können sich die Kinder individuell ausleben. © Michael Matejka, NNZ

Durch diese blühende Oase im Schatten des Quelleturms werden heute aber nicht nur die Insekten angelockt. Denn es hat sich eine Gruppe Hortkinder der Elterninitiative Kinderhaus Kunterbunt zum Bauen von Insektenhotels angemeldet. Immer lauter werdende Kinderstimmen dringen von der Straße in das grüne Fleckchen inmitten von urbanem Grau. Elf kleine Besucher, im Alter von sechs bis neun Jahren, samt Erzieher sind bei Xenia Mohr, ehrenamtlicher Stadtgärtnerin und heutiger Workshopleitung, zu Besuch.

Zunächst versorgt Mohr die großen und kleinen Gäste mit Informationen zum Stadtgarten und zu den bereits installierten Insektenhotels in der Mitte der begrünten Fläche, die vor der jetzigen Nutzung als Parkplatz gedient hat. „Man geht auf eine Fläche, die von anderen nicht gebraucht wird, und macht diese dann schöner“, erklärt sie. Denn ein Garten sei auf jeden Fall schöner als herumstehende Schrottautos.

Der Spaß kommt beim Basteln und Gestalten auch nicht zu kurz. 

Der Spaß kommt beim Basteln und Gestalten auch nicht zu kurz.  © Michael Matejka, NNZ

Nachdem die Theorie besprochen ist, geht es an die Praxis und die kleinen Bastler legen unter der Anleitung von Xenia Mohr los. Zunächst versehen sie ihre selbst mitgebrachten leeren Milchkartons mit zwei großen Löchern, dann werden diese nach Belieben angemalt und zuletzt mit Heu, Tannenzapfen und Schilfröhrchen gefüllt. Auch ein paar Blechdosen werden zu Insektenhotels umfunktioniert. Während an einem Tisch Häuschen komplett in Schwarz und Gelb entstehen, nur für Bienen versteht sich, wird am Nebentisch mit allerlei Farben experimentiert.

Die Kinder können beim Bau der Insektenhotels, die als Nist- und Überwinterungshilfe dienen, nicht nur ihr feinmotorisches Geschick beweisen, sondern sich auch kreativ ausleben. Außerdem schulen sie ihre Geduld und entwickeln und vertiefen ihr Bewusstsein für das Wiederverwenden von Materialien. Das pädagogische Ziel ist eine ganzheitliche Förderung, die Abwechslung in den Alltag der Kinder bringt und gleichzeitig ein Naturerlebnis schafft, das im städtischen Raum sonst durchaus rar ist.

Der Trägerverein Bluepingu möchte mit solchen und ähnlichen Angeboten, wie beispielsweise Kräuterführungen inklusive anschließender Kräuterbutterzubereitung, vor allem Stadtkinder ansprechen, die in ihrem eigenen Umfeld eher weniger Kontakt zur Natur haben. Ein Bewusstsein für die Umwelt und den darin lebenden Lebewesen soll geweckt und gestärkt werden. Für Irina Kumpa von der Sparkasse Nürnberg, die das pädagogische Programm von Bluepingu schon seit vielen Jahren finanziell unterstützt, ist diese Art von Förderung „eine echte Herzensangelegenheit“, da sie sich speziell an Kinder und Familien richtet, die, so beschreibt sie, „vor allem während der letzten eineinhalb Jahre einfach zu oft zu kurz kamen“.

Im Stadtgarten gibt es aber nicht nur Workshops für Kinder, sondern auch Möglichkeiten für alle Älteren, mehr über nachhaltiges Gärtnern zu lernen und sich aktiv am Begrünen der Stadt zu beteiligen. So gibt es laut Mohr unter anderem auch Gruppen für geflüchtete Frauen, Menschen mit Behinderungen oder Langzeitarbeitslose. Helfende Hände für die alltägliche Gartenarbeit sind zudem immer gerne gesehen.

Bis Ende Oktober hat der Stadtgarten noch samstags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Informationen und Anmeldungen für Workshops im nächsten Jahr unter stadtgarten@bluepingu.de