#allesdichtmachen: Das sagen Schauspieler aus der Region zur Video-Aktion

23.4.2021, 17:09 Uhr
Sie alle nahmen an der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen teil (von links oben nach rechts unten): Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl; Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet; Katharina Schlothauer, Peri Baumeister, Richy Müller.

Sie alle nahmen an der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen teil (von links oben nach rechts unten): Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl; Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet; Katharina Schlothauer, Peri Baumeister, Richy Müller. © dpa

Rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler haben sich an der Internetaktion beteiligt, und unter dem Hashtag #allesdichtmachen kurze Videos auf YouTube veröffentlicht. Mit viel Sarkasmus und Ironie kritisieren sie darin die Coronapolitik der deutschen Regierung.

Die Reaktion folgte prompt: Zahlreiche Schauspielkollegen, Medienschaffende und Politiker kritisierten die Videos als zynisch. Besonders Jan Josef Liefers mit seinem Vorwurf einseitiger Medienberichterstattung und Richy Müller mit seiner "Zwei-Tüten-Atmung" wurde vorgeworfen, die Opfer der Pandemie zu verhöhnen. Lob kam dagegen unter anderem von der AfD - was den Beteiligten zusätzlich den Vorwurf einbrachte, den Querdenkern nahezustehen.

Die Kunst- und Kulturszene leidet seit mehr als einem Jahr schwer unter den Corona-Maßnahmen. Laut dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) etwa haben viele der Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland seit März 2020 kaum Einkommen. Wir haben bei Schauspielern aus der Region nachgefragt, wie sie die Aktion ihrer Kollegen bewerten.

Matthias Egersdörfer, Kabarettist und Darsteller im Franken-Tatort

"Ironie geht mir oftmals sehr auf den Sack. Das wird gerade auch nicht besser."


#allesdichtmachen: Zynismus, der niemandem hilft


Lizzy Aumeier, Kabarettistin

"Ich bin ambivalent. Einerseits ist es eine Verhöhnung der Coronatoten und auch des Krankenhauspersonals, das über seine Kräfte arbeitet. Andererseits verstehe ich den Zynismus, denn das macht die Angst aus dir. Die Intention von #allesdichtmachen ist mir klar, aber ich finde vieles unglücklich inszeniert."

Pius Maria Cüppers, Schauspieler am Staatstheater Nürnberg

"Ich finde die Aktion unmöglich, sie ist zynisch. Klar, dass man als Kulturschaffender gerade nichts mehr zu tun hat, aber wie soll man es anders machen? Ich kann dieses Politiker-Bashing bei aller Kritik auch nicht leiden."

Norbert Neugirg, Kabarettist von der Altneihauser Feierwehrkapelln

"Seid gehorsam, bleibet drinnen,
lasst Lebenszeit in Angst verrinnen,
lechzt nach Serum und Tabletten,
tragt Masken in den Ehebetten,
auf dass bei denen Rubel roll'n,
die nur euer Bestes woll'n!"


#allesdichtmachen: Kunst muss Politik kritisieren dürfen


Janning Kahnert, Schauspieler am Staatstheater Nürnberg

"Ich kann die Frustration verstehen, dass viele nicht spielen dürfen. Ich finde aber, dass die Bekämpfung der Pandemie im Vordergrund stehen muss. Das Problem ist, dass die Intensivstationen voll sind, und solange die Menschen dort kämpfen, täglich Überstunden machen, solange müssen wir sie unterstützen."

Schauspieler Philipp Hochmair

Der Schauspieler Philipp Hochmair zeigt sich etwas irritiert. Er verstehe "den Ansatz" der Aktion zwar, "aber trotzdem vermittelt sich mir die Aussage nicht." Grundsätzlich meint er: "Die Lage ist irgendwie zu ernst zum Witzeln."

Sängerin und Choreographin Jutta Czurda

Jutta Czurda versteht die Aufregung nicht: "Kritik durch Verstärkung und Übertreibung ist doch der Sinn von Kunst und gerade Sarkasmus und Ironie können einen Diskurs erzeugen." Dass es nun Beifall von der falschen Seite gebe, sei bedauerlich, aber es kann ja tatsächlich niemand den an der Aktion Beteiligten unterstellen, dass sie Mitläufer der Rechten oder Leugner-Bewegung wären.


Corona-Chaos: Warum die Menschen den Lockdown nicht mehr ernst nehmen


Das "kritische Potential" sei Czurda zufolge einmal unser gesellschaftlicher Schatz gewesen, jetzt aber breite sich so eine Oberaufseher-Stimmung aus, die alles in Frage stellt. Die Aktion sei nicht gescheitert, weil über sie gesprochen wird und eben auch öffentlich Haltung gezeigt werden muss.