Erfolgreicher Horror auf Fränkisch

14.4.2021, 17:41 Uhr
Thomas Herr

Thomas Herr © e-arc-tmp-20210408_101031-1.jpg, NN

Blutrünstige Zombies. Ein Skelett, aus dem die Gedärme heraushängen. Eine entstellte Leiche im Felsengewölbe: dem Gesicht fehlt die Nase, ein Auge starrt ins Leere, das andere ist eine blutige Masse. Horror pur. Dazwischen – fränkische Töne?

Ja, tatsächlich. Denn selbstverständlich handelt es sich bei "Zombi Ritual" um einen filmischen Gruselschocker, der aus der fränkischen Feder von Postmortem Productions stammt.

Einer der beiden Gründer ist Thomas Herr – und der sieht weder gefährlich aus noch ist er es. Im Gegenteil: Der 41-Jährige ist ein rundum sympathischer Zeitgenosse und Sänger der Nürnberger Metal-Formation Omega Soul. Aber eben mit einem Faible für das Horrorgenre. Woher das kommt?


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Herr lächelt fast ein bisschen schüchtern, als er berichtet: "Mich hat Horror schon als Kind fasziniert, ich habe es geliebt, mich zu gruseln, ja, es hat mir teilweise Spaß gemacht, mir Angst zu machen." Horrorfilme hat er heimlich angesehen. "Allerdings hat mir mein Vater immer schon erklärt, dass das eben nur Film ist und nicht real."

Heimlicher Gruselfilm

Es kam, wie es kommen musste: Mit zwölf schnappte er sich heimlich die Kamera des Vaters und drehte erste kleine Horrorstreifen im Wald. Mit Tomatenpaste und Teig für die (blutigen) Spezialeffekte. "Das hat mich immer am meisten interessiert dabei: Wie kann man mit einfachen Mitteln gute Effekte erzielen", sagt Herr. Und das hat er im Lauf der Jahre nahezu perfektioniert.

So kann es durchaus passieren, dass Herr im Sommer im Garten sitzt und aus Latex, Gips, Acrylfarbe und Lebensmitteln Zombie-Köpfe bastelt.

Kollegen im Horror-Geiste

1998 lernte er Alexander Franz kennen und fand mit ihm quasi einen "Bruder im Horror-Geiste". "2002 haben wir dann unsere Filmfirma Postmortem Productions gegründet", blickt der 41-Jährige zurück. Zunächst zu zweit experimentierten sie viel und gingen kleinere Projekte an. "Alex ist eher für den technischen Part, Regie und Schnitt zuständig, während ich mich um Casting, Musik und die Spezialeffekte kümmere", erklärt der Hobbyfilmer.

Die Drehbücher entstehen in Gemeinschaftsproduktion. Um den Vertrieb kümmert sich seit 2011 der Dritte im Bunde, Roland Kreißl.

Für den ersten größeren Kurzstreifen "Mania" rekrutierten sie die Darsteller aus ihrem Freundeskreis. Was einen ganz eigenen, besonderen Charme entwickelt hat – und zu so etwas wie einem Alleinstellungsmerkmal geworden ist: Denn die Laiendarsteller reden im breitesten Fränkisch – inklusive des typischen trockenen Humors. Oder wie Herr es ausdrückt: "Unser Anspruch ist es, Filme für ein breites Publikum zu machen – mit den Gags im fränkischen Stil können wir unser Nicht-Können kompensieren."

Proppenvolles Kommkino

Das "Nicht-Können" ist glattes Understatement. Denn der Erfolg von "Mania" war so groß, dass sich sogar eine Fangemeinde in den USA fand, für die es den Film in limitierter Auflage mit englischen Untertiteln gab. Bei der Premiere von "Zombi Ritual" kurz vor dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr platzte das Kommkino aus allen Nähten.

"Das war echt Wahnsinn", freut sich Herr noch heute. Und es hat den Kick gegeben, weiterzumachen. "Wir schreiben schon am Drehbuch für ein neues Projekt", verrät Herr, "es wird um eine Gestalt aus der fränkischen Mythologie gehen." Und das wird alle Fans der gepflegten Splatterei freuen: "Wir versuchen uns an einem abendfüllenden Streifen."

Insider-Tipps

Seine KulTour-Tipps: "Das neue Album "III: Shaped by The Unlight" der Nürnberger Black-/Death-Metal-Combo GOATH gibt’s auf www.goath666.com. Die Kneipe "Bela Lugosi" ist einer der Treffpunkte für die Subkultur in den Bereichen Metal / Punk / Rock. Bitte unterstützen durch den Kauf von Merchandise, zu haben auf der Facebook-Seite von Bela Lugosi. Einer meiner ersten Anlaufpunkte nach der Pandemie: das Café Express. Gemütliche Atmosphäre, guter Whisky, ein entspanntes Publikum bei immer wieder toller (Live-)Musik. Check it out!"

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