Mörderische Weihnacht: Münster-"Tatort" im Check

Michael Rosmann
Michael Rosmann

Nordbayern.de

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21.12.2019, 09:28 Uhr
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In "Väterchen Frost" müssen "Alberich" (Christine Urspruch), Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) besonders tief graben, um der Wahrheit ans Licht zu verhelfen. © © WDR/Martin Valentin Menke

Um was geht's? Kirill Gromow (Oleg Tikhomirov) steht unter dem dringenden Tatverdacht, seinen Freund Alexander Bux erwürgt zu haben. Dass Kirill sich an nichts mehr erinnern mag, hilft dem jungen Russen wenig. Schließlich hat man ihn neben der Leiche liegend gefunden. Außerdem sprechen Gromows Fingerabdrücke am Hals des Toten eine eindeutige Sprache.

Was passiert dann? Kurz vor der Urteilsverkündung wird die Verhandlung vertagt und es tauchen berechtigte Zweifel an der Schuld des Angeklagten auf. Als dann auch noch Kollegin Krusenstern entführt wird und ein mysteriöser Südafrikaner mit einer Sammelleidenschaft für Nussknacker auf der Bildfläche erscheint, ist es mit der Ruhe rund um Heiligabend endgültig dahin. Thiel und Boerne können sich den Urlaub abschminken.

Und sonst so? Mit den Arien des Russen Fjodor Iwanowitsch Schaljapin feiert Boerne (Jan Josef Liefers) die Ankunft des Winters und geht mit dieser eher schweren musikalischen Kost vor allem Nachbar Thiel (Axel Prahl) auf den Zeiger. Dessen Vater (Claus D. Clausnitzer) ist nun Mitglied der Münsteraner Silver Surfer und schwingt sich genau aus diesem Grunde zu einem für die Polizei nahezu unverzichtbaren IT-Spezialisten auf.

Der kritische Unterton des Films: In Ländern wie Russland haben es Lesben, Schwule sowie Bi- und Transsexuelle weiterhin schwer. Bei der Auslebung ihrer sexuellen Neigung schwappt ihnen zumeist eine Welle der Ablehnung entgegen. Tätliche Übergriffe sind keine Seltenheit. Der Staat behauptet zwar, er habe gegenüber Schwulen und Lesben eine ausgeglichene Haltung. Dennoch werden beispielsweise gleichgeschlechtliche Partnerschaften nach wie vor nicht anerkannt. Daneben steht jedwede positive Äußerung über Homosexualität in den Medien unter Strafe.

Hätten Sie's gewusst? Das Stockholm-Syndrom beschreibt ein Phänomen, bei dem eine Geisel im Laufe einer Geiselnahme Sympathie für den Geiselnehmer entwickelt und sich zwischen Opfer und Täter ein positives Verhältnis aufbaut.

Apropos Wissen: Der schier unermesslich schlaue Professor kann mittels des GCMS-Verfahrens im Knochenmark des Skeletts von Alexander Bux Metaboliten einer pharmakologisch modifizierten Variante des Wirkstoffs Ketamin nachweisen. Damit verpasst Boerne dem Fall eine entscheidende Wendung.

Die eine Randnotiz des Films: Während in Deutschland das Christkind die Geschenke überreicht, kümmert sich in Russland Väterchen Frost gemeinsam mit seinen Schneemädchen darum. Er und sein Gefolge beschenken die Kinder aber nicht an Heiligabend, sondern in der Neujahrsnacht.

Die andere Randnotiz des Films: Münster hat im Advent fünf Innenstadt-Weihnachtsmärkte zu bieten. Einer der schönsten ist der von historischen Bogenhäusern umgebene Lichtermarkt zu Füßen der St. Lamberti Kirche. Die Nutzung von Bus und Bahn ist im Stadtgebiet von Münster übrigens an allen vier Adventssamstagen kostenfrei.

Unser Fazit: Abgesehen von der für Münster typisch hanebüchenen Story hält "Väterchen Frost" alles bereit, was ein stimmungsvoller Weihnachts-"Tatort" braucht. So gibt es weihnachtliche Musik zu hören und Christbäume und Schnee zu sehen. Außerdem trinken die Protagonisten Glühwein und naschen Plätzchen. Ja, sogar eine Liebesgeschichte findet ihren Platz und ganz am Ende bekommt der Zuschauer noch ein kleines filmisches Schmankerl im Mehlstaub serviert. Eins minus.

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