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Coronavirus: Deutscher Patient spricht über seine Infektion

Dem Mann aus Tübingen befindet sich auf einer Isolierstation - 02.03.2020 15:56 Uhr

Ein Pathologe und seine Tochter sind derzeit im Uniklinikum Tübingen isoliert.

© Universitätsklinikum Tübingen


Der Fall des mit dem Coronavirus infizierten Tübinger Pathologen zeigt beispielhaft, wie sich die Infektion derzeit verbreitet. Bis zum vergangenen Sonntag war die die Tochter des Arztes mit einem Bekannten in Mailand. Dort haben die beiden auch Zeit mit einer gemeinsamen Freundin verbracht. Nach der Rückkehr nach Deutschland stellten sich bei der jungen Frau leichte Erkältungssymptome ein. Kein Grund zur Sorge, eigentlich.


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Das änderte sich, als die 24-Jährige erfuhr, dass ihre italienische Freundin positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Am Dienstagabend unterzog sie sich dann ebenfalls einem Test - Ergebnis: Auch die junge Deutsche trägt den Erreger in sich und hat das Virus außerdem an ihren Vater weitergegeben - eine Umarmung und ein gemeinsames Abendessen haben gereicht. Der 59-Jährige ist Oberarzt der Pathologie am Uniklinikum in Tübingen. Derzeit befindet er sich genau wie seine Tochter auf der Isolierstation des Krankenhauses. Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat der Arzt nun per Telefon ein ausführliches Interview gegeben.

Deutscher Corona-Patient: "Ich spüre nichts"

Sorgen über seinen Gesundheitszustand müsse man sich nicht machen, das stellt der Mediziner gleich zu Beginn klar: "Danke der Nachfrage, mir geht es gut. Ich spüre nichts, habe meine volle Leibeskraft und staune über die Dinge, die da in der Außenwelt so vor sich gehen." Auch seine Tochter fühle sich - von leichtem Halskratzen abgesehen - gesund. Dementsprechend erhalten beide auch keine Behandlung im eigentlichen Sinne. Regelmäßig werden Blutdruck, Puls und Fieber gemessen. Dazu kommen gelegentliche Blutabnahmen, mehr nicht.

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"Ich sitze sozusagen nur da, schaue auf die Schwäbische Alb und unterhalte mich mit meiner Tochter oder jetzt mit Ihnen", fasst der Pathologe seine Situation zusammen. Er sieht seine Infektion gelassen, hat sich keine Sorgen gemacht als er erfahren hatte, infiziert zu sein. Schließlich wisse man, dass Menschen mit einem intakten Immunsystem mit dem Virus nicht mehr Probleme hätten als mit einer normalen Grippe. Das bestätigt auch das Robert-Koch-Institut (RKI).

Tödliche Verläufe beim Coronavirus sind selten

Die Forschungseinrichtung schreibt auf ihrer Homepage: "Todesfälle traten bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten." Bei 80 Prozent der Infizierten sei die Erkrankung bislang mild verlaufen, ähnlich einer Erkältung. Nur sechs von 100 Patienten müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Die Symptome, die das Virus verursacht, sind eher unspezifisch und ähneln jener klassischer Erkältungskrankheiten. Corona-Patienten leiden häufig unter Schnupfen, Husten, Halskratzen und Fieber. Manchmal kommt Durchfall dazu.

Der Tübinger Arzt ist einer der Erkrankten, die so gut wie keine Symptome aufweisen. Sein persönliches Umfeld habe gut auf die Nachricht von seiner Infektion reagiert. Es habe viel Solidarität gegeben. "Manche haben im Spaß geschrieben, sie seien stolz, dass sie mich kennen. Pathologen aus anderen Orten wollten, dass ich erzähle, erzähle, erzähle", berichtet der 59-Jährige dem Spiegel. Anders sei die Situation bei seiner Tochter. Sie sei aufgrund ihrer Infektion regelrecht angefeindet worden.

Mindestens zehn Tage Quarantäne

"Über die sozialen Medien hat sie Nachrichten bekommen nach dem Motto 'Du Schuldige', 'Du bringst alle in Gefahr' oder 'Wie fühlt es sich an, wenn man eine Krankheit nach Deutschland einschleppt?'", erzählt der Mediziner. Diese Reaktionen hätten seine Tochter belastet - mehr als die eigentliche Erkrankung. Vater und Tochter sind zwei der inzwischen insgesamt 66 Corona-Patienten in Deutschland. Nach den aktuellen Empfehlungen des RKI werden die beiden noch einige Tage im Tübinger Uniklinikum verbringen müssen.

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Frühestens zehn Tage nach Symptombeginn sei eine Entlassung aus dem Krankenhaus vertretbar, sagen die Experten. Außerdem müssten die Patienten fieberfrei und mindestens zweimal negativ auf das Virus getestet worden sein. Für die strengen Maßnahmen der Behörden hat der Tübinger Pathologe viel Verständnis. "Es geht darum, Zeit zu gewinnen, damit man möglicherweise noch Therapieoptionen entwickeln kann für Patienten, die es stärker betrifft."


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Doch der erfahrene Mediziner kann auch nachvollziehen, dass Menschen aufgrund des Virus verängstigt sind, sagt er. "Weil der Name neu ist und mit der Quarantäne scheinbar eigenartige Abschottungsmaßnahmen betrieben werden, glauben die Leute, das Ganze sei extrem gefährlich." Die Wissenschaftler des RKI schätzen die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell als "gering bis mäßig ein". Ein gesundes Maß an Hygiene und Vorsicht ist also angebracht, Panik aber nicht.

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