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Ist Ibuprofen gefährlich? Arzneimittelbehörde gibt Entwarnung

Experten kritisieren Falschmeldungen - "Man weiß viel zu wenig" - 19.03.2020 12:52 Uhr

Rund um das Coronavirus kursieren derzeit viele Falschmeldungen im Netz: Zuletzt sorgte eine Whatsapp-Nachricht für Aufregung, in der es hieß, das Schmerzmittel Ibuprofen würde die Symptome von Covid-19 vestärken.

19.03.2020 © Lino Mirgeler, dpa


Zwar hatte die Universität Wien, von der die angeblichen Forschungsergebnisse stammen sollten, die Meldungen schnell dementiert und öffentlich vor diesen Fake News gewarnt. Doch auch ein Virologe wollte am Wochenende nicht ausschließen, dass Ibuprofen das Risiko für innere Blutungen steigern könnte. Bei Paracetamol sei das hingegen nicht der Fall, sagte er. Dass dann auch noch der französische Gesundheitsminister auf Twitter Öl ins Feuer goss und vor Ibuprofen warnte, stieß beim Nürnberger Intensivmediziner und Internisten Dr. Roland Heide auf absolutes Unverständnis.


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"Man weiß über das Virus noch viel zu wenig. Man kann über dieses Medikament genauso irgendwelche Vermutungen anstellen wie über jedes andere. Es gibt keinerlei Beweise oder Gegenbeweise".

Solange Studien fehlten, sollten solche Spekulationen unterbleiben, meint der Oberarzt am Krankenhaus Martha-Maria in Nürnberg. Als seien die Zeiten nicht schon turbulent genug, würden Gerüchte in die Welt gesetzt "statt ein bisschen die Hysterie herauszunehmen", empört sich Roland Heide.

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Belege fehlen

Die Apothekersprecherin Margit Schlenk appelliert an die Menschen, ihr Immunsystem zu stärken, statt sich verunsichern zu lassen.

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Er verweist darauf, dass sich Ibuprofen bei anderen Virus-Erkrankungen wie Erkältungsviren bewährt habe. Dass es bei Covid-19 ein Problem geben könnte, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehen. Es sei nicht bekannt, dass es zu schweren Lungenblutungen gekommen wäre, was eine solche Theorie implizieren würde. Dass gestern auch noch die Weltgesundheitsorganisation WHO vor Ibuprofen in Kontext mit Covid-19 warnte, kann er wegen der fehlenden Evidenz ebenfalls nicht nachvollziehen.

Auch Margit Schlenk, Sprecherin der Nürnberger Apotheker und Delegierte der Landesapothekenkammer, schließt sich dieser Meinung an. Sie verwies gestern Nachmittag auf eine soeben neu veröffentlichte Bewertung der Europäischen Arzneimittelbehörde in Amsterdam. Demnach gebe es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Ibuprofen bei Covid-19 zur Symptomverschlechterung führt. Gleichwohl rät die EU-Behörde dazu, das Medikament vorschriftsgemäß nur in der niedrigstmöglichen Dosierung und der kürzestmöglichen Dauer einzusetzen. Fieber und Schmerzen sowie Gelenkerkrankungen sind weiterhin mögliche Indikationen.

Schlenk verweist darauf, dass kein gesunder Mensch, der zum Beispiel derzeit eine Entzündung im Knie mit Ibuprofen behandle, dadurch ein erhöhtes Risiko habe. Selbst wenn er mit Corona infiziert sein sollte, aber keine Symptome habe, hält sie das Medikament nach derzeitigem Stand für unproblematisch.

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Bei Kopfschmerz zum Arzt

Die Apothekerin rät allerdings Menschen, die erste Symptome wie Fieber und sehr starke Kopfschmerzen haben, dringend dazu, ihren Arzt anzurufen und mit ihm telefonisch das weitere Vorgehen zu besprechen. Bei Covid-19 schwelle die Bronchialschleimhaut stark an. Auf keinen Fall sei dann eine Selbstmedikation zu empfehlen – weder mit Ibuprofen, noch mit Paracetamol.


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Dass die Gerüchte überhaupt entstanden seien, sei darauf zurückzuführen, "dass in bestimmten Internetforen" Zusammenhänge konstruiert wurden, die so nicht belegbar seien. Diese Foren nennt Schlenk "das eigentliche Virus". Sie rät deshalb dazu, sich in Fachforen zu informieren, bei Apotheken und Ärzten nachzufragen und seriöse Medien wie Tageszeitungen zu lesen.

"Die Menschen sollen nicht so viel Angst haben, sie sollen uns einfach fragen", sagt sie. Statt sich verunsichern zu lassen, appelliert Schlenk an die Menschen, ihr Immunsystem zu stärken: durch gesunde Ernährung mit mindestens fünf handgroßen Portionen Obst und Gemüse, Bewegung "und durch ein gutes Stimmungs-Management". Denn die Psyche hänge unmittelbar mit dem Immunsystem zusammen. "Die Hobbypflege ist immunsteigernd", legt sie denjenigen ans Herz, die nun zu Hause sind.



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Stephanie Rupp

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