Rheinland-Pfalz

Sie tragen Westen und Buttons: Impflotsen in ersten deutschen Städten unterwegs

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Lukas Koschyk

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27.1.2022, 17:56 Uhr
Die Impflotsen Waldi Altem und Suzan Shabandar sprechen Menschen vor Schnelltestzentren, Geschäften und Behörden an.

© Thomas Frey, dpa Die Impflotsen Waldi Altem und Suzan Shabandar sprechen Menschen vor Schnelltestzentren, Geschäften und Behörden an.

In Neuwied in der Nähe von Koblenz (Rheinland-Pfalz) spaziert Walid Alsem durch die Stadt. Alsem tut das nicht, weil das für viele in den Jahren seit Ausbruch der Pandemie zum Hobby geworden ist, sondern weil er Menschen helfen möchte. Alsem ist ehrenamtlicher "Impflotse", einer von neun Personen in Neuwied. 37 gibt es im Bundesland. Sein Vorhaben: Menschen vor Schnelltestzentren, Geschäften, Behörden und auf Spielplätzen ansprechen und über die Corona-Impfung aufklären.

"Wir suchen die Menschen, die noch nicht geimpft sind", berichtet der 31 Jahre alte Medizintechniker aus Syrien gegenüber WELT. Viele seiner Kollegen haben Migrationshintergrund und können in verschiedenen Sprachen aufklären, Alsem spricht Arabisch, Deutsch und Persisch. Ein Fernsehteam des SWR begleitet ihn.

Unterschiedliche Reaktionen

Was in dem Beitrag deutlich wird, ist wie unterschiedlich die Gespräche verlaufen: mal mühsam und zögerlich, mal aggressiv, selten erfolgreich. Trotzdem macht Alsem mit viel Geduld weiter, lässt seinen Gegenüber ausreden, beantwortet Fragen, gibt erst auf, wenn er keine Aussicht auf Erfolg mehr sieht.

Einigen Menschen hat er nach seinen Einsätzen bereits über den QR-Code auf dem Flyer der Impflotsen geholfen. Der Erfolg ist schwer messbar, erklärt ein Sprecher der Stadtverwaltung. Das Wichtigste sei aber, dass sich die Menschen wohlfühlen und nicht das Gefühl hätten, zu etwas gedrängt werden zu müssen, erklärt Alsem.

Sonderimpfaktionen auch in Nürnberg

Auch in Nürnberg gibt es nahezu stetig Sonderaktionen der Stadt zur Impfung. Egal ob im Stadtgebiet, in Kirchen und Gemeinden oder bei Familienimpftagen: Es mangelt nicht an Angeboten.

Im Sommer 2021 machte die Stadt von sich reden, als sie als erste im Freistaat Bayern an Tafeln den Piks für Bedürftige anbot. Ein erfolgreicher Modellversuch, der Schule machte. Auch die Nürnberger Ice Tigers oder der 1. FC Nürnberg führten Aktionen mit unkomplizierten Impfangeboten durch.

Die Impflotsen in Rheinland-Pfalz sollen nun ein weiteres Mittel sein, um die Impfquote in der Bevölkerung zu erhöhen. Der niedrigschwellige und wohnortnahe Ansatz soll Menschen mit fehlendem oder unvollständigem Corona-Impfschutz über den Nutzen der Impfung und zur Annahme eines Impfangebots motivieren.

"Es ist nicht immer einfach. Aber jeder Piks zählt", erklärt die aus dem Iran stammende Psychologin Sepideh Baghdadi von den Maltesern, bei denen das Projekt in Mainz angesiedelt ist gegenüber WELT.

Leiter des Krisenstabes besucht die Initiative

"Manche wollen nicht darüber sprechen, warum sie nicht geimpft sind und beschimpfen uns." Bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund fehlten aber einfach Informationen. "Wir vereinbaren auch Termine für sie und begleiten sie zum Impfen."

Generalmajor Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung und Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz empfingen bei einem Besuch in Mainz zwei der Impflotsen und informierten sich über das Angebot. "Das Ziel ist, dass wir so immer mehr Menschen erreichen, die sich freiwillig impfen lassen. Und wir tun das mit großem Aufwand", erklärte die Ministerpräsidentin.

Keine Drückerkolonnen

Zu erkennen sind die Impflotsen und -lotsinnen durch einheitliche Westen, Taschen und Buttons. Meistens sind sie rund um mobile Impftermine unterwegs, das Angebot geht quasi Hand in Hand.

Wichtig ist den Teams vor Ort ist dabei auch zu betonen, dass sie keine Drückerkolonnen seien und es ihnen in erster Linie um Aufklärung und Ansprache auf Augenhöhe gehe – und darum, die Leute ernst zu nehmen.

Informationen zu Sonderimpfaktionen der Stadt Nürnberg finden Sie hier.

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