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Arbeitsagentur meldet Rekord: So viele sind derzeit im Homeoffice

Auch im Bamf verrichtet jeder Zweite den Dienst von zuhause aus - 06.02.2021 05:52 Uhr

Den Weg zum Haupteingang der Bundesagentur für Arbeit in der Regensburger Straße in Nürnberg gehen dieser Tage weit weniger Mitarbeiter als sonst.
 

04.02.2021 © imageBROKER/Norbert Probst via www.imago-images.de, NN


Es ist ein Tag Ende Januar, als man in der Zentrale der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Rekord feststellt: 59.200 Behördenbeschäftigte arbeiten an diesem Tag von zuhause aus. Eine gewaltige Zahl. Eine Zahl, die international ihresgleichen suchen dürfte, gilt die Bundesagentur mit ihren gut 95.000 Mitarbeitern doch als die größte Sozialbehörde Europas.

Von einer "rasanten Entwicklung", einer "Express-Digitalisierung" erzählt dann auch eine Bundesagentur-Sprecherin. Als Corona noch eine ferne Nachricht aus China war, da arbeiteten maximal 5000 BA-Beschäftigte pro Tag aus dem Homeoffice, über Dienstlaptop oder geschützte Netzwerkverbindungen. Im ersten Lockdown verfünffachte sich diese Zahl und erreichte nun, im zweiten Lockdown, erneute Höhen. "Eine Präsenz um der Präsenz willen entspricht nicht unserer Führungslogik", fasst die Sprecherin zusammen.

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Was nicht heißt, dass sich jede Aufgabe plötzlich per Skype-Konferenz oder mittels digital zugreifbarer Akten erledigen ließe: Poststelle, Druckerei, Infrastruktur, die Besetzung von Notfallschaltern - überall dort geht es nicht ohne Menschen vor Ort. Ihnen stellt die Bundesagentur FFP2-Masken zur Verfügung oder sorgt anderweitig für Schutz.

Arbeitszeitrahmen erweitert

Wer nach wie vor in den Büros der Nürnberger Zentrale, den Arbeitsagenturen und Jobcentern arbeitet, der tut dies zudem oft zu anderen Zeiten als vor der Pandemie. "In Absprache mit der Personalvertretung haben wir den Arbeitszeitrahmen von 6 bis 22 Uhr ausgedehnt." So lässt sich leichter aus dem Weg gehen.


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Die Bundesagentur muss in diesen Monaten einen Spagat schaffen: Die Zahl der Kurzarbeiter ist zwar nicht mehr auf dem Rekordniveau wie im Frühjahr, doch noch immer historisch hoch. Die Behörde ist also weiter im Krisenmodus, einerseits. Andererseits haben etwa Langzeitarbeitslose den berechtigen Wunsch, von den Arbeitsagenturen auch wieder Unterstützung auf ihrem Lebensweg zu erhalten - etwa in Form von Qualifizierungsmaßnahmen. Menschen, die womöglich auch auf ein persönliches Gespräch angewiesen sind - doch im Moment sind die Arbeitsagenturen, von Notfällen abgesehen, nur telefonisch und digital erreichbar. Dieser Spagat bringt selbst eine große Organisation an ihre Grenzen.

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Nachbarschaftshilfe unter umgekehrten Vorzeichen

Auch deshalb bekommt die Bundesagentur seit geraumer Zeit Nachbarschaftshilfe - von der anderen großen Nürnberger Bundesbehörde, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Deren Beschäftigte halfen ihren Kollegen der BA auf dem Höhepunkt der Coronakrise bei der Bearbeitung der Kurzarbeitsanzeigen. Es ist eine Hilfe unter umgekehrten Vorzeichen - 2015, als Hunderttausende Asylbewerber nach Deutschland strömten, hatten BA-Mitarbeiter noch das Bamf unterstützt.

Auch das Flüchtlingsamt hat freilich einen Spagat zu meistern, muss den "Dienstbetrieb aufrecht erhalten und zugleich Ansteckungsrisiken zum Schutz aller reduzieren", wie es ein Sprecher formuliert. Er erklärt: "Nach Möglichkeit erfolgt eine Mischung aus Präsenz in Büro und flexibler Nutzung von Homeoffice." Mobiles Arbeiten werde den Beschäftigten, deren Aufgaben es zulassen, bereits seit Längerem ermöglicht.

Wie viele Mitarbeiter - insgesamt zählt das Amt gut 8000 Beschäftigte - von zuhause arbeiten, variiere täglich, insgesamt beziffert die Behörde die Homeoffice-Quote auf 50 Prozent. Um sie zu erhöhen, schafft das Asylamt weitere Laptops für seine Beschäftigen an - mit dem Ziel, dass ab Mai "rund zwei Drittel der Beschäftigten die Möglichkeit haben, gleichzeitig im Homeoffice zu arbeiten". Der Publikumsverkehr sei auf das nötigste Minimum reduziert worden.


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Ganz ohne Präsenz geht nicht

Doch auch beim Bamf gilt: Ganz ohne Präsenz geht es nicht. Das gilt insbesondere für die Anhörungen von Asylbewerbern, in denen die Migranten ihre Fluchtgeschichte schildern und Behördenmitarbeiter diese auf ihre Plausibilität prüfen. Die Räume für diese Anhörungen sind inzwischen so ausgestattet, dass sie eine Einhaltung der Hygieneregeln ermöglichen, zudem stünden "überall Desinfektionsmittel sowie Mund-Nasen-Schutz zur Verfügung." Statt persönlich teilnehmen zu müssen, würden Dolmetscher zudem per Video zugeschaltet.

Inzwischen hat die Zahl der Asyl-Anhörungen wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht. Denn die Arbeit - wenngleich unter dem Radar der größeren Öffentlichkeit - ruht nicht. Zwar ging die Zahl der Asylanträge seit dem Höhepunkt 2016 (745.000 Anträge) signifikant zurück. Doch auch im Pandemie-Jahr 2020 stellten etwas mehr als 122.000 Menschen einen Asylantrag in Deutschland.

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Manuel Kugler / Martin Damerow Redaktion Politik und Wirtschaft

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