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CDU bleibt auf Merkel-Kurs: Armin Laschet ist Parteichef

NRW-Ministerpräsident setzte sich in Stichwahl klar durch - 16.01.2021 12:44 Uhr

War es die Geschichte, die er erzählt hat? Jedenfalls hatte Armin Laschet als einziger der drei Bewerber um den CDU-Vorsitz in seiner Vorstellungsrede eine persönliche Erzählung zu bieten. Er stieg ein mit seinem betagten Vater, der zeitweise im Bergbau tätig gewesen war - und dabei stets eine Metallmarke mit sich führte, wenn er gesund und heil wieder über Tage angekommen war. Und er beendete seine Rede damit, dass er eben jene Metallmarke aus seiner Tasche hervorzog und in die Kamera hielt. Das wirkte sehr professionell, sah nach amerikanischem Wahlkampf (der besseren Zeiten) aus.

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Armin Laschet sandte damit ein klares Zeichen aus: Ich bin einer von Euch, ich komme mitten aus dem Volk und fühle mich Euch auch heute noch zugehörig. Mich interessiert es, was die arbeitenden Menschen denken. Das wirkte dann doch deutlich authentischer als die Reden der Konkurrenten Friedrich Merz und Norbert Röttgen, die natürlich auch mit rhetorischen Kunstgriffen arbeiteten, aber doch eher technisch als persönlich.

Spätestens nach dem ersten Wahlgang (Merz: 385 Stimmen, Laschet: 380, Röttgen: 224) konnte man ahnen, worauf es hinauslaufen würde. Denn programmatisch liegt Röttgen viel näher bei Laschet als bei Merz und deswegen war es zu erwarten, dass sich seine Anhänger dann in der Stichwahl entsprechend orientieren würden. Der Abstand fiel sogar ziemlich deutlich aus. Armin Laschet holte 521 Stimmen, Friedrich Merz 466. Da war es 2018, bei der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer, weit knapper zugegangen.

Die Kandidaten redeten ins große Nichts

Beim ersten digitalen Parteitag mit Vorsitzendenwahl in der deutschen Geschichte hatte jeder der drei Kandidaten 15 Minuten Redezeit erhalten. Für die Politiker, seit Jahrzehnten an volle Säle, Applaus und Zwischenrufe gewöhnt, war das vermutlich ein ziemlich gruseliges Erlebnis. Sie standen nahezu alleine in einer riesigen Halle am Rednerpult, sie blickten in die dunkle Linse einer Kamera und erfuhren keine Resonanz.

Schon der Weg zum Pult war eine gewisse Herausforderung - so ganz im Stillen und ohne Klatschen. Armin Laschet deutete am Ende ein dynamischeres Laufen an, während Merz und Röttgen eher gemessenen Schrittes unterwegs waren. Die Reden fielen höchst unterschiedlich aus, denn natürlich hatte jeder der Männer überlegt, welche Stärken er im letzten Moment noch betonen und welche Schwächen man kompensieren sollte.

Laschet gab sich als der Versöhner von Gesellschaft und Partei aus. Einer, der mit seiner Regierungserfahrung aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland punkten kann. "Wir müssen Klartext sprechen, aber nicht polarisieren", sagte er - in klarer Anspielung auf Friedrich Merz, dem genau das von vielen vorgeworfen wird. Als klare Warnung führte er in seiner Rede die jüngsten amerikanischen Verhältnisse vor und merkte an: "Wir lassen uns unser Land von Rechtsterroristen und geistigen Brandstiftern nicht kaputt machen."

Friedrich Merz über sein Frauenbild

Friedrich Merz, durchaus für schneidige Auftritte bekannt, hielt sich spürbar zurück und trat eher staatsmännisch auf. Mehr als Laschet betonte er die Führungsfrage, die sich nach dem Abschied von Angela Merkel als Bundeskanzlerin stelle. Er zeigte sich offen für eine Zusammenarbeit mit den Grünen. Und er erteilte der AfD eine klare Absage. Mit ihm werde es keinerlei Zusammenarbeit mit dieser Partei geben. Ein altes Frauenbild habe er nicht verteidigte er sich. Wäre das so, dann hätten ihm seine Töchter schon längst "die gelbe Karte gezeigt".

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Norbert Röttgen war erkennbar der Nervöseste aus dem Trio. Er versprach sich mehrfach leicht, was auf die ungeheure Anspannung hindeutete, der er in dieser Viertelstunde ausgesetzt war. Der jüngste Kandidat warb damit, dass er sich keiner bestimmten Gruppierung in der CDU zuordnen lasse, sondern diese alte Vorstellung hinter sich gelassen habe: "Ich bin kein Lager. Ich möchte integrieren. Ich kann integrieren. Ich will die gesamte Partei repräsentieren."

Nach den drei Reden war eine - ebenfalls digitale - Fragestunde für die Mitglieder angesetzt. Sie sollten eine letzte Chance erhalten, vor der Stimmabgabe noch Auskünfte von den Bewerbern einzuholen. Doch dieser Programmpunkt fiel eher bis auf einen Punkt eher langweilig aus. Bei einem Fragesteller funktionierte die Technik nicht, was man ja inzwischen aus Videokonferenzen kennt. Ein anderer interessierte sich für das Spezialthema Clan-Kriminalität und erhielt von allen Dreien die erwartbare Antwort, man müsse dagegen kämpfen.

Überraschungsauftritt von Jens Spahn

Interessant und überraschend war an dieser Stelle ein Auftritt von Jens Spahn. Der Gesundheitsminister, der im Team mit Armin Laschet auftrat, nutzte die Gelegenheit, um für die Wahl seines Kompagnons zu werben. Das fanden manche dann doch etwas übertrieben, denn schließlich sollten ja Mitglieder Fragen stellen können. Geschadet hat der Werbeblock am Ende aber offenkundig nicht, wie am Ergebnis von Laschet zu sehen war.

Der neue Parteivorsitzende wird nun erst offiziell bestätigt sein, wenn er auch in der Briefwahl eine Mehrheit der Stimmen erhält, Das dürfte allerdings nur noch eine Formalie sein. Armin Laschet wird der neunte CDU-Vorsitzende sein. Eine Besonderheit unter all seinen Vorgänger(inne)n: Sie waren alle entweder besonders kurz oder besonders lang im Amt. Konrad Adenauer (16 Jahre), Helmut Kohl (25 Jahre) und Angela Merkel (18 Jahre) prägten eine Ära. Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Rainer Barzel, Wolfgang Schäuble und Annegret Kramp Karrenbauer führten die Partei jeweils nur zwei bis vier Jahre.

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