Corona-Virus: Wer ist bei Fällen in Franken zuständig?

2.3.2020, 17:36 Uhr
Gesundheitsbeamte in Chemikalienschutzanzügen kontrollieren am Flughafen von Peking die Körpertemperatur von Passagieren, die aus der Stadt Wuhan angereist sind. Dort sind bisher die meisten Fälle der neuartigen Lungenerkrankung aufgetreten.

Gesundheitsbeamte in Chemikalienschutzanzügen kontrollieren am Flughafen von Peking die Körpertemperatur von Passagieren, die aus der Stadt Wuhan angereist sind. Dort sind bisher die meisten Fälle der neuartigen Lungenerkrankung aufgetreten. © Foto: Emily Wang/AP/dpa

In Franken sind die ersten Fälle aufgetreten: In Nürnberg meldeten die Behörden eine Corona-Infektion. Eine Frau aus Schwabach hat sich um Urlaub angesteckt. Auch im .

Das Uniklinikum Erlangen und das Klinikum Nürnberg sind auf weitere Corona-Fälle vorbereitet.  "Vorbereiten sollten sich jetzt alle Krankenhäuser", sagt Armin Ensser. Er ist Professor für Virologie, Facharzt und Forschungsgruppenleiter in Erlangen.

Wenn ein Patient mit Atemwegsbeschwerden in die Klinik kommt, mit Husten oder dem Verdacht auf Lungenentzündung, fragt ihn das Personal, ob er in den vergangenen zwei Wochen in China war. Ist das der Fall, wird er isoliert untergebracht. Pfleger und Ärzte dürfen dann nur mit Schutzkleidung zu ihm. Kittel, Brille, Mund- und Nasenmaske sind Vorschrift. "Zwei Wochen dauert es von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen", erklärt Ensser.

Coronavirus in Franken: "Wir sind gut vorbereitet"

In Deutschland sind die Bundesländer für den Umgang mit der Virus-Infektion zuständig. Entscheidungen treffen die jeweils zuständigen Gesundheitsämter in Städten oder Landkreisen. Zu ihren Aufgaben kann es zum Beispiel gehören, die Kontakte eines Patienten rückzuverfolgen. Sie legen auch fest, wie Arztpraxen und Kliniken mit Verdachtsfällen umgehen sollen.

Wenn jemand sogar weiß, dass er Kontakt mit einem Betroffenen hatte, gibt es im Uniklinikum Erlangen zusätzlich zum Einzelzimmer noch einen Vorraum, in dem sich das Personal umzieht und nur die Pflegeutensilien für diese Person aufbewahrt werden. "Das ist wie bei allen anderen Patienten mit einer ansteckenden Erkrankung, wie Tuberkulose oder auch einer Virusgrippe", sagt Facharzt Ensser. Routine also. "Wir sind gut vorbereitet."


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Auch das Klinikum Nürnberg kann Patienten mit der Viruserkrankung sofort aufnehmen. "Wir sind generell auf potenziell ansteckende Krankheiten vorbereitet. Der Schutzaufwand bei Coronaviren ist zudem geringer als zum Beispiel bei Erkrankungen wie Ebola oder Sars", erklärt Prof. Joachim Ficker, Chefarzt der Pneumologie am Klinikum Nürnberg. Ob Isolationszimmer, spezielle Schutzkleidung oder Atemschutz – alles ist auch im Klinikum einsatz- beziehungsweise griffbereit. Dass Nürnberg von einer Corona-Epidemie heimgesucht wird, hält Ficker für unwahrscheinlich.

Professor Armin Ensser

Professor Armin Ensser

Ensser  geht nach derzeitigen Informationen davon aus, dass die Krankheit, die der neue Erreger auslöst, deutlich weniger schlimm sei als eine richtige Grippe. "Vor zwei Jahren sind an der Grippe 15 000 Menschen allein in Deutschland gestorben – das hat man nur nicht so im Hinterkopf."

Trotzdem ist ein neuer Erreger auch für die Ärzte ein Thema. "Gut ist, dass die chinesischen Behörden diesmal wohl von Anfang an recht offen damit umgegangen sind und gleich erkannt und verfolgt haben, dass es sich um etwas Neues handelt", sagt Ensser. Wirklich neu ist der Virus aber wahrscheinlich nur für den Menschen. "Er stammt wohl ursprünglich aus einer Fledermaus, wie viele andere auch." Eine Übertragung auf andere Tiere oder dann auch irgendwann den Menschen ist selten – aber kann passieren.

Standard-Test auf drei Virus-Typen

Im Erlanger Uniklinikum testen sie Patienten, die mit Atemwegsinfektionen in die Klinik kommen, auch bislang schon standardmäßig auf drei Corona-Viren-Typen. "Im vergangenen Jahr hatten wir 1000 Virusnachweise, davon waren 500 eine echte Grippe, und von den anderen 500 waren etwa 50 Corona-Viren", sagt der Facharzt. 

Das Robert-Koch-Institut, die zentrale Einrichtung in Deutschland zur Krankheitsüberwachung, gibt auf Basis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Empfehlungen für den Infektionsschutz heraus. Sind mehrere Bundesländer betroffen, können sie das RKI um Koordinierung bitten.

Tritt eine Infektion mit dem Corona-Virus hierzulande auf, müssen Ärzte und Krankenhäuser das melden. Es gebe zwar keine Direktflüge zwischen Wuhan und Bayern, sagte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums gestern der Deutschen Presse Agentur. Vorsorglich seien aber "alle Gesundheitsämter über das aktuelle Geschehen informiert und gebeten, auch die Ärzteschaft in den Kreisen, Städten und Gemeinden zu informieren". Jede Woche landen 36 Flugzeuge aus China in München.


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Es existierten bewährte Alarmpläne für den Ernstfall, außerdem sei eine "Task Force Infektiologie Flughafen" rund um die Uhr erreichbar, sagte der Leiter der Task Force, Martin Hoch. Es werde aber nach derzeitigem Stand in Deutschland nicht dazu kommen, dass bei Flugpassagieren aus China die Temperatur gemessen werde – wie das etwa in asiatischen Ländern der Fall sei. "Nur mit einer Temperaturmessung ist es nicht getan", sagte Hoch. "Das ist eine falsche Sicherheit. Es könnten ja auch infizierte Personen einreisen, bevor sie Symptome haben."

Coronaviren lassen sich nicht aufhalten

Auch der Erlanger Virologe Ensser hält nichts vom Temperaturmessen mit Wärmebildkameras beim Check-in wie es jetzt chinesische Flughäfen praktizieren. "Wenn sich jemand angesteckt hat, aber noch keine Symptome zeigt, bringt das gar nichts", sagt er. "Nur wenn jemand akut Fieber hat, könnten sie das feststellen." Aber das kann dann alle möglichen Ursachen haben.

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Aufhalten lassen sich Viren heutzutage ohnehin kaum. Ein Flug von Peking nach München dauert zehn Stunden und ebenso schnell verbreiten sich damit die Erreger. "Natürlich ist es wichtig, dass man aufpasst und frühzeitig die Hygienemaßnahmen erhöht, aber verhindern können wir das nicht mehr", sagt Ensser. Bei weltweit agierenden Firmen aus der Region gibt es Geschäftsreisen nach China. 2000 Studenten an der Uni Erlangen-Nürnberg kommen aus Asien, mehr als 50 Wissenschaftler aus China. Nächste Woche beginnt in Nürnberg die Spielwarenmesse mit Gästen aus aller Welt. 

Keine spezifische Therapie gegen Coronavirus

Das Gemeine an neuen Viren ist, dass noch niemand dagegen geschützt ist, weswegen sie sich schneller ausbreiten. "Bei der neuen Schweinegrippe damals gab es weniger Fälle bei älteren Menschen, weil sie anscheinend noch Rest-Antikörper in sich trugen, die durch einen Virus Jahrzehnte vorher entstanden sein können."

Derzeit könne man deshalb nur abwarten, meint der Virologe. "Wir wissen, wie das Virus aussieht, es gibt einen Test, alle Informationen sind verfügbar." Behandeln könne man die Entzündung ohnehin nicht, nur warten, bis es besser wird und die Symptome lindern. "Es gibt für Corona-Viren keine spezifische Therapie", erklärt der Arzt. "Man muss nur bei vorbelasteten Patienten darauf achten, dass zur Viruserkrankung nicht noch eine Bakterieninfektion dazukommt, deswegen bekommen die Betroffenen Antibiotika und eventuell Sauerstoff, wenn sie schlecht Luft kriegen." 

 

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