Krieg in der Ukraine

Erhöhte Radioaktivität in Tschernobyl - wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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25.2.2022, 12:06 Uhr
Ein Schutzbau bedeckt den explodierten Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl. Am Donnerstagabend wurden dort erhöhte Strahlenwerte gemessen.

© Efrem Lukatsky/AP/dpa Ein Schutzbau bedeckt den explodierten Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl. Am Donnerstagabend wurden dort erhöhte Strahlenwerte gemessen.

An der Atomanlage von Tschernobyl gab es seit Donnerstag Gefechte. Mittlerweile hat das russische Militär den stillgelegten Atomreaktor eingenommen und das Personal in seiner Gewalt.

"Ernste Bedrohung für Europa"

Der aktuelle Zustand der Anlage und der Schutzhülle sind derzeit unbekannt. "Es ist unmöglich zu sagen, ob das Kraftwerk sicher ist." Es handele sich um "eine der ernstesten Bedrohungen für Europa", erklärt der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak. Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) ist alarmiert.

Nach der Einnahme ist am Donnerstagabend ein Anstieg der Strahlungswerte gemessen worden. Daten aus einem Überwachungssystem des ukrainischen Umweltamts zeigen, dass sich die radioaktive Strahlung seit Donnerstagabend von 3.200 nSv/h auf 65.500 nSv/h stark erhöht hat. Grund für die höhere Strahlung könnte die Bewegung schwerer Militärfahrzeuge in dem Gebiet sein. Dadurch würde radioaktiver Staub aufgewirbelt. Die Nachrichtenagentur AP berichtet dagegen, dass durch den russischen Beschuss ein Endlager für radioaktive Abfälle in Tschernobyl getroffen wurde und führt den Anstieg der Strahlungswerte darauf zurück.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) teilte mit, dass es die Situation in der Sperrzone von Tschernobyl aufmerksam verfolgt. Unabhängig überprüfbar seien die Angaben zu der erhöhten Strahlung derzeit noch nicht. Der mögliche Ursprung für den Anstieg der Werte ist laut Bundesamt ebenso unklar. "Aufgrund der aktuellen Wetterlage ist allerdings kurzfristig nicht zu erwarten, dass möglicherweise radioaktiv kontaminierte Luft Deutschland erreichen könnte", heißt es seitens der Behörde. Die Sperrzone sei zwar durch russische Truppen besetzt, die Routinearbeiten an den Anlagen liefen aber offenbar weiter.

Insgesamt seien die Daten aber mit Vorsicht zu betrachten, so das BfS. Auch Datenmanipulation oder eine fehlerhafte Übermittlung seien nicht ausgeschlossen. Man überwache aber permanent sämtliche Messeinrichtungen. In Süddeutschland ist hierfür die Spurenmessstelle auf dem Schauinsland bei Freiburg relevant. Aktuelle Informationen zur Lage finden sich auch auf der Seite des BfS.

Der Artikel wurde um 16.40 Uhr um Informationen des BfS ergänzt.

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