Geimpft – und trotzdem ansteckend? Das sagen Experten

Christina Merkel
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4.2.2021, 17:20 Uhr
02.02.2021, Belgien, Brüssel: Eine Dosis des Moderna-Impfstoffs am Eröffnungstag der ersten Impfstelle in der Region von Brüssel. Ärzte, Krankenschwestern und Zahnärzte über 50 Jahre erhalten als Erstes den Impfstoff. Foto: Benoit Doppagne/BELGA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

02.02.2021, Belgien, Brüssel: Eine Dosis des Moderna-Impfstoffs am Eröffnungstag der ersten Impfstelle in der Region von Brüssel. Ärzte, Krankenschwestern und Zahnärzte über 50 Jahre erhalten als Erstes den Impfstoff. Foto: Benoit Doppagne/BELGA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © Benoit Doppagne, dpa

Immun ist nicht gleich immun. Wer sich gegen das Coronavirus impfen lässt, baut einen Schutz auf. Sein Immunsystem kennt die Erreger dann bereits und kann sie in der Folge schneller und besser bekämpfen.

Doch ob dadurch auch andere geschützt sind, also ob ein Geimpfter das Virus trotzdem weitergeben kann, ist noch nicht ganz sicher. In der Debatte um mehr Freiheiten für Geimpfte geht es deshalb um die sogenannte sterile oder auch sterilisierende Immunität. Sie bedeutet, dass eine geimpfte Person nicht mehr ansteckend ist und jede Impfung damit auch andere schützt.

Auch Geimpfte können Virus tragen

"Es wird immer so sein, dass einer, der geimpft ist, dennoch ein bisschen Replikation des Virus auf den Schleimhäuten haben kann", sagt Virologe Christian Drosten in der aktuellen Ausgabe des Corona-Podcasts im NDR. Weil die Erreger zuerst in Nase und Rachen landen, können sie sich dort vermehren und durchs Atmen, Niesen oder Husten auch weitergegeben werden, bevor das Immunsystem reagiert.

Die gute Nachricht: Experten gehen inzwischen davon aus, dass das eher unwahrscheinlich ist. "Ich glaube, dass man als Geimpfter das gute Gefühl haben kann, dass man seine Umgebung nicht ansteckt und schlechter als Überträger fungiert", sagt Drosten.

Virus wird weniger verbreitet

Denn auch in den Schleimhäuten sitzen Antikörper, die die Erreger schnell angreifen. Im Labortest wären dann zwar Virusbestandteile nachweisbar, sie würden aber nicht ausreichen, um andere zu infizieren. "Ein Geimpfter wird das Virus sicherlich immer weniger verbreiten, auch wenn das von Impfstoff zu Impfstoff unterschiedlich sein kann."


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Vielversprechend scheint unter diesem Aspekt das Mittel des britischen Pharmakonzerns Astrazeneca und der Universität Oxford zu sein. Erste Tests hätten gezeigt, dass der Impfstoff die Übertragung um rund 67 Prozent verringere, sagte Mene Pangalos, Forschungschef des Unternehmens, diese Woche.

Die Zahl bezieht sich auf Personen, die die erste Impfdosis bekommen haben. Unter den Getesteten mit einer zweiten Dosis, lag die Verringerung nur bei knapp 50 Prozent. Ein Grund dafür könnte sein, dass die wenigen Testpersonen in beiden Gruppen zu unterschiedlich waren. Deshalb sind erst noch weitere Untersuchungen nötig.

Geimpfte zeigen kaum Symptome

Eine sterile Immunität wäre vor allem wünschenswert, weil sich das Virus dadurch weniger unentdeckt ausbreiten könnte. Geimpfte entwickeln kaum Symptome und werden deshalb auch selten getestet. Den Schutz vor einer Ansteckung zu überprüfen, ist deshalb aufwändig.

Das Mainzer Unternehmen Biontech muss dazu erst noch Daten vorlegen. Für eine Aussage muss unter geimpften Testpersonen regelmäßig nach asymptomatischen Infektionen gesucht werden, um anschließend zu vergleichen, ob in einer ungeimpften Vergleichsgruppe mehr solche Fälle auftreten.


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Wissenschaftler arbeiten bereits an mehreren Impfstoff-Kandidaten, die direkt über Nase oder Mund verabreicht werden können, etwa in Form eines Sprays oder wie Hustensaft. Sie sollen gezielt das Immunsystem in den Schleimhäuten anregen und so eine erste, wirksame Barriere bilden. Die bisherigen Wirkstoffe spritzt der Arzt in den Muskel und sie aktivieren die Abwehrkräfte in der Blutbahn.