Experten klären auf

Impfung und ein Medikament helfen gegen Affenpocken - doch sie sind kaum verfügbar

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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23.5.2022, 12:03 Uhr
Bei den früheren Pockenimpfungen wurden Lebendimpfstoffe eingesetzt. An der Einstichstelle bildeten sich deshalb meist Hautläsionen, die charakteristischen Narben der Pockenimpfung. 

© Bernd Weißbrod, dpa Bei den früheren Pockenimpfungen wurden Lebendimpfstoffe eingesetzt. An der Einstichstelle bildeten sich deshalb meist Hautläsionen, die charakteristischen Narben der Pockenimpfung. 

Die UN betonte erst am Samstag, dass es "dringend notwendig" sei, das Bewusstsein für die Erkrankung zu erhöhen. Infizierte müssen ausfindig gemacht und isoliert werden. Eine ähnlich rasante und gefährliche Ausbreitung wie beim Coronavirus befürchten Expertinnen und Experten allerdings nicht, da es bereits Mittel und Wege gibt, sich vor der Erkrankung zu schützen. Diese sind im Moment aber noch begrenzt.

Laut dem Robert-Koch-Institut wird zur Behandlung von Affenpocken das Arzneimittel Tecovirimat eingesetzt. Laut WHO ist das antivirale Mittel aber noch nicht flächendeckend verfügbar, da es erst im Jahr 2022 von der European Medical Association (EMA) zugelassen wurde.

Präventiv soll auch die normale Pockenimpfung vor einer Infektion schützen. "Aufgrund der Ähnlichkeit der Viren schützen Impfstoffe, die zum Schutz vor den echten Pocken (Variola) entwickelt wurden, auch vor Affenpocken", heißt es dazu vom RKI. In einem Tweet teilte Pockenexperte Jason Mercer von der Universität in Birmingham mit, die Impfung habe eine Wirksamkeit von 85 Prozent und das sogar vier Tage nach dem Kontakt mit einer infizierten Person.

In der EU ist ein Impfstoff gegen die Pocken zugelassen, der modifiziertes Vacciniavirus Ankara (MVA) beinhaltet. Es handelt sich dabei um einen Zweidosen-Impfstoff. Allerdings ist dessen Verfügbarkeit ebenfalls laut WHO begrenzt.

Pockenimpfung wurde in den 70er Jahren eingestellt

Der ursprüngliche Pockenimpfstoff ist nicht mehr erhältlich. Die Impfung sei in den 70er-Jahren eingestellt worden, teilte die Virologin Sandra Ciesek mit. 1980 erklärte die WHO den Erreger der echten Pocken, das Variolavirus, weltweit für ausgerottet. Etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung ist aus diesem Grund derzeit nicht mehr gegen Pocken geimpft. Bei den früheren Pockenimpfungen wurden Lebendimpfstoffe eingesetzt. An der Einstichstelle bildeten sich deshalb meist Hautläsionen, die charakteristischen Narben der Pockenimpfung. Interessant: Bayern setzte sich als weltweit erstes Land über alle Einwände hinweg und beschloss bereits am 26. August 1807 den gesetzlichen Zwang zur Pockenimpfung. Andere deutsche Staaten zogen nach. Im Jahr 1983 wurde die Pflichtimpfung in Deutschland dann abgeschafft.

Derzeit laufen bereits wissenschaftliche Studien, um die Durchführbarkeit und Angemessenheit einer neuen Impfwelle zu beurteilen. Großbritannien hat den neu zugelassenen Pocken-Impfstoff bereits in größeren Mengen bestellt. Dort werden schon Kontaktpersonen von Infizierten geimpft. Auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek gab in einem TV-Interview bekannt, dass er eine frühzeitige Bestellung des Impfstoffes für sinnvoll erachtet. "Ich glaube, es ist schon wichtig, dass wir Impfstoff jetzt auch ordern", sagte er bei Bild live. Holetschek erklärte, dass viele Bundesländer noch alte Pocken-Impfstoffe eingelagert hätten. Ob diese jedoch noch brauchbar sind, ist unklar.

Hygienemaßnahmen: So schützen Sie sich vor einer Affenpocken-Infektion

Laut dem RKI sollten alle Bürgerinnen und Bürger derzeit engen Kontakt sowie den Verzehr von potenziell infizierten Tieren (Affen, Nagetiere) vermeiden. Beim Umgang mit Erkrankten sollten die Hygienemaßnahmen, die bereits vom Coronavirus bekannt sind, eingehalten werden.

Die Übertragung der Affenpocken erfolgt durch engen Kontakt mit einer infizierten Person, einem infiziertem Tier oder über Läsionen, Körperflüssigkeiten, Atemtröpfchen sowie dem Kontakt zu kontaminiertem Material. Symptome für eine Affenpocken-Infektion sind plötzliches Fieber, Kopf-, Muskel-, Hals- und Rückenschmerzen, Schüttelfrost, ein stark juckender, pockentypischer Ausschlag sowie geschwollene Lymphknoten.

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