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Kommentar: Die Corona-App als Stimmungstest für eine ganze Nation

Funktion soll helfen, braucht aber unbedingt auch ein Begleitgesetz - 16.06.2020 06:47 Uhr

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Seit Ende Mai lockert die bayerische Regierung die Maßnahmen zur Einschränkung der Corona-Pandemie Schritt für Schritt. Durch die Verlängerung der Sperrstunde und andere Erleichterungen seit dem 16. Juni geht es für die Bürgerinnen und Bürger wieder ein Stück mehr Richtung Normalität.


Mindestens so zentral ist die Frage nach der Freiwilligkeit. Wird jemand Druck ausüben, damit ich mich an dem von der Bundesregierung initiierten digitalem Warnsystem beteilige? Was passiert, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern das Herunterladen nahelegen? Was passiert, wenn ich am Einlass meines Stammbiergartens gefragt werden, ob ich die Corona-App nutze? Fragen, auf die leider erst die Praxis Antworten liefern muss — weil die Regierung ein Begleitgesetz, in dem alle offenen Punkte geklärt hätten werden können, als unnötig erachtet.

Das kann sich noch als nachteilig für die Akzeptanz der App erweisen. Denn die Große Koalition braucht für einen Erfolg des Vorhabens nichts dringender als einen Vertrauensvorschuss seitens der Bevölkerung. Nur wenn möglichst viele Bürger sich beteiligen, also erst bei Downloads im Millionenbereich, ergibt das kostspielige Vorhaben Sinn.

Denn der einzige Sinn der App soll das frühzeitige Erkennen von Infektionsketten sein — und dies möglichst flächendeckend. Ob die dafür notwendige kritische Masse an Teilnehmern erreicht werden kann, ist eine der großen Unbekannten, die über den Erfolg der App entscheiden. Ebenso wichtig könnte das Durchhaltevermögen sein.


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Denn im Moment sind kaum Fallzahlen zu verzeichnen, die Zahl via App gemeldeten positiv Getesteten dürfte also gegen Null tendieren. Greift das Präventionsparadox? Was würde passieren, wenn über Wochen hinweg nichts passiert? Wahrscheinlich würden viele Menschen die App löschen oder das für das Erkennen benachbarter Handys nötige Bluetooth ausschalten.

Experten sprechen vom Präventionsparadox. Weil wenig Covid-19-Erkrankungen registriert werden, steigt das Sicherheitsgefühl, immer weniger Menschen legen dann Wert auf Vorsorge. Für die Einführung einer Gesundheitswarn-App eine denkbar schlechte Voraussetzung.

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Kurzum: Mit der Corona-App betritt die Bundesregierung Neuland, das Vorhaben ist ein Wagnis. Dies gilt umso mehr als eine solche Präventionsmaßnahme in einigen Ländern bereits gescheitert ist — in Norwegen beispielsweise aus Datenschutzgründen. Andernorts muss nachgerüstet werden, etwa in Bluetooth-Sender (Singapur).

Auch hierzulande ist mit Startschwierigkeiten zu rechnen. Letztlich bleibt es eine Frage der Vertrauens, ob jemand bereit ist, die Software zu nutzen. Egal was die App bringt, sie ist auf jeden Fall ein Stimmungstest für die Corona-Politik der Regierung.

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