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Kommentar: Ein Kopftuch ist nur ein Stück Stoff

Österreich: Das beschlossene Verbot an Grundschulen führt nicht weiter - 16.05.2019 10:41 Uhr

Den Vorwurf, das Kopftuch sei ein Symbol für die Unterdrückung der Frau, will Politikredakteur Dieter Schwab nicht gelten lassen. © Laura Lewandowski/dpa


Nein, keiner muss Kopftücher für sinnvoll halten. Hier, in der westlichen Welt, ist es üblich, nicht nur das Gesicht, sondern auch die Haare zu zeigen. Hinter diesem Kleidungsstück steckt übrigens auch die absurde Idee, Männer würden sofort aus der Fassung geraten, wenn sie auch nur die Frisur einer Frau sehen. Die Erfahrung hierzulande zeigt: So ist das nicht. Außerdem gibt es den Vorwurf, dieses Kleidungsstück sei ein Symbol für die Unterdrückung der Frau. Mag in manchen Fällen sein - aber viele tragen es gewiss freiwillig.

Reicht das alles schon, um das Kopftuch an Grundschulen zu verbieten, wie das die rechtsorientierte Koalition jetzt in Österreich getan hat? Österreich ist schließlich den Werten westlicher Demokratien verpflichtet - auch wenn hier angesichts der erstarkten FPÖ angefügt werden muss: bis jetzt. Und dazu gehört die Freiheit, sich so zu kleiden, wie es einem gefällt. Und seine Religiosität zu zeigen. Oder auch nicht. Es gilt immer noch der große Satz der ermordeten Sozialistin Rosa Luxemburg: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.

Den Regierungsparteien in Wien geht es gezielt darum, Muslime zu diskrimieren. Denn andere religiös motivierte wie die jüdische Kippa dürfen auch weiterhin sein. Dass das diskrimierend ist, erkennen selbst die Befürworter - und rechnen mit Klagen, die dann bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

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Es geht hier nicht etwa um den Schulfrieden, sondern um eine Demonstration für die rechtsgewirkte Wählerschaft: Wir tun etwas gegen den Islam. Die Frage, welchen Sinn es hat, das Tragen eines Stück Stoffs zu untersagen, stellen sie weiter die Politiker noch die populistisch gewirkte Wählerschaft gar nicht mehr. Die deutsche AfD würde so etwas wohl sehr unterstützen, ist aber glücklicherweise von der Macht weit, weit entfernt.

Der einzig sinnvolle Weg wäre es bei uns wie in Österreich, einen Dialog der Kulturen zu fördern, das gegenseitige Verständnis zu vergrößern. Verbote bewirken das Gegenteil - aber genau das will die Wiener Regierung. Mit unserer, der westlichen Kultur hat das nichts mehr zu tun. 

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