Kommentar: Söder sucht sein Heil in der Schnelltest-App

22.2.2021, 14:07 Uhr

Das allgemeine Wehklagen über den nun schon seit einem Jahr andauernden mehr oder weniger weichen oder harten Lockdown scheint auch den bayerischen Ministerpräsidenten etwas weich geklopft zu haben.

Jedenfalls wagt er es nicht mehr, angesichts der nicht mehr zu leugnenden Mutationsgefahren eine unveränderte Fortsetzung des geltenden Lockdowns zu fordern. Nun gibt es tatsächlich neben dem immer noch zähen Impfgeschehen einige Instrumente mehr als im Frühjahr, um das Virus in Schach zu halten.

Nachdem man den Menschen ein dreiviertel Jahr lang weisgemacht hat, dass jede Art von Mundschutz bis hin zu einem Schal die Verbreitung des Virus verhindert, herrscht nunmehr fast überall FFP2-Masken-Pflicht. Wer weiß, was man alles hätte verhindern können, wenn FFP2- oder medizinische Masken von Anfang an vorgeschrieben gewesen wären.

Außerdem gibt es jetzt viele Tests - einfachere, schnellere, sogar Selbsttests. Ein Test vor jedem Theater- oder Restaurantbesuch scheint mittlerweile in praktizierbare Nähe gerückt. Das alles könnte mehr Freiheiten trotz relativ hoher Infektionszahlen ermöglichen. In diese Richtung gehen jedenfalls die Überlegungen Söders. Freilich haben Corona-Negativzeugnisse ein recht kurzes Verfallsdatum. Aktuelle amtliche oder ärztlich bestätigte papierne Testzeugnisse mit sich herumzutragen, ist weder für den Getesteten noch für diejenigen, welche die Gültigkeit des Testzeugnisses beurteilen müssen, praktikabel.


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Und da kommt Söders Idee der erweiterten Corona-Warn-App ins Spiel. Eigentlich ist es nicht Söders Idee, sondern eine Entwicklung aus Israel. Dort gibt eine App auf dem Smartphone aktuell darüber Auskunft, ob eine Person frisch getestet oder auch geimpft ist. In diesem Fall gibt es für Restaurant, Fitnesscenter und vieles mehr grünes Licht.

Wenn man mal beiseite lässt, dass laut Statistik "nur" knapp 58 Millionen Deutsche, also nicht jeder, über ein Smartphone mit Datenübertragung verfügt, wäre das ja theoretisch eine feine Sache. Praktisch jedoch wären der deutsche Datenschutz, die übliche Bedenkenträgerschaft sowie die Bürokratie zu überwinden. Das ganze riecht zudem noch nach Privilegierung und da ist die Neidgesellschaft grundsätzlich misstrauisch.

Man erinnert sich, wie lange der Berg kreiste und dann ein Mäuslein namens Corona-Warn-App gebar. Es ist zu befürchten, dass eine Erweiterung um eine Ausweisfunktion auch wieder viele Monate dauert, wenn man die Sache so anpackt, wie das bei uns üblich ist. Da müsste "Schattenkanzler" Söder mal ordentlich Tempo machen. Vielleicht kommt ja wenigstens eine Söder-App für Bayern? Und hat nicht Bayern eine Digitalministerin?