Aufhebung gefordert

Pflicht zu FFP2-Maske: Weicht Bayern von seinem Sonderweg ab?

20.8.2021, 05:58 Uhr
In Bayern gehören FFP2-Masken zum Alltag. In anderen Bundesländern nicht.

© Marijan Murat, dpa In Bayern gehören FFP2-Masken zum Alltag. In anderen Bundesländern nicht.

Bayern hat in der Corona-Pandemie vieles ein bisschen anders gemacht als die anderen. Als erstes Bundesland hatte es Ausgangssperren verhängt, hatte Schüler ab einer Inzidenz von 100 in den Distanzunterricht geschickt, als anderswo noch höhere Schwellenwerte dafür galten. Einen Sonderweg geht Bayern auch bei den Masken: Während in anderen Bundesländern die einfacheren OP-Masken reichen, wenn man Lokale, Theater oder Geschäfte besuchen will, schreibt Bayern weiterhin und ausdrücklich FFP2-Masken vor.

"In vielen Fällen reicht OP-Maske"

Dagegen regt sich immer mehr Widerstand. Von der politischen Opposition – und selbst innerhalb der CSU: "In vielen Fällen reicht eine medizinische Maske, weil inzwischen viele Menschen geimpft sind", erklärt Ruth Waldmann, Gesundheitsexpertin der SPD im Landtag.
Noch hält Söders Regierung an den Regeln fest. "Im Hinblick auf die hochansteckende und in ganz Deutschland inzwischen vorherrschende Delta-Variante ist das Tragen von FFP2-Masken sinnvoll und notwendig, da diese ein höheres Schutzniveau bieten als etwa OP-Masken", so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Petition an die Staatsregierung

Es gibt aber Anzeichen dafür, dass "eine Abschwächung" der Regelung bevorsteht. Das sagte, bezogen auf die Vorschriften in öffentlichen Verkehrsmitteln, CSU-Politikerin Barbara Becker im Gesundheitsausschuss. Dort sprach man sich einstimmig für die Eingabe einer Petition zur Abänderung der FFP2-Schutzmaskenpflicht in Bussen und Bahnen aus. Das heißt? "Dass sich die Staatsregierung bei dem Thema jetzt bewegen müsste", so Waldmann.


Im Gegensatz zu FFP2- schützen OP-Masken in erster Linie das Gegenüber und nicht den Träger. "Aber mit Impfung ist man ja selber gut geschützt", so Waldmann. Anders sieht das Christina Haubrich, bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen in Zeiten steigender Infektionen: "Es wäre unverantwortlich, die derzeitigen Regeln zu ändern."

Ganz eng am Gesicht

Das Problem an FFP2-Masken: "Es sind Hochleistungs-Atemschutzmasken, die für den Arbeitsplatz bestimmt sind. Nur bei korrekter Anwendung übertrifft ihre Wirksamkeit jene von chirurgischem Mund-Nasen-Schutz", so die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Korrekte Anwendung heißt: Sehr eng am Gesicht. Das erschwert das Atmen. Die Folge: Viele Träger lockern das Teil auf Kosten der Schutzwirkung. "Man geht davon aus, dass 95 Prozent der Leute die FFP2-Maske nicht so tragen, wie sie sollten", sagt Aerosolforscher Gerhard Scheuch.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt auf Anfrage weiterhin "generell das Tragen einer OP-Maske in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum." Wohlgemerkt: OP- Maske, nicht FFP2-Maske. RKI-Chef Robert Wieler selbst hatte kürzlich den Nutzen von FFP2-Masken gegenüber sogenannten medizinischen Masken in Zweifel gezogen.

"Nach wie vor sinnvoll"

OP-Maske oder FFP2? Während es in Bayern um diese Feinheiten geht, hat Dänemark die Maskenpflicht komplett abgeschafft — auch in Bahnen und Bussen. "In vollgestopften Zügen halte ich das Tragen von FFP2-Masken nach wie vor für sinnvoll", sagt Waldmann, "aber nicht für Reisende, die Stunden lang in ihrem Zugabteil sitzen. Für sie reicht die blaue Maske." Nötig seien differenziertere, weniger starre Regeln.

Eva Grill ,Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie sagt: "Es können sich auch Geimpfte infizieren und sind dann auch für andere infektiös, wenn auch in geringerem Umfang als Nichtgeimpfte. Ich würde jedem raten, weiterhin von der Maske Gebrauch zu machen, egal ob es Pflicht ist oder nicht".

Einzelhandel für FFP2

Eine Abschaffung der Maskenpflicht generell oder für Geimpfte hält Waldmann für "zu optimistisch". Die Bundes-FDP sieht das anders: Ihr Vorsitzender Christian Lindner fordert, Geimpfte und Genesene von der Pflicht zu befreien, in Geschäften eine Corona-Schutzmaske zu tragen. Beim Bayerischen Einzelhandel indes ist man sicher: "Es ist derzeit nicht möglich, auf die Maske zu verzichten. Sie ist neben der Impfung unsere stärkste Waffe. Ohne sie haben wir bald den nächsten Lockdown", sagt Handelsverband-Sprecher Bernd Ohlmann. Eine Umstellung auf OP-Masken hält er nicht für angesagt: "Mit FFP2-Masken fühlen die Leute sich sicherer."

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