Skandalisierte Gerüchte um Zukunftsmuseum: Belege nötig

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Andre Fischer

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24.1.2021, 15:23 Uhr

Als sich 2017 die Führung des Deutschen Museums endgültig entschied, die neue Außenstelle auf dem Augustinerhof-Areal in Nürnberg einzurichten, war klar, dass das nicht günstig zu haben sein wird. Immobilienentwickler Gerd Schmelzer hatte eine fertige Planung für Büros, Wohnungen, Praxen und ein Hotel. Er ersteigerte das Gelände 2006 relativ günstig für rund sieben Millionen Euro: Zehn Jahre hatte die beteiligte Bank vergeblich einen Käufer gesucht. Niemand hatte sich getraut, das Gelände zu entwickeln. Kurz bevor Schmelzer mit der Umsetzung seiner Pläne beginnen konnte, tauchte das Museumskonzept auf.


Zukunftsmuseum: Offene Fragen trüben Blick in die Zukunft


Wenn jetzt der Forchheimer FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber einen Untersuchungsausschuss fordert, weil Schmelzer einen Mietpreis von rund 40 Euro pro Quadratmeter auf 25 Jahre erhält, dann gilt es genau hinzuschauen. Der Mietpreis lag sicherlich an der oberen Grenze, als die Entscheidung getroffen wurde. Schmelzer ist Geschäftsmann und in diesem Fall kein Sponsor. Es wurde keine Gewerbeimmobilie errichtet, sondern ein auch in der Bauphase technisch aufwendiger Bau in bester Lage mit eindrucksvoller Architektur. Durch die Nutzung als Museum wurde die vermietbare Fläche reduziert.

Viele Neider

Die Argumentation, dass Schmelzer eine Spende von 45500 Euro an die Nürnberger CSU überwiesen hat – Bezirksvorsitzender war damals Michael Frieser – und sich damit für den Mietvertrag bedankt, ist rein suggestiv. Der Zusammenhang wird nicht bewiesen. Über das Projekt hat am Ende das Deutsche Museum selbst entschieden. Der Boni für die Nürnberger CSU wäre auch sehr niedrig. Auch ohne Deutsches Museum wäre der Augustinerhof sehr lukrativ zu vermarkten.


Wirbel um Nürnbergs Deutsches Museum: Opposition bleibt gelassen - noch


Schmelzer hat viele Neider, weil er erfolgreich ist. Er traut sich die Revitalisierung von Gewerbeflächen zu, bei denen andere Immobilienentwickler nicht den Mut haben, sie zu übernehmen. Wenn sie dann sehen, was man daraus machen kann, hätten sie es gerne selber gemacht, aber sie hatten nicht die Kreativität.

Der Entscheidung für das Augustinerhofgelände war eine zweijährige Suche nach einem Standort für das sogenannte Zukunftsmuseum vorausgegangen. Mit der Außenstelle solle Begeisterung und Verständnis für Naturwissenschaften, für die Abschätzung der Folgen von technischen Entwicklungen und für die Möglichkeiten der Digitalisierung geweckt werden. Mögliche Standorte wie der ehemalige Kaufhof am Aufseßplatz oder das Museum Industriekultur wurden als unzureichend verworfen.

Glücksfall für die Stadtentwicklung

Für die Stadt war die Entscheidung, die Außenstelle des Deutschen Museums auf dem gut angebundenen Augustinerhofgelände zu errichten, unter Stadtentwicklungsgesichtspunkten ein Glücksfall: Nach der Eröffnung im Sommer wird es sich vermutlich zu einer Attraktion in der Innenstadt entwickeln und es entsteht ein neuer Platz, der zum Verweilen einlädt. Die prognostizierten Besucherzahlen könnten wie beim Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände weit übertroffen werden.


Ein Rundgang durchs Zukunftsmuseum


Der hohe Mietpreis des Augustinerhofs soll skandalisiert werden, um Ministerpräsident Markus Söder zu treffen. Natürlich hat der CSU-Politiker den Mund immer sehr voll genommen, um das Nürnberger Projekt zu loben. Schon kurz nach der Entscheidung neidete im Übrigen es die Münchner Presse den Nürnbergern. Angesichts der Kosten von 745 Millionen Euro für die Sanierung des Deutschen Museums in der Landeshauptstadt ist das kleinlich. Nach 25 Jahren kann sich das Deutsche Museum in Nürnberg entscheiden, ob es auszieht und muss nicht wie in München sanieren.

Schmelzer, der mit Kulturreferentin Julia Lehner verheiratet ist, hat schon immer die Fantasie der Zeitgenossen angeregt. Ob als Club-Präsident, als Immobilienunternehmer oder als Weiterentwickler von Lebkuchen Schmidt. Gemunkel und Unterstellungen hat es in Einzelfällen gegeben. Fakten gab es bislang nicht. In der Regel hat Schmelzer fast immer Grundstücke ersteigert oder von privat gekauft. Grundstücke zu Sonderpreisen von der öffentlichen Hand sind nicht dabei. Das Ehepaar hat peinlich darauf geachtet, Geschäftsinteressen nicht mit Privatem zu verquicken. Wenn es anders ist, dann muss es bewiesen werden. Mit Fakten.

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