Söder: "Lockdown muss bis Ende Januar verlängert werden"

Stefan Zeitler

Online-Redaktion

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3.1.2021, 08:48 Uhr
ARCHIV - 14.12.2020, Bayern, München: Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, kommt nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts mit einer Maske zu einer Pressekonferenz. Die Union sollte nach Ansicht des CSU-Chefs frühestens nach dem Abklingen der Corona-Krise einen Kanzlerkandidaten küren. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

© Sven Hoppe, dpa ARCHIV - 14.12.2020, Bayern, München: Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, kommt nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts mit einer Maske zu einer Pressekonferenz. Die Union sollte nach Ansicht des CSU-Chefs frühestens nach dem Abklingen der Corona-Krise einen Kanzlerkandidaten küren. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

"Ja. Der Lockdown muss bis Ende Januar verlängert werden. Vorschnelle Lockerungen würden uns wieder weit zurückwerfen. Das Beispiel Österreich zeigt, dass das Modell Auf-zu-auf-zu nicht funktioniert. Wir brauchen in Deutschland eine klare Linie. Die Zahlen sind einfach noch viel zu hoch. Dabei sind die Auswirkungen von Weihnachten und Silvester noch gar nicht absehbar", so Bayerns Ministerpräsident bei einem Treffen mit der Bild in Söders Heimatstadt Nürnberg.

Zudem sehe Söder die Reiserückkehrer aus Risikogebieten sowie die Familienheimkehrer von Weihnachten und Silvester mehr als kritisch. In Bayern gilt auch deshalb eine Testpflicht. Wer einreist, muss direkt oder spätestens nach 72 Stunden einen negativen Test vorlegen. Unabhängig davon muss die betroffene Person auch fünf Tage lang in Quarantäne.

Söder äußerte sich in dem Interview auch zum europäischen Vorgehen in der Impfpolitik: "Offenkundig war das europäische Ankaufverfahren unzureichend. Es ist schwer zu erklären, dass ein sehr guter Impfstoff in Deutschland entwickelt, aber woanders schneller verimpft wird.


Bericht: Lockdown wird verlängert - so geht es nun weiter


Biontech selber sagte, dass Europa das wohl nicht so ernst genommen habe. Die EU hat zu wenig bestellt und auf die falschen Hersteller gesetzt. Dagegen hat allein Großbritannien schon über eine Million Menschen geimpft." Im "Spätsommer" wolle man in Deutschland mit dem Impfen durch sein, gab Söder ein grobes Ziel aus.

Was dem Bayerischen Ministerpräsidenten zudem kein gutes Gefühl gibt: „Was mir Sorgen bereitet, ist die Impf-Zurückhaltung unter den Angestellten in den Heimen. Denn dort droht die höchste Lebensgefahr durch Corona.“ Zudem warnte der Politiker vor zu schnellen Öffnungen von Schulen oder Kitas. Das wäre bei den aktuell hohen Infektionszahlen verantwortungslos. Die Debatte, ob Geimpfte ihre Freiheiten wieder zurückbekommen sollen, hält Söder noch für zu früh, da einfach noch nicht genug Menschen in Deutschland die Dosis verabreicht bekommen hätten.

Kritik, dass Gesundheitsminister Jens Spahn mit der Situation überfordert sei, erstickte Söder direkt im Keim: „Jens Spahn ist rund um die Uhr im Einsatz. Die Probleme liegen erkennbar woanders. Man hat bei der EU-Kommission wohl zu bürokratisch geplant: zu wenig von den richtigen bestellt und zu lange Preisdebatten geführt. Ob dies angesichts der epochalen Bedrohung vorausschauend war, zeigt sich jetzt im Vergleich mit anderen Regionen der Welt.“

Aktuell sind die geltenden Corona-Beschränkungen offiziell bis zum 10. Januar 2021 datiert. Dass es hierbei aber nicht bleibt, gilt nur noch als offenes Geheimnis. Zuletzt wurden aus der Politik bereits immer mehr Stimmen laut, dass es mit dem 10. Januar bei Weitem nicht getan sei. Vor allem in Alten- und Pflegeheimen sei die Situation zuletzt wieder dramatisch geworden. Dazu entstand in Franken ein regelrechter Super-Hotspot.

Eines scheint jetzt schon klar: So schnell wird die Bundesrepublik nicht aus dem Lockdown-Schlaf erwachen können. Kanzleramts-Chef Helge Braun schloss kürzlich selbst einen Lockdown bis in den März hinein nicht mehr kategorisch aus.

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