Weg von der Inzidenz? Söder offen für neue "Corona-Formel"

Tobi Lang
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Online-Redakteur

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24.3.2021, 17:33 Uhr
Wenn das Robert-Koch-Institut am Morgen die neuen Corona-Zahlen veröffentlicht, dann hat das Folgen - für viele Deutsche. 

Wenn das Robert-Koch-Institut am Morgen die neuen Corona-Zahlen veröffentlicht, dann hat das Folgen - für viele Deutsche.  © Rüdiger Wölk via www.imago-images.de, imago images/Rüdiger Wölk

Deutschland schaut auf die 100. An der Sieben-Tage-Inzidenz hängen Existenzen, ist der Wert entsprechend niedrig, darf etwa der Einzelhandel öffnen - oder eben nicht. Kitas gehen in den Notbetrieb, Schüler dürfen in den Unterricht, bald schauen auch Gastronomen auf die derzeit wichtigste Zahl der Republik. Fast alle Maßnahmen orientieren sich an den regionalen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Die Auslastung in den Krankenhäusern spielt dabei keine Rolle. Einige Experten halten den Fokus für falsch. Nun denkt auch Bayern über eine Umorientierung nach.


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Man habe "beim LGL und Wissenschaftlern in Auftrag gegeben", nach einer "anderen Corona-Formel" zu schauen, sagte Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch während einer Regierungserklärung. Für ihn sei die Inzidenz zwar weiter die "Mutter aller Werte", denn daraus ergebe sich alles weitere. Grundsätzlich sei er aber "sehr, sehr offen" für andere Ideen.


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"Als Frühwarnfaktor ist sie der beste Wert", sagte Söder über die Sieben-Tage-Inzidenz. Sie sei "justiziabel und regional nachprüfbar". Es sei aber gut, den "Blick zu weiten", an dieser Stelle sei Komplexität zu begrüßen.

Söder: "Nicht bereit zu akzeptieren, dass relativiert wird"

Deutlich wurde Söder aber gegen Kritiker, die die Aussagekraft der Inzidenz grundsätzlich infrage stellen. "Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass relativiert wird." Der Blick auf neue Zahlen dürfe nicht zu Tricks und Mogeleien um nötige Maßnahmen führen. "Wir müssen Corona in die Augen schauen", sagte der CSU-Chef. "Wer sich um Corona herummogeln will, ist bisher immer eingeholt worden."

Einer der lautesten Kritiker gegen die Sieben-Tage-Inzidenz als alleinigen Grenzwert für Lockdown und Öffnungen ist Friedrich Pürner. "Sie wissen darüber nicht, ob jemand krank oder infektiös ist", sagte er den Nürnberger Nachrichten. "Ich nenne das die Zahl der positiv Getesteten, nichts anderes ist das." Die Sieben-Tage-Inzidenz könne etwa nicht abbilden, wie belastet das Gesundheitssystem ist, so der Epidemiologe.

Bayern stützt sich in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, aus der fast alle Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie abgeleitet werden, stark auf die Sieben-Tage-Inzidenz. Ein Problem für die Kommunen, zuletzt kritisierte auch der Deutsche Städtetag die Fokussierung. "Wir sollten in Deutschland einen neuen Corona-Indikator einführen, der auch die Impfquote, die Belastung der Intensivstationen und die Fallsterblichkeit berücksichtigt", sagte Burkhard Jung den Zeitungen der Funke Mediengruppe.