Marktstart im November

VW ID.Buzz: Was Sie über den elektrischen VW-Bus wissen müssen

Ulla Ellmer

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10.9.2022, 16:02 Uhr

© Hersteller

Zwei unvergessene Sympathieträger hat VW im Laufe seiner Geschichte hervorgebracht, und beide hat man später einer Wiederbelebung unterzogen. Beim Käfer, der in seinem zweiten Leben „New Beetle“ hieß, ist das schon eine Weile her und kein sehr glückhaftes Unterfangen gewesen. Der Bulli T1 hingegen bekommt erst jetzt einen Urenkel: ID Buzz heißt er und ist der bislang größte Abkömmling des Modularen Elektro-Baukastens (MEB) aus dem Volkswagen-Konzern. Heißt: Es geht rein elektrisch voran.

„Wir wollen VW wieder zu einer geliebten Marke machen“, sagt der neue Markenchef Thomas Schäfer. Unausgesprochen schwingt dabei das Wort „Dieselskandal“ mit, tiefer als nach 2015 hätten die Imagewerte nicht sinken können. Der ID. Buzz könnte Schäfers Bestreben in zweifacher Hinsicht unterstützen. Erstens gehorcht der neue Bus dank Elektroantrieb dem Reinheitsgebot dieser Zeit. Und zweitens startet er eine optische Charmeoffensive, die Kunden mitten ins Herz treffen soll.

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Tatsächlich ist es ein schlauer Schachzug von VW gewesen, seine erste elektrische Raumgröße in ein Kleid zu stecken, das unverkennbar die Wirtschaftswunder- und Flower-Power-Ikone T1 zitiert: Großes VW-Logo, Zweifarblackierung mit angedeutetem „V“ an der Front, kurze Überhänge – und technisch ein Konzept aus Heckmotor sowie Heckantrieb.

Freundlicher Blick

Auch wenn das ein bisschen nach Retro aus der Retorte aussieht und die Authentizität des Vorfahren nicht erreicht: Einnehmend freundlich blickt der ID. Buzz allemal in die Welt. Die Inneneinrichtung hat sich ganz von der des Ur-Bullis entfernt, hier übernimmt die sachlich-moderne Welt der ID-Familie die Deutungshoheit, mit kleinem, frei stehendem Infodisplay hinterm Lenkrad, bis zu zwölf Zoll großem Touchscreen und optionalem Head-up-Display. Die Anwahl der Fahrstufen erfolgt nicht wie etwa beim ID.3 über einen Drehsatelliten am Fahrerdisplay, sondern über einen Lenkstockhebel.

Obwohl der 4,71 Meter lange ID.Buzz rund 19 Zentimeter kürzer ausfällt als ein VW T6.1, muss er sich in punkto Raumangebot nicht vor dem Bruder verstecken, beim fürstlichen Radstand von knapp drei Metern liegt man schließlich gleichauf. Die vorderen Passagiere reisen in busmäßiger Erhabenheit auf bequemen, optional mit Massage- und Belüftungsfunktion ausgestatteten Sitzen, im rückwärtigen Bereich ist ein Dreier-Sitzmöbel verbaut, das sich um 15 Zentimeter längs verschieben lässt. Von Variabilität verwöhnte Multivan-Fans werden mit Stirnrunzeln registrieren, dass weder die Vordersitze gedreht noch die hinteren Plätze ausgebaut werden können. Ging leider nicht anders, sagt VW. Im Unterboden haust bereits die Batterie, würde da jetzt noch ein aufwendiges Sitzkonstrukt mit entsprechendem Platzbedarf draufgesetzt, wäre der Buzz über die parkhauskompatible Höhe von 1,95 Metern hinausgewachsen.

Im kommenden Jahr soll eine Variante mit sechs Einzelsitzen folgen, auch eine Buzz-Langversion mit dritter Sitzreihe ist für 2023 ausgemachte Sache.

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Geentert wird der Fond über beidseitige (und serienmäßige) Schiebetüren, der über eine niedrige Ladekante bequem zugängliche Gepäckraum nimmt 1121 bis 2205 Liter auf. Und natürlich öffnen und schließen Schiebetüren sowie Heckklappe auf Wunsch elektrisch. An Ablagemöglichkeiten herrscht kein Mangel, als besonders nutzbringend empfiehlt sich die sogenannte ID.Buzz-Box zwischen den Vordersitzen, ein herausnehmbares Teil mit 1,4-l-Klappfach, Fünfliter-Schublade und einem Ablagefach im oberen Bereich, hier halten sich Eiskratzer und Flaschenöffner bereit. Anders als beim ID.3 ist die Anhängerkupplung nicht nur für Fahrradträger, sondern auch für Hänger geeignet, gebremst können bis zu 1000 Kilogramm in Schlepp genommen werden.

425 Kilometer Norm-Reichweite

An den Start fährt der Batterie-Bulli ausschließlich mit einem Antrieb, der sich aus einem 150 kW/204 PS starken E-Motor und einem Akku von 77 kWh Nettokapazität als Stromspender zusammensetzt, nach Norm sind 425 Kilometer Maximal-Reichweite drin. Auf weitere Varianten heißt es noch bis 2023 zuzuwarten, beispielsweise auf den Basis-Buzz mit kleinem 52-kWh-Akku oder auf die Allradvariante mit 220 kW/300 PS.

Mehr Leistung als die besagten 204 PS haben wir auf unserer ersten Buzz-Tour indes nicht vermisst. Fahrtechnisch bereitet der große Stromer viel Vergnügen, er beschleunigt ansatzlos zügig, folgt präzise und direkt den Lenkbewegungen, schwingt in komfortabler Gelassenheit über Unebenheiten und beweist in der Stadt eine erstaunliche Manövrierfähigkeit, der auf dem Datenblatt festgehaltene Wendekreis von lediglich 11,1 Metern hat nicht zu viel versprochen. Und da wir schon vom Rangieren reden: Neben Assistenzsystemen wie dem „Travel Assist“ mit Schwarmdatennutzung und assistiertem Spurwechsel bedient sich der ID.Buzz auch des „Park Assist Plus“ mit Memory-Funktion fürs automatische Einparken, einmal abgespeichert, lassen sich bestimmte Ein- und Ausparkvorgänge immer wieder abrufen.

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Schneller als mit 145 km/h geht es nicht voran, auch das ist kein Schaden, Tempo wird bekanntermaßen zum Reichweitenkiller. Die Wallbox zapft der Buzz mit 11 kW an, einmal Volltanken nimmt siebeneinhalb Stunden in Anspruch. Strom aus der Schnellladesäule wird mit bis zu 170 kW bezogen, im Idealfall ist der Akku binnen einer halben Stunde von 5 auf 80 Prozent befüllt. Praktisch: Die Plug&Charge-Funktion, mit deren Hilfe sich das Fahrzeug automatisch an der Ladesäule authentifiziert, Ladekarte oder App braucht es dann ebensowenig mehr wie einen QR-Code.

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Über 10.000 Bestellungen hat die Nutzfahrzeugsparte von VW schon eingesammelt für den ID.Buzz, bemerkenswerterweise entfällt fast die Hälfte auf dessen Cargo-Version, die Handwerker und andere Gewerbetreibende adressiert. Vom Passenger-Bruder unterscheidet sich der Transporter durch seine drei Sitzplätze im Fahrerhaus (optional gibt es auch einen einzelnen Beifahrersitz), die feste Trennwand zum Laderaum (auf Wunsch auch mit Fenster und Durchladeöffnung) sowie sein 3900-Liter-Frachtabteil, das Platz für zwei Europaletten bietet. Aufbürden lässt sich der Cargo-Buzz 648 Kilogramm. Die zweite, beidseitige Schiebetür kostet extra, alternativ zur großen Klappe bieten Heckflügeltüren Zugriff aufs Gepäckabteil. Und: Nicht auszuschließen ist Familienzuwachs in Gestalt einer Doppelkabine mit Pritsche.

Wer jetzt zum Kassensturz schreitet, muss allerdings tapfer sein. Denn in den ID.Buzz wollen mindestens 64.581 Euro angelegt werden, der Cargo legt ab 54.431 Euro los. Das ist viel Geld – auch, wenn man für einen perfekt restaurierten Ur-Bulli deutlich mehr ausgeben muss.

VW ID.Buzz und ID.Buzz Cargo:

Wann er kommt: Ist bereits bestellbar, Auslieferungen ab November

Wen er ins Visier nimmt: Mercedes EQV, Opel Zafira Life-e, Peugeot e-Traveller, Citroën ë-Spacetourer

Was ihn antreibt: Elektromotor mit 150 kW/204 PS

Was er kostet: Ab 54.431 Euro (Cargo) bzw. 64.581 Euro

Was noch kommt: 2023 Einstiegsmodell mit kleinem Akku, Allradvariante mit 220 kW/300 PS, Sechssitzer-Ausführung, Siebensitzer mit langem Radstand

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