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Zugluft im Schlafzimmer: Wie gefährlich ist sie?

Simone Madre
Simone Madre

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6.5.2022, 08:21 Uhr
Ohne Zugluft lässt es sich angenehmer schlafen. Aber warum ist das so?

© IMAGO / Westend61 Ohne Zugluft lässt es sich angenehmer schlafen. Aber warum ist das so?

Besonders Bewohner von Altbauwohnungen kennen das Gefühl, wenn die kalte Luft ins Innere strömt und einen unangenehmen Luftzug auf der Haut verursacht. Die Ursache sind häufig undichte Türen oder Fenster, welche für Zugluft in den eigenen vier Wänden sorgen. Doch ist die Zugluft im Schlafzimmer wirklich so gefährlich und was kann man dagegen machen? Alles zum Thema Zugluft gibt es hier.

Kalter Luftzug im Zimmer: Was hat es damit auf sich?

Was ist eigentlich Zugluft? Die Zugluft ist ein leichter Lufthauch, der häufig durch minderwertig abgedichtete Türen und Fenster in die Wohnung gelangt. Dieser ist nicht nur unangenehm, sondern treibt auch die Heizkosten in die Höhe.

Zudem können undichte Stellen auch Feuchtigkeit in die Wohnung transportieren und eine Schimmelbildung begünstigen. Im Sommer ist eine sanfte Brise den meisten Menschen dagegen sehr willkommen. Direkte Zugluft, egal ob durch ein technisches Gerät oder durch das geöffnete Fenster, sollte man jedoch bestenfalls vermeiden. Denn Zugluft kann sich negativ auf den Körper auswirken.

Welche Folgen hat Zugluft im Schlafzimmer?

Wenn ein stärkerer Luftzug auf den Körper trifft, kühlt die Muskulatur aus - und verspannt sich dabei. Zugluft kann deshalb beispielsweise zu einem steifen Nacken führen. Da die Rückenmuskeln miteinander in Verbindung stehen, sind durch die Nackenverspannung auch weitere Verspannungen und Schmerzen möglich, beispielsweise Kopfschmerzen und Rückenschmerzen. Dass es einen Luftzug gibt, heißt aber nicht automatisch, dass der Körper so reagiert. Es kommt immer auf die Stärke des Luftstroms am Ort an, an dem man sich aufhält - und darauf, wie feinfühlig man ist.

Zugluft im Schlafzimmer kann zudem die Schlafqualität beeinflussen. Denn der Körper reagiert unbewusst auf den Luftdurchzug und man schläft weniger tief. Auf ein offenes oder gekipptes Fenster sollte man noch aus anderen Gründen verzichten: Dadurch dringt mehr Lärm in das Schlafzimmer - und der Körper schüttet Stresshormone aus.

Umstritten ist eine andere mögliche Folge von Zugluft: dass man durch sie leichter krank wird. Diese These hört man immer wieder im Bekanntenkreis, es gibt dazu aber keine eindeutige Studienlage. Konkret geht es darum, dass Körperstellen, die dem Luftzug ausgesetzt sind, abkühlen. Der Organismus versucht Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um eine Auskühlung des Körpers zu verhindern. Die Blutgefäße ziehen sich dabei zusammen und die Schleimhäute, beispielsweise in der Nase, werden schlechter durchblutet. Folglich kühlen die Nasenschleimhäute weiter aus. Dadurch könnten auch weniger Abwehrzellen in die Schleimhäute gelangen und Krankheitserreger setzen sich leichter durch. Die Voraussetzung für eine Erkältung oder Sommergrippe ist aber immer, dass man die entsprechenden Viren oder Bakterien bereits im Körper trägt.

Die landläufige Meinung, dass Zugluft krank macht, könnte aber auch dadurch entstehen, dass viele Erkältungen mit einem Frösteln beginnen. Man ist also schon krank, weiß es aber nicht - und schiebt die Krankheit später auf das unangenehme Frösteln und den Luftzug, den man dabei besonders spürt.

Undichte Fenster erkennen

An welchen Stellen die Zugluft eindringt, kann man ganz einfach ermitteln. Dazu hält man eine brennende Kerze in die Nähe des Fensters. Wenn die Flamme flackert, dringt durch das Fenster Zugluft in die Wohnung. Die Überprüfung ist ebenfalls mit einem Blatt Papier möglich, welches zwischen das Fenster und den Rahmen geklemmt wird. Wenn sich dieses bei geschlossenem Fenster mühelos herausziehen lässt, ist das Fenster nicht dicht genug.

Wärmebrücken sowie undichte Stellen können auch mit einer Wärmebildkamera ermittelt werden. Die Aufnahmen weisen auf Schwachstellen im Bereich der Dichtung und Dämmung eines Gebäudes hin. Sinnvoll ist das zum Beispiel, wenn bei einer energetischen Sanierung einfachverglaste Fenster durch mehrfach-verglaste Fenster ersetzt werden sollen. Dann sieht man vorab, ob es auch andere Problemstellen gibt und wo die meiste Wärme entweicht.

Undichte Fenster und Türen abdichten

Um Fenster und Türen dicht zu schließen, genügen schon ein paar leichte Handgriffe. Bei einigen Wohnungstüren hilft es bereits, die Beschläge und Schrauben zu justieren. Auch Fenster müssen nicht gleich ausgetauscht werden. Je nachdem, wie das Fenster aufgebaut ist und wo es zieht, können selbstklebende Dichtungsbänder eine Lösung sein. Diese kann man beispielsweise für kleine Zwischenräume nutzen, um die Dämmung zu verbessern. Handelt es sich um größere Spalte, sollte man auf Gummidichtungen zurückgreifen. Diese sind deutlich witterungsbeständiger und halten länger.

Achtung: Die meisten modernen Fenster haben bereits vorgefertigte Gummidichtungen, auf die man nichts kleben darf. Hier muss eine Rücksprache mit dem Vermieter erfolgen. Gegebenenfalls sind die bestehenden Dichtungen alt und können ausgetauscht werden.

Tipp: Gummidichtungen bleiben elastischer und geschmeidiger, wenn sie regelmäßig eingefettet werden. Wer undichte Fugen zwischen dem Mauerwerk und dem Fensterrahmen entdeckt, kann diese mit Acryl oder Silikon abdichten.

Abdichthilfen

Es gibt sogenannte "Zugluft-Stopper" oder Bürstendichtungen, die das Eindringen der kalten Luft durch Haus- oder Zimmertüren verhindern. Zudem verbessern Jalousien, Rollläden und Vorhänge die Dämmeigenschaften der Fenster und halten die Zugluft ab.

Wie kann man sich vor der Zugluft schützen?

Bei einem störenden Luftzug sollten Betroffene den Hals- und Nackenbereich bedecken. Dies geht am besten mit einem Tuch oder hochgestellten Kragen. Zudem kann man darauf achten, dass man nicht durchgeschwitzt Fahrrad fährt oder das Fenster beim Autofahren öffnet. Auch dabei können Haut und Nase unangenehm abkühlen.

Die durch den Schweiß entstehende Verdunstungskälte verstärkt den Effekt noch weiter. Daher sollte man nach dem Schwitzen bestenfalls duschen und gründlich abtrocknen. In Innenräumen sollte die Klimaanlage nicht zu kühl eingestellt sein, das Lüftungsverhalten muss ebenfalls entsprechend angepasst werden.

Zugluft im Schlafzimmer vermeiden: Welche Möglichkeiten gibt es?

Mit diesen Methoden muss man im Sommer nicht auf frische Luft verzichten, kann aber der unangenehmen Zugluft im Schlafzimmer trotzdem aus dem Weg gehen.

Zudecken: Auch wenn es im Sommer unerträglich heiß im Schlafzimmer werden kann, sollte man sich immer zudecken. Dabei reicht ein dünnes Laken schon aus, damit der Körper der Zugluft nicht vollständig ausgesetzt ist. Zudem gehört das Zudecken bei vielen Menschen zur Einschlaf-Routine und erleichtert das Einschlafen erheblich.

Vor dem Zubettgehen duschen: Um nicht durchgeschwitzt ins Bett zu gehen, empfiehlt sich eine Dusche vor dem Zubettgehen.

In der Früh lüften: Wenn es draußen im Sommer noch nicht so heiß ist, kann die frische Luft den Raum wieder mit Sauerstoff anreichern und abkühlen. Auch der kühle Abend eignet sich optimal zum Lüften. Damit - und mit den folgenden Tipps - spart man sich bestenfalls den Einsatz von Ventilatoren und Klimaanlagen im Sommer. Achtung: Beim Lüften entsteht fast immer Zugluft, weshalb man die Lüftungszeit lieber in einem anderen Raum verbringen sollte.

Sonne im Zimmer vermeiden: Am besten sollte man nach dem Lüften Jalousien oder Rollläden herunterlassen und tagsüber geschlossen lassen, damit es im Zimmer angenehm kühl bleibt.

Thermovorhänge: Wer keine Jalousien oder Rollläden zur Verfügung hat, kann auf Thermovorhänge zurückgreifen. Diese halten die Sonneneinstrahlung von außen ab und verhindern, dass sich das Zimmer ungewollt aufheizt.

Klimaanlage: Wenn man eine Klimaanlage nutzt, sollte diese bei Außentemperaturen von über 30 Grad Celsius nicht deutlich unter 20 Grad Celsius anzeigen. Im ersten Moment fühlt sich das vielleicht angenehmer an, langfristig ist aber eine höhere Temperatur schonender für den Körper.

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