Ein Keil hilft beim Atmen: Neue Long-Covid-Therapie aus Bad Windsheim

7.5.2021, 06:00 Uhr
Nadine Zink absolviert ihre ersten Übungen auf dem Lagerungskeil unter Anleitung von Andreas Kulas.

Nadine Zink absolviert ihre ersten Übungen auf dem Lagerungskeil unter Anleitung von Andreas Kulas. © Foto: Bastian Lauer

Zwischen Haaransatz und FFP2-Maske blitzt einem sofort eine deutlich entspanntere Stimmung entgegen, als Nadine Zink die ersten Atemübungen auf dem Lagerungskeil hinter sich hat. Wie berichtet, ist der Bad Windsheimer Unternehmer Klaus Seefried dabei, einen Baustein für eine effektive Behandlung von Post-Covid-Patienten zu entwickeln. Ein erster hat die Behandlung abgeschlossen, weitere Testpatienten werden gesucht.

Zink hatte einen schweren Covid19-Verlauf und ist Patientin 2, die sich bereit erklärte, den Keil zu erproben. Sie sei ihm Februar schwer erkrankt, habe wochenlang daheim gelegen, habe bis heute Schmerzen und fühle sich schwach. Noch schlimmer erging es Patient 1, Gerhard Koslowski, der aber auch für viel Hoffnung bei den Beteiligten sorgt.

Er war Ende 2020 schwer krank, wurde drei Wochen in einer Klinik beatmet. Sehr emotional beschrieb er seine anschließenden Reha-Maßnahmen in der Geriatrie-Abteilung der Klinik Bad Windsheim. "Ich musste neu laufen lernen", sagte er. Nach der Reha hatte er weiter Schwindelanfälle, längere Spaziergänge waren undenkbar. Er hatte wochenlang das Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen. Dann kamen der Keil und Physiotherapeut Andreas Kulas ins Spiel.


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Auf dem Keil liegend, führt der Patient Übungen durch, um die Rumpfmuskulatur zu stärken. Die Position des Körpers erleichtere dabei eine "tiefere Atmung", erklärte Kulas. Die Übungen könne jeder selbst zuhause machen. Koslowski fühlt sich nach acht Wochen Behandlung um Längen besser, was auch Messdaten, die von der Bad Windsheimer Lungenfachärztin Dr. Borghild Grün erhoben wurden, unterstrichen. "Das hat genau das bestätigen können, was ich mir erhofft hatte", sagte Kulas.

Mit Interesse verfolgt Dr. Reiner Tischendorf, Chefarzt der Frankenlandklinik, die Behandlung, die LATh-Covid (für Lagerungs- und Atem-Therapie) heißt. Bei der Entwicklung eines Therapie-Konzeptes für Patienten mit Long-Covid-Syndrom sei ihm jeder Ansatz recht. Er wisse nicht, ob der Keil etwas bringt. "Aber es wäre dusselig, es nicht zu probieren."

Ein interdisziplinärer Zirkel

Seefried, Kulas, Grün und Tischendorf sind nun Teil eines "interdisziplinären Zirkels", der auf wissenschaftlicher Basis untersuchen will, wie wirksam die Behandlung ist. Dafür werden weitere Probanden gesucht. Interessenten können Termine zur Physiotherapie bei der Franken-Therme – dort ist Andreas Kulas angestellt – unter Telefon 09841/ 40 30-0 oder per E-Mail an info@franken-therme.net buchen. Nötig ist eine Überweisung des behandelnden Arztes für eine Atemtherapie oder Krankengymnastik.