BN protestiert: ICE-Werk im Bannwald könnte Orchideen zerstören

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Elke Graßer-Reitzner

Lokalredaktion Nürnberg und Rechercheteam

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15.11.2020, 05:55 Uhr
45 Hektar benötigt die Bahn, um ihr Instandhaltungswerk in Nürnberg zu bauen. Anwohner im Südosten fürchten um ihren Wald.

45 Hektar benötigt die Bahn, um ihr Instandhaltungswerk in Nürnberg zu bauen. Anwohner im Südosten fürchten um ihren Wald. © Christoph Soeder, dpa

Die Grünen in Nürnberg wenden sich in einer konzertierten Aktion an die Deutsche Bahn. Die Standortsuche müsse "ergebnisoffen" geführt werden, die Bürgerbeteiligung müsse ernst gemeint sein und dürfe nicht "als Feigenblatt für bereits getroffene Entscheidungen dienen", heißt es in einer Erklärung, die nicht nur die Stadtratsfraktion, sondern auch der Kreisverband, der Ortsverband Nürnberg-Süd und die beiden Nürnberger Grünen-Landtagsabgeordneten Tessa Ganserer und Verena Osgyan verabschiedet haben.

Seit bekannt geworden ist, dass das Verkehrsunternehmen ins Auge gefasste Städte wie Frankfurt/Main, Cottbus oder Görlitz verworfen und sich für Nürnberg als Sitz eines weiteren Instandhaltungswerk für Fernzüge entschieden hat, gibt es nicht nur Jubelstürme. Die frohe Botschaft einer Millioneninvestition und der Schaffung von 450 Arbeitsplätzen geht derzeit in den Diskussionen um den geeignetsten Standort fast unter.

Raumordnungsverfahren klärt entscheidende Frage

Noch steht gar nicht fest, ob das 5,5 Kilometer lange ICE-Werk wirklich im Reichswald entlang der Regensburger Straße, teilweise auf Grund des Landkreises Nürnberger Land, gebaut wird. Dies soll sich erst in einem Raumordnungsverfahren nächstes Jahr herauskristallisieren. Doch Anwohner in Nürnbergs Südosten protestieren bereits heftig. Sie fürchten eine massive Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Vor allem aber geht es um "ihren" Wald.

Das Gefleckte Knabenkraut gilt als die Königin im Pflanzenreich. Der BN pflegt ein Biotop im Reichswald, das unter Umständen durch den Bau des ICE-Werks gefährdet ist.

Das Gefleckte Knabenkraut gilt als die Königin im Pflanzenreich. Der BN pflegt ein Biotop im Reichswald, das unter Umständen durch den Bau des ICE-Werks gefährdet ist. © Rurik Schnackig

Als erstes hatte die SPD-Stadtratsfraktion von der Bahn mehr Transparenz gefordert und auf Probleme im Schwesterwerk in Köln-Nippes aufmerksam gemacht. Dort werden Anwohner durch die Huptests der ICE nachts aus dem Schlaf gerissen.

Standort irritiert

Die Grünen betonen jetzt, das Werk sei nötig, um die Verkehrswende voranzubringen. Auch, dass es möglichst nahe an einem wichtigen ICE-Bahnhof liegen müsse, sei klar. Doch man sei irritiert, schreiben der verkehrspolitische Sprecher Mike Bock und Kreisvorsitzender Gisbert von Eyb, dass man ausgerechnet einen Standort im Bannwald favorisiere.

Der Reichswald leiste einen wichtigen Beitrag für das Klima der Stadt. Deshalb solle die Bahn ihre Bewertungskriterien offenlegen und ökologische Aspekte stärker gewichten.

Auch der Bund Naturschutz in Nürnberg sieht in dem angesetzten Flächenverbrauch von 460.000 Quadratmetern einen "der größten Waldeingriffe der letzten Jahrzehnte". Nicht nur, dass das Waldstück als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist, führt der stellvertretende BN-Vorsitzende Oliver Schneider an. Zudem befinde sich im westlichen Teil das BN-Biotop "Orchideenwiese Langwasser", auf dem das Gefleckte Knabenkraut gedeiht. Im Raumordnungsverfahren müssten deshalb auch andere Standorte diskutiert werden.

Wie viele Stellen werden entstehen?

Es sei der Eindruck entstanden, das Areal bei Fischbach und Altenfurt sei bereits beschlossene Sache, kritisiert CSU-Fraktionschef Andreas Krieglstein. Deshalb habe er die Bahn aufgefordert, ihre Kommunikationspolitik zu verbessern und die Kriterien, nachdem die Fläche ausgewählt wird, offen zu legen. Auch FDP-Stadtrat Ümit Sormaz verlangt "maximale Offenheit", auch darüber, wie viele neue Arbeitsplätze tatsächlich entstehen. Er fürchtet, dass die Stellen aus dem bestehenden Ausbesserungswerk für Fernzüge älterer Bauart an der Ingolstädter Straße umgesiedelt werden.

Im Gespräch für die Hallen sind neben dem Gelände entlang der Regensburger Straße auch das Areal am Rangierbahnhof, ebenso Flächen bei Fürth-Burgfarrnbach, Allersberg und Baiersdorf.

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