Corona-Regeln: Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick

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Roland Englisch

Nürnberger Nachrichten

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5.5.2020, 14:08 Uhr
Hier sind bald wieder die Tische voll - oder zumindest voller.

Hier sind bald wieder die Tische voll - oder zumindest voller. © Jens Kalaene, dpa

Auf einmal geht es sehr schnell. Bayern löst die Bremsen, die es mit dem Beginn der Corona-Pandemie angezogen hat. Manches von dem, was die Staatsregierung jetzt angekündigt hat, kommt mindestens zwei Wochen früher als geplant. Anderes ist komplett neu. Die Maßnahmen im Einzelnen:


Familien: Bisher galt eine Ausgangsbeschränkung, ab morgen, Mittwoch, ist sie nur noch eine Kontaktbeschränkung. Wer will, kann nach draußen gehen, es braucht dafür keinen zwingenden Grund mehr. Die Menschen dürfen draußen zwar weiter nur eine Person treffen, die außerhalb ihres Hausstands wohnt. Das gilt aber nicht mehr für direkte Verwandte. Enge Familienangehörige dürfen sich ab morgen nicht nur treffen, sondern sich auch gegenseitig besuchen. Das strikte Besuchsverbot in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen fällt ab dem Wochenende.


Kinder: Spielplätze sind ab morgen wieder geöffnet. Schwieriger wird es bei Kitas. Ministerpräsident Markus Söder macht klar, dass es hier keine generelle Linie gibt. Zu widersprüchlich sei bislang, was die Wissenschaftler und Mediziner derzeit raten. Aktuell laufen die Kitas im Notbetrieb, nur ein Zehntel der Kinder hat dort einen Platz. Der Rest muss zuhause betreut werden. Bis Pfingsten soll jedes zweite Kind wieder in Krippe, Hort oder Kindergarten gehen können.

Daneben lässt Bayern ab dem 11. Mai wieder die Tagespflege zu, für bis zu fünf fremde Kinder gleichzeitig. Ferner dürfen sich bis zu drei Familien zusammenschließen und die Kinder im Wechsel betreuen. Ab dem 25. Mai sollen die Waldkindergärten wieder öffnen und Vorschulkinder wieder in ihren Kindergarten dürfen.


Schulen: Das Kabinett hat einen Vier-Stufen-Plan genehmigt. Stufe eins läuft bereits; der Unterricht für die Abschlussklassen an den weiterführenden Schulen hat am 27. April begonnen. Die Erfahrungen seien gut, sagt Bildungsminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Am 11. Mai folgen deshalb, Stufe zwei, die Vorabschlussklassen (4. Klasse Grundschule, 8. Klasse Mittelschule, 9. Klasse Realschule, 11. Klasse Gymnasium), am 18. Mai die erste Hälfte der ersten Grundschulklassen sowie der fünften und sechsten Klassen der Realschulen und Gymnasien sowie die fünften Klassen der Mittelschulen, am 25. Mai dann die zweite Hälfte

Allerdings baut Bayern einen Schichtbetrieb auf: Die Schüler werden im Wechsel jeweils eine Woche in der Schule unterrichtet, die zweite dann digital zuhause. Nur so lasse sich garantieren, dass nicht mehr als 15 Schüler in einem Klassenzimmer sitzen, sagt Piazolo. Der Unterrichtsstoff wird angepasst, durchfallen muss niemand, jeder kann sich notfalls auf Probe versetzen lassen. Die Ferienzeiten bleiben.


Gastronomie und Hotellerie: Ursprünglich wollte Markus Söder zwei Wochen hinter dem Nachbarland Österreich bleiben. Jetzt zieht der Freistaat weitgehend gleich. Gasthäuser dürfen ab dem 18. Mai im Außenbereich den Betrieb wieder aufnehmen, wenn auch unter strengen Auflagen: Eigene Aus- und Eingänge, Hygienekonzepte bis hin zum Besteck, große Abstände zwischen den Gästen, strenge Reservierungsregeln. Um 20 Uhr müssen sie außerdem schließen. Sollte das funktionieren, sollen die Innenräume folgen, mit ähnlichen Auflagen und einer Sperrstunde ab 22 Uhr.

An einen Tisch dürfen voraussichtlich nur Familien, alle anderen müssen sich mit Einzeltischen begnügen. Ganz entschieden ist das noch nicht. Am Pfingstwochenende könnten die Hotels folgen inklusive Ferienwohnungen und Campingplätzen. Bedingung: Angebote wie Schwimmbäder, Wellnessoasen oder ähnliches bleiben geschlossen. Und die Hygienekonzepte entsprechen denen der Gastronomie.


Handel: Noch sind nicht alle Geschäfte geöffnet, müssen die, die schon Kundschaft empfangen, die Verkaufsflächen auf 800 Quadratmeter beschränken. Das ändert sich ab kommender Woche. Die Flächengrenze fällt, auch Einkaufszentren und Kaufhäuser können wieder hochfahren, natürlich unter Auflagen wie der Maskenpflicht und der Garantie, dass nicht mehr als ein Kunde pro zwanzig Quadratmeter Verkaufsfläche eingelassen wird.


Sport: Bayern gibt weitere, so genannte kontaktfreie Sportarten frei. So sollen ab dem 11. Mai zum Beispiel Tennis und Leichtathletik gestattet werden, Golf, Segeln (allein), Reiten, auch in der Halle und Flugsport. Für weitere Sportarten suchen die Verantwortlichen noch nach Konzepten.


Tierparks, Museen und ähnliches: Sie alle können mit entsprechenden Auflagen ab Montag wieder öffnen. Das gilt für Tierparks und botanische Gärten, Bibliotheken, Museen, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten.


Fahrschulen und Musikschulen: Auch sie können wieder starten, wenn auch zunächst noch begrenzt. Fahrschulen können den Theorieunterricht mit einem entsprechenden Abstand zwischen den Tischen anbieten; Bei der Praxis ist der Mundschutz zwingend. Musikschulen dürfen wieder Einzelunterricht anbieten, auch zuhause.


Schwimmbäder, Fitnessstudios und ähnliches: Für sie bietet Bayern noch keinen Zeitplan. Darüber, sagt Söder, werde das Kabinett später beraten, wohl erst in einigen Wochen. Im Moment zähle der aktuelle Zeitplan. Erst, wenn sich zeige, dass die Lockerungen akzeptiert werden und nicht zu einem Anstieg der Corona-Infektionen führen, könne es weitergehen.


Grenzen: Sie bleiben weiter geschlossen. Söder lobt das vorsichtige Vorgehen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Urlaub an Pfingsten, sagt er, lasse sich auch zuhause verbringen. Den Oberbayern legt er Ausflüge nach Franken nahe.


Warum jetzt alles schneller geht als angekündigt? Ministerpräsident Markus Söder verweist auf die Zahlen. Am Anfang der Corona-Pandemie habe das Wachstum der Neuinfektionen bei 30 Prozent gelegen, jetzt betrage es nur noch 0,4 Prozent. Die Reproduktionsrate habe am Anfang bei sechs gelegen, jetzt sei sie bei 0,7 angelangt. Die Zahl gibt wieder, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt. In Bayern sind laut Söder derzeit 6400 Infizierte gemeldet und damit nur noch halb so viele wie eine Woche zuvor. "Das entspricht 0,05 Prozent der Bevölkerung. Das lässt den Mut zu, vorsichtige Schritte zu gehen." Das Tempo aber bleibe langsam, Bayern bleibe vorsichtig. "Wir sind später dran als andere. Und das bleibt auch so."

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