Synagoge geplant

Erlangen: Fundraising für ein Gotteshaus

14.7.2021, 05:54 Uhr
Terry Swartzberg organisiert für die JKG Erlangen die Fundraising-Aktion für eine neue Synagoge. Hier plauscht er mit der JKG-Vorsitzenden Ester Limburg-Klaus (re.).

Terry Swartzberg organisiert für die JKG Erlangen die Fundraising-Aktion für eine neue Synagoge. Hier plauscht er mit der JKG-Vorsitzenden Ester Limburg-Klaus (re.). © Hans von Draminski

Terry Swartzberg wird in ein paar Tagen 68. Das sieht man dem ehemaligen Journalisten aber nicht an. Wenige Stunden vor der "Kick off"-Veranstaltung für das neue Erlanger "Haus des jüdischen Lebens" bewegt er sich wie ein Quirl durch den Garten der Jüdischen Kultusgemeinde, gibt Ratschläge, wo die Stehtische aufgestellt werden sollen, berät Julian Giebelen, Macher des Projektes "Faces for the Names" bei der Auswahl des Standortes für den Diaprojektor, plauscht mit der Kultusgemeinde-Vorsitzenden Ester Limburg-Klaus und mit Erlanger Unterstützern des Projekts und findet dazwischen noch Gelegenheit, den EN ein Interview zu geben.

In New York und Indien aufgewachsen

Geboren 1953 in Connecticut, wuchs er zunächst in New York auf, ehe er mit seinen Eltern nach Indien umzog. "Hindi spreche ich heute noch", erzählt er in fließendem, fast akzentfreiem Deutsch. Hebräisch habe er dagegen eher mühsam lernen müssen, weil er nicht in Israel lebte. Der studierte Stadtplaner wurde nach dem Bachelor-Abschluss Wirtschaftsjournalist und ging 1980 als Berichterstatter der "International Herald Tribune" nach Berlin. Fünf Jahre später zog Swartzberg nach München um, wo er seitdem lebt.

Synagogenbau und Stolpersteine

Ehrenamtlich engagierte der Inhaber einer Münchner Werbeagentur sich im Vorstand der Münchner Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Shalom und war dort für den geplanten Bau einer Synagoge nach Plänen von Daniel Libeskind verantwortlich. "Da arbeiten wir immer noch dran", erzählt er lächelnd. 2011 wurde er Vorsitzender der Münchner Initiative zur Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an die Opfer der Naziherrschaft. Bayerns Landeshauptstadt gehört zu den wenigen Kommunen in Deutschland, bei denen die Verlegung dieser Gedenksteine nicht erlaubt ist. "Auch da sind wir dran", meint Terry Swartzberg dazu.

JKG: 1997 wieder gegründet

Nach den Gräueln der Reichspogromnacht 1938 und Ermordung von Millionen jüdischer Menschen in den Konzentrationslagern des Hitler-Regimes dauerte es bis 1997. ehe sich in Erlangen wieder eine Jüdische Kultusgemeinde gründete. Die kam bislang in gemieteten Räumen unter, ihre Struktur folgt der Realität des Jahres 2021: Die Mehrheit der Mitglieder kommt nach Angaben der Kultusgemeinde aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Rund 20 Prozent sind deutschsprachige Juden und "Juden aus aller Welt, die der Beruf oder das Studium in den letzten Jahren nach Erlangen geführt hat", wie es auf der Homepage der JKG Erlangen heißt. Diese versteht sich als Einheitsgemeinde und zieht keine Trennstriche zwischen verschiedenen religiösen Strömungen: "Wir fühlen uns den jüdischen religiösen Gesetzen (Halacha) verpflichtet und bemühen uns nach besten Kräften, diese nach sogenannter orthodoxer Tradition zu befolgen", heißt es im Internetauftritt.

Erste eigene Synagoge

Nun will die JKG ein eigenes "Haus des jüdischen Lebens" aufbauen, dessen Kern die erste eigene Synagoge der "neuen" jüdischen Gemeinde in Erlangen sein soll. "Bitte helfen Sie uns, unser eigenes Zuhause zu finden!", heißt es in der Imagebroschüre des Projekts, die von Terry Swartzberg und seinem Team in Abstimmung mit der JKG verfasst wurde. Entstehen soll "ein Haus der Begegnung, des Lernens und Kennenlernens, der Kunst und Kultur", eben eine eigene Synagoge für die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen.

4,4 Millionen Euro Gesamtkosten

Wie jeder Neubau eines Gotteshauses ist auch diese Synagoge nicht zum Nulltarif zu haben. Terry Swartzberg nennt Zahlen: Insgesamt ist das Projekt mit rund 4,4 Millionen Euro veranschlagt, es soll ein bestehendes Gebäude für die Zwecke der JKG Erlangen umgebaut und umgestaltet werden, um die Vorgaben für Sicherheit und Barrierefreiheit zu erfüllen. Aus Mitteln der Öffentlichen Hand werden rund zwei Drittel der Summe gegenfinanziert, so dass immer noch gut 1,1 Millionen Euro für die JKG zu stemmen sind - Gelder, die über die von Terry Swartzberg koordinierte Fundraising-Kampagne fließen sollen.

"Engagiert bis zum Schluss"

"Die positiven Aspekte des jüdischen Lebens müssen stärker in die Öffentlichkeit getragen werden", sagt Terry Swartzberg. Und nennt als eines seiner Vorbilder die kürzlich verstorbene Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano: "Sie war engagiert bis zum Schluss. Und sie gab nie auf."

Spendenkonto für die erste eigene Synagoge der JKG Erlangen: Jüdische Kultusgemeinde Erlangen, IBAN DE31 7635 0000 0060 1209 13, BIC BYLADEM1ERH

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