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Gratis-ÖPNV in der Erlanger Innenstadt

Ab dem 1.Januar 2022 brauchen Bus-Benutzer im Erlanger Zentrum nichts mehr zu bezahlen - 19.04.2021 14:18 Uhr

Die Stadt Erlangen führt zum 1. Januar 2022 in der Innenstadt ein kostenloses ÖPNV-Angebot ein. Ab dann wird man auch gratis die Kliniklinie und den Nachfolger, die City-Linie, die ab 1. Januar 2023 an den Start gehen soll, benutzen können.

19.04.2021 © Klaus-Dieter Schreiter


Zugegeben, der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist nicht gerade sexy: Überfüllte Busse, unpünktliche Bahnen und gesalzene Fahrpreise machen es vielen schwer, vom eigenen Pkw auf den ÖPNV umzusteigen. Das will jetzt die Stadt Erlangen ändern. Ab dem nächsten Tarifwechsel zum 1. Januar 2022 wird es Öffentlichen Personennahverkehr für lau geben, sprich: wer ab diesem Zeitpunkt in der Innenstadt in einen Bus einsteigt, fährt innerhalb dieser "Innenstadtzone" kostenlos. "Wir machen damit ein sehr, sehr gutes Angebot", so Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik gestern in einer Videokonferenz. Damit gehört die Hugenottenstadt zu einer handvoll Kommunen in Deutschland, die ein solches Angebot feil bieten.

Gespräche mit dem VGN

Zwar muss der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) noch sein Plazet dazu geben. Die Stadtspitze, die bereits im Vorfeld intensive Gespräche mit dem VGN geführt hat, geht aber davon aus, dass es sich dabei nur noch um eine reine Formsache handelt. Die Kosten für das Angebot trägt dabei die Stadt Erlangen.

Mehr Klimaschutz

Zusammen mit der jetzt im Januar eingeführten Kliniklinie, die den Großplatz mit den Uni-Kliniken im Zehn-Minuten-Takt verbindet, hat für OB Janik das kostenlose ÖPNV-Angebot eine "deutliche Attraktivitätssteigerung" für die Innenstadt zur Folge. Das Argument, der Bus sei zu teuer, gelte damit nicht mehr, so das Stadtoberhaupt weiter. Das zweite Signal, dass von der Entscheidung ausgehe, so Janik weiter, "geht in Richtung Klimaschutz und vor allem Lebensqualität in der Innenstadt".

Die Kliniklinie 299 soll zum 1. Januar 2023 nicht nur zwischen Großparkplatz und den Uni-Kliniken verkehren, sondern als City-Linie in der gesamten Innenstadt von Erlangen unterwegs sein. Natürlich, so OB Janik, wird auch dieses Angebot kostenlos angeboten werden.

"Wir werden uns zukünftig umstellen müssen, was unser Mobiliätsverhalten angeht – insbesondere in den Städten", so das Stadtoberhaupt. "Mit dem kostenfreien Angebot schaffen wir die Voraussetzungen, dass man sich in der Stadt sehr komfortabel bewegen kann." Das kostenfreie Angebot soll darüber hinaus dazu beitragen, dass die Innenstadt weiterhin gut mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Auch für diejenigen, die von außerhalb kommen, um in der Stadt einzukaufen, so Janik.

50 Prozent Rabatt

Der OB kündigte ferner an, dass Besitzer eines ErlangenPass ab 1. Juli von einer weiteren Rabattierung für den ÖPNV in Höhe von 50 Prozent profitieren können. Derzeit nutzen rund 6000 bedürftige Erlangerinnen und Erlanger diesen Pass. Mit dem ErlangenPass können bekanntlich viele verschiedene Angebote zu einem ermäßigten Betrag oder kostenfrei genutzt werden, wie zum Beispiel Busfahrkarten, der Eintritt für das Schwimmbad sowie ermäßigte Mitgliedsbeiträge bei Vereinen.

Einzelfahrschein wird teurer

Für alle anderen Nutzer wird der Nahverkehr in Erlangen ab dem kommenden Jahr jedoch teurer. Der Einzelfahrschein, der im gesamten Stadtgebiet gilt, kostet dann künftig 2,50 Euro. Derzeit liegt der Preis für einen Einzelfahrschein bei 2,40 Euro. Diese Preiserhöhung entspricht dem Vorschlag des Verkehrsverbunds VGN. Dieser sieht vor, dass sich die Ticketpreise ab dem Januar 2022 im gesamten Großraum im Durchschnitt um 5,5 Prozent erhöhen werden.

Welche Kosten für den Gratis-ÖPNV auf die Stadt zukommt, konnte OB Florian Janik allerdings noch nicht sagen. "Das hängt natürlich ganz stark von der Nutzung ab", sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung. "Wir gleichen tatsächlich jeden Fahrschein aus. Es wird sozusagen einen innerstädtischen Kurzstreckentarif geben. Der hat intern kalkulierte Kosten und jedes mal wenn man fährt, wird das registriert und wir zahlen entsprechend."

Die Betriebskosten für die Kliniklinie, die rund eine halbe Million Euro pro Jahr betragen, werden von städtischen Haushalt getragen. Janik weiter: "Je erfolgreicher das Modell wird, um so mehr werden wir von Seiten der Stadt zahlen müssen, aber auch wollen. Der Erfolg ist aber ja genau das, was wir wollen."

Busse mit E-Antrieb

Zukünftig, also mit Einführung der City-Linie, werden anders als aktuell bei der Kliniklinie, wo derzeit dieselbetriebene Fahrzeuge zum Einsatz kommen, neue Busse, mit einem größeren Platzangebot und Elektroantrieb die Linie bedienen. Die Ausschreibung für diese vom Bund geförderten Fahrzeuge, laufe gerade, so Ralf Wurzschmitt Bereichsleiter Stadtverkehr bei den Stadtwerken.

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