Keine betriebsbedingten Kündigungen

Siemens Energy baut in Erlangen fast 600 Stellen ab

15.9.2021, 13:53 Uhr
Siemens Energy baut bis 2025 in Erlangen einige Stellen ab.

Siemens Energy baut bis 2025 in Erlangen einige Stellen ab. © imago images/Udo Gottschalk, NNZ

Nach langwierigen und intensiven Verhandlungen haben sich Betriebsrat und Unternehmungsführung auf den Abbau von 565 Stellen bis 2025 verständigt. Das hat der Betriebsrat unserem Medienhaus bestätigt.

Dabei kommt der Standort Erlangen mit seinen rund 6000 Beschäftigten vergleichsweise glimpflich davon. Zur Erinnerung: Angedacht war von der Unternehmensleitung ein Abbau von 679 Stellen angedacht. Zwischenzeitlich stieg diese Zahl sogar noch an. Bereits 2017 hatte das Unternehmen in Erlangen rund 500 Stellen abgebaut.

"Schwierige Gespräche" angekündigt

Dass deshalb mit der Unternehmensspitze "schwierige Gespräche" anstünden, darauf hatte Bäreis bereits in der Betriebsversammlung im Mai hingewiesen. Eine Einschätzung, die sich schnell bewahrheitete.

Manfred Bäreis, Betriebsratsvorsitzender von Siemens Energy am Standort Erlangen. 

Manfred Bäreis, Betriebsratsvorsitzender von Siemens Energy am Standort Erlangen.  © Harald Sippel

Dabei sahen damals die veröffentlichten Zahlen vergleichsweise gut aus: So verdiente das Unternehmen im letzten Quartal 2020 unter dem Strich 99 Millionen Euro und kehrte damit in die Gewinnzone zurück.

Im ersten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres, das insgesamt bis Ende September reicht, hatte Siemens Energy den Turnaround geschafft und seinen Umsatz um 2,6 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gesteigert.

Mit dem Abbau von Mitarbeitern sollte laut Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender von Siemens Energy, die Wettbewerbsfähigkeit der Siemens Ausgründung gesteigert werden. "Wir sind uns bewusst, dass unsere Pläne Teilen der Belegschaft viel abverlangen. Daher ist es unser Ziel, diese Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich durchzuführen."

Abbau erfolgt in vier Phasen

Am Dienstag dann die Einigung in München. Diese sieht vor, dass der Abbau in vier Phasen in den Geschäftsjahren 2022 bis 2025 erfolgt. "Das war nicht verhandelbar", sagt Bäreis, der auch dem Aufsichtsrat von Siemens Energy angehört. "Den Abbau in einer Phase durchzuführen, wäre mit uns nicht machbar gewesen."

Zum jetzt vereinbarten Stellenabbau zählen auch die bereits vereinbarten Abgänge bis 30.9.2020 sowie vom jüngsten Freiwilligenprogramm. "Somit wird’s in Summe nicht so schwierig", sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Zudem sind es nicht nur in Erlangen, sondern auch deutschlandweit weniger Stellen als zunächst angekündigt: Ursprünglich waren für den Jobabbau in Deutschland Zahlen zwischen 2900 und 3000 genannt worden, nun sollen es insgesamt weniger als 2600 Arbeitsplätze sein.

Jobs könnten darüber hinaus unter anderem in den florierenden Bereich Transmission, einer anderen Division von Energy, "die auf einem guten Weg ist", verschoben werden. Wichtig ist Bäreis zu betonen, dass der Abbau dabei auf freiwilliger Basis, im Rahmen zum Beispiel von Altersteilzeitregelungen oder Aufhebungsvertrag, erfolgt. Bezogen auf die Rahmenbedingungen sei die Lösung "tragfähig".

Investitionen am Standort Erlangen geplant

Am Standort Erlangen soll außerdem in neue Geschäftsfelder investiert werden. Das haben Unternehmensleitung und Betriebsrat in einer Präambel festgelegt.

Stichwort: Dekarbonisierung. "Die Lösungen", sagt Bäreis, "wollen wir hier entwickeln, zum Beispiel im Engineering. Oder im Bereich Wasserstoff, der ebenfalls hier angesiedelt ist". Insofern sei man guter Dinge. Bäreis: "Das Herz von Siemens Energy schlägt immer noch in Erlangen."

Aktualisierung des Textes um 13.53 Uhr.

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