Montag, 18.01.2021

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Foodtrucks in der Corona-Krise: Kampf gegen den Umsatzverlust

Fränkische Streetfood-Anbieter suchen nach guten Standorten - 14.01.2021 05:31 Uhr

Annette Staigiller fährt mit ihrem Foodtruck "Kochstolz" auch das "Auf AEG"-Gelände an.

10.01.2021 © Maria Inoue-Krätzler, NN


Die Restaurants sind geschlossen. Foodtrucks könnten da eine Alternative sein, für diejenigen, die interessantes Essen erleben möchten. Selbst der Koch des Jahres 2020, Tohru Nakamura betreibt derzeit einen Streetfood-Stand in München. Bei ihm gehen derzeit jede Menge Burger und anderes Essen in hoher Qualität über den Tresen. Man könnte vermuten, dass es der Streetfood-Szene derzeit gut geht. Wir haben uns bei Foodtruck-Betreibern in Nürnberg umgehört. Anette Staigmiller steht gerade mit ihrem Foodtruck auf dem Gelände "Auf AEG" vor der Rösterei Rösttrommel. Leute, die in der Nähe arbeiten, stehen an, um bei "Kochstolz" das israelische Nationalgericht "Shakshuka" zu bekommen. Man kann es mit Sucuk-Wurst, mit Spiegelei, als vegetarische oder vegane Variante haben.

Viele Stammkunden im Home Office

Seit Januar betreibt die ehemalige Immobilienmaklerin ihren Foodtruck. "Im Januar lief alles sehr gut. Doch mit dem Lockdown haben wir ein Drittel Umgangseinbußen hinnehmen müssen. Wir stehen im Gewerbegebiet, und da zwei Drittel der Leute von zuhause aus arbeiten, fehlt uns Publikum. Da das Wohngebiet nicht so weit entfernt ist, kommen immerhin einige aus dem Home-Office zu uns". So wie Marcus: "Für mich ist der Gang hier raus aus dem Office, so etwas wie ein täglicher kleiner Miniurlaub. Hinaus ins Licht und unter Leute!" Auch eine Joggerin holt sich hier ihr Essen, andere Kunden arbeiten in der Nähe und schätzen das etwas andere Angebot von "Kochstolz".

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"Dadurch, dass alle Festivals wegfallen und wir auch kein Catering durchführen dürfen, ist es schon ganz schön schwierig für uns. Ich wurde schon für Rock im Park oder verschiedene Messen gebucht. Das fiel alles aus", so die Foodtruck-Betreiberin.

Friedrich Eckert verkauft in seinem Truck "Coffee-eMotions", Kaffespezialitäten, dazu Gebäck aus eigener Herstellung, wie "Oma Koung", Waffeln oder Feuerspotzn. Am Markt am Kopernikusplatz hat er viele Kunden. Leute, die an anderen Ständen einkaufen, legen gerne eine Kaffeepause bei ihm ein. "Aber die Festivals fehlen", sagt er. Sonst sind er und seine Frau mit dem Truck jedes Wochenende in ganz Süddeutschland unterwegs. "Dieses Jahr fehlen mir 40.000 Euro durch die Corona-Krise Gott sei Dank habe ich meinen Wagen bereits abbezahlt". Denn mit diesem ist Friedrich Eckert seit dreieinhalb Jahren unterwegs.


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"Es ist eigentlich kein schlechtes Jahr", sagt Sebastian Vasen. Er sieht das Positive an der Situation. "Foodtruck-Festivals fehlen zwar. Aber sie machen auch jede Menge Arbeit!". Er steht mit seinem Foodtruck KoBo (Korean Bowls) gerade am ehemaligen Milchhofareal und hat guten Zulauf. Hier bekommt man koreanisch mariniertes Rindfleisch auf Reis, oder vegetarische Reisschalen mit Kimchi.

Alexandra und Katharina arbeiten in der Nähe und möchten hier etwas Besonderes ausprobieren. "Wenn man berufstätig ist, ist es nicht so einfach, zu einem warmen Essen zu kommen", meint Katarina. Daniel und Joe arbeiten im Home-Office und nutzen die Möglichkeit, sich hier "einigermaßen sicher vor Corona im Freien zu treffen", wie Daniel sagt.

Normalerweise ist Friedrich Eckert in seinem Truck "Coffee-eMotions" in ganz Süddeutschland unterwegs.

10.01.2021 © Maria Inoue-Krätzler, NN


Jetzt hat Sebastian Vasen zusätzlich einen Foodtruck an der Bucherstraße 108 an der Esso-Tankstelle stehen, der montags bis freitags von 17 bis 20 Uhr geöffnet ist. "Hier holen sich Leute oft vier oder fünf Essen ab", sagt er. "Das sind Leute, die womöglich, das Essengehen im Restaurant vermissen und dies mit unserem Angebot ausgleichen", überlegt er.

30 Prozent Umsatzverlust

"Um die 30 Prozent Umsatzverlust haben wir zu verzeichnen", sagt Suppdiwupp-Chef Ferdinand Pillenstein. "Da unser Unternehmen auf mehreren Füßen steht, können wir die Krise schon bewältigen", sagt er. Die verschiedenen Suppen, wie Fränkische Kartoffelsuppe, Szegediner Gulasch, Ägyptische Rindfleischsuppe, oder Schwarzwurzelsuppe, werden aus regionalen Zutaten hergestellt. Sie gibt es nicht nur an Foodtruck Spots, sondern auch im Restaurant in der Lorenzer Straße, momentan allerdings auch nur im "take-away" - Modus.

"Unser Catering-Geschäft ist leider komplett weg gebrochen" sagt Ferdinand Pillenstein. Das tägliche Geschäft an den Foodtruck-Standorten laufe dank treuer Stammkunden jedoch weiterhin gut.


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Ein Vorteil für den Unternehmer: "Wenigstens haben wir staatliche Unterstützung für die Verluste im Restaurant erhalten. Andere Foodtrucker haben nur dieses eine Standbein und konnten folglich diese Unterstützung nicht erhalten, obwohl es auch bei den Foodtrucks starke Einbußen gibt; es ist ja auch kein Catering erlaubt und die Events fallen weg, auf denen die Foodtrucks stehen."

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"Zu uns kommen immer noch Stammkunden, für die es ein Ritual ist, immer an einem bestimmten Tag eine Currywurst zu essen", sagt Barkant, der gemeinsam mit Thomas im Foodtruck "Tom & Berry" steht, der vorher unter dem Namen "Wurstdurst" bekannt war. Außer dem Namen hat sich nicht viel geändert, höchstens kleine Änderungen am Rezept für die Currywurstsoßen. "Wir haben um die 30 bis 40 Prozent Umsatzrückgang" sagt Barkant. "Wir mussten leider unsere Aushilfen entlassen. Und zwei Mitarbeiter arbeiten in Kurzarbeit. So kann unser Geschäft weiter bestehen.

Anklang findet ihr Angebot auf alle Fälle. Leute, die gegenüber an der Baustelle arbeiten, freuen sich auf ein warmes, deftiges Essen. Und ein treuer Stammkunde kommt sogar extra aus Erlangen angereist.

Daniel Bendl betreibt die Internet-Plattform "craftplaces", in der sich mehr als 40 Foodtruck-Anbieter mit ihrem speziellen Profil präsentieren. Einige sind schon mehrere Jahre dabei wie Ribwich (Smoked Pork Sandwiches), oder Guerilla Gröstel (Burger), andere sind erst neu dazugekommen wie ratz & rübe (Kartoffel-/Süßkartoffelspaghettis mit hausgemachten Toppings).

Sebastian Vasen bietet an mehreren Standorten in Nürnberg koreanisches Essen im "KoBo" an.

10.01.2021 © Maria Inoue-Krätzler, NN


Die umgebauten Laster steuern mit ihrem jeweiligen Angebot verschiedene Standorte in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach an. Alle Vierzehn Tage sind sie dann an den jeweiligen Punkten anzutreffen.

Auf der Suche nach Standorten

Auf der Seite von "craftplaces" kann man auch sehen, wo die Foodtrucks gerade stehen. Man kann die "Map" herunterladen, auf der die aktuellen Standorte der Foodtrucks mit den Öffnungszeiten markiert sind. Zudem berät Daniel Bendl Foodtruck-Neulinge bei der Gründung ihres Unternehmens oder gibt Tipps und Ratschläge. Derzeit gehen zahlreiche Anrufe von Foodtruck-Unternehmen bei ihm ein. Bereits nach dem ersten Lockdown waren Foodtrucker mit einem Minus von 15 bis zu 80 Prozent belastet, so Bendl.

Jetzt sind viele Foodtrucker auf der Suche nach neuen Standorten, auf die sie ihren Wagen stellen können. Auf öffentlichen Grund dürfen sie nicht stehen und so suchen sie händeringend nach Privatgrund, der zu einem Foodtruck Spot werden könnte.

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Unternehmen, die einen Platz bieten können, werden also dringend gesucht. Vielleicht ergibt sich dabei ja sogar eine Win-Win-Situation, weil Unternehmen ihre Kantine geschlossen haben, aber ihren Mitarbeitern ein gutes, warmes Mittagessen bieten möchten, so dass mit einem Foodtruck-Standort beiden Seiten geholfen wäre.

Übrigens kann man sich auch jetzt während des harten Lockdowns weiterhin abwechslungsreiches Essen bei Foodtrucks holen. Nur darf man es nicht direkt am Wagen verzehren, sondern muss sich einen Platz in mindestens 50 Meter Abstand zum Truck suchen. Oder das Essen eben mit nachhause mitnehmen. Angebote gibt es jedenfalls reichlich. Schließlich gilt Nürnberg ja als Foodtruck-Hauptstadt von Deutschland.

Mehr Informationen in unserem Foodtruck-Guide!


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Maria Inoue-Krätzler

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