Das sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf hiesige Unternehmen

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Anne Kleinmann

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18.11.2020, 05:37 Uhr
Leere Tische stehen vor einer geschlossenen Bar. (Symbolbild)

Leere Tische stehen vor einer geschlossenen Bar. (Symbolbild) © Christian Charisius, NN

Zwei von fünf Unternehmen in der Metropolregion sind von der Corona-Krise stark getroffen worden, mehr als die Hälfte von ihnen sieht sich sogar in der Existenz bedroht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftragt der Commerzbank durchgeführt wurde. Unter den 3500 Befragten Unternehmen waren auch 100 Betriebe im hiesigen Raum.


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So schlecht die Nachricht auch klingt, muss man hier differenzieren, betont Peter Dreyer, Leiter Unternehmerkunden der Commerzbank am Standort Nürnberg. Denn betrachtet man die äquivalenten Zahlen, gaben von den hiesigen Unternehmen auch 56 Prozent an, "gar nicht" oder "wenig stark" von der Krise getroffen worden zu sein. Auf die Branchen heruntergebrochen, so Dreyer, zeige sich, dass Gastronomie, Hotellerie, Barbetreiber und auch Messebauer starke Probleme haben, während viele handwerklichen Betriebe nur wenig oder gar keine Einbußen hatten.

Um über die Krise hinweg zu kommen, haben in der Metropolregion 33 Prozent der Unternehmen auf das Kurzarbeitergeld zurückgegriffen. Bundesweit lag der Schnitt laut der Studienergebnisse niedriger bei rund 23 Prozent. Jedes fünfte Unternehmen in der Region beantragte zudem Zuschüsse einer Landesförderbank. Ein Drittel erhielt eine staatliche Unterstützung von weniger als 10.000 Euro; nur jeder achte bekam mehr als 100.000 Euro. "Das spiegelt wieder, dass die Soloselbstständigen und die Kleinunternehmer die größten Leidtragenden der Coronakrise waren", fasste Dreyer zusammen. Allein die Commerzbank habe zudem 110 Millionen Euro für seine Kunden in der Niederlassung Nürnberg bereitgestellt, bundesweit seien es über 10 Milliarden gewesen.

Diese finanziellen Hilfen haben sich offenbar positiv auf die Arbeitsplätze ausgewirkt: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in der Region kam (bislang) ohne Personalmaßnahmen durch die Krise. Allerdings wurde die Studie bereits zwischen Juni und August gemacht, also noch vor dem aktuellen Lockdown Light. Von den übrigen Unternehmen griffen einige, 36 Prozent, auf die genannte Kurzarbeit zurück und/oder hatten einen Einstellungsstopp (13 Prozent). Lediglich acht beziehungsweise fünf Prozent der Unternehmen führte betriebliche Kündigungen durch oder konnte befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Die Unternehmen konnten hier mehrere Sachen nennen.

Um besser durch die Krise zu kommen, passte ein Viertel der Nürnberger Unternehmen ihr Geschäftsmodell vielmehr an die Gegebenheiten an, in dem sie zum Beispiel verstärkt digitale Betriebswege nutzten und auf die sozialen Medien als Marketingkanäle zurückgriffen. Tatsächlich erweiterte sogar jeder sechste Betrieb sein Produktangebot, nur jeder achte reduzierte es. Corona wirkte bundesweit wie hier zudem als echter Digitalisierungsmotor: Demnach nutzen ein Drittel der Unternehmen die Krise, um die Digitalisierung im Betrieb voranzutreiben. 64 Prozent, und damit mehr als im bundesweiten Vergleich, konzentrieren sich dabei auf die genannten Bereiche Marketing und Kundenkommunikation.


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Trotz vieler Herausforderungen bringt die Krise im privat-sozialen Bereich auch einiges Positives mit sich: Demnach gaben 38 Prozent der Befragten an, mehr Zeit für sich und die Familie zu haben. Rund jedes dritte Unternehmen in Nürnberg stellt eine höhere Solidarität und Stärkung des Teamgeiste fest sowie eine Entschleunigung.

Michael Krauß, Niederlassungsleiter Privat- und Unternehmerkunden Nürnberg, zieht auf Basis der Ergebnisse ein gemischtes Fazit: "Es gibt in der Region einige Branchen, die von der Krise massiv betroffen sind, gerade Gastronomie, die Hotelbranche sowie Messebauer. Andere, gerade Handwerksbetriebe, hatte dagegen einen Umsatzaufschwung." Durch die finanziellen Hilfen müsse nun man nun die auffangen, die es bräuchten. "Und wenn wir Corona dann eingefangen haben, denke ich, können wir trotzdem wieder positiv in die Zukunft schauen."