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Gratis: So erhalten Schüler Nachhilfe im Lockdown

Mit einem Facebook-Post hat Manuel Göller auch andere inspiriert - 06.02.2021 13:55 Uhr

Original: Lernen im Lockdown kann gut funktionieren. Viele Kinder aber tun sich am Bildschirm noch schwerer als im Klassenzimmer, dem Unterricht zu folgen.

05.02.2021 © Hans-Joachim Winckler


So hat sich neulich Manuel Göller (29) in einer Veitsbronner Facebook-Gruppe bereit erklärt, Schüler unentgeltlich in Mathematik, Physik und Chemie zu unterstützen – wegen Corona digital, per Mail, am Telefon. Sein Vorstoß erhielt spontan viel Lob, und nicht nur das. Ruckzuck verkündeten Studentin Selina Kundinger (Lehramt Gymnasium in Geschichte, Deutsch, Sozialkunde) und Gymnasiallehrerin Gudrun Pfeiffer (Englisch, Geschichte) mitzuziehen.


"Mebis nicht zerreden": Lehrkräfte verteidigen Lernplattform


Interessenten haben inzwischen bei allen dreien angefragt, Kontaktdaten wurden ausgetauscht. Und: Gudrun Pfeiffer betreut jetzt Realschüler Yannick. Die 50-Jährige war zuletzt meist am Sigmund-Schuckert-Gymnasium in Eibach im Einsatz, auch mal am Fürther "Schliemann" und an der Realschule Langenzenn.

Training für den Speaking Test

Der 15-Jährige steht kurz vor der Mittleren Reife. Damit er sich beim Speaking Test in Englisch behaupten kann, trainiert Pfeiffer mit ihm nun im Videochat. Das Besondere: Ihr Schüler sitzt hier am Rechner, sie in Hollis, New Hampshire, USA.

Ihr Mann hat für den Leistungselektronikhersteller Semikron oft in Amerika zu tun. Die Familie lebt mal einige Jahre in Veitsbronn, dann wieder einige im Nordosten der USA. Ihren Unterricht an der Highschool erlebt die Tochter der Pfeiffers gerade corona-bedingt von ihrem Zuhause in Hollis aus.

Manche Mitschüler der 16-Jährigen, so die Mutter, säßen im Klassenzimmer, andere schalteten sich eben per Zoom-Konferenz zu. So handhaben das auch die Lehrkräfte und erklären ihr Fach schon mal "vom Küchentisch aus". Pro Vierteljahr entscheide man sich für die Variante Digital oder Präsenz.


Blöder Corona-Kackmist: Was macht der Lockdown mit Kindern?


Gudrun Pfeiffer hat in der Pandemie mehr Zeit als sonst. Ein bisschen ehrenamtliche Nachhilfe "remote" über den großen Teich empfindet sie als so was wie "Nachbarschaftshilfe", und es macht ihr "wirklich Freude".

„Ich hab’ echt das Gefühl, das bringt was“: Yannick (15), hier im Screenshot mit seiner neuen ehrenamtlichen Nachhilfelehrerin Gudrun Pfeiffer.

05.02.2021 © Screenshot: privat


Auch Yannick ist begeistert. "Genial", urteilt er über die Chance, die ihm da in den Schoß gefallen ist. "Ich hab’ echt das Gefühl, das bringt was." Seine Mutter ist auch heilfroh. Elke Klaußner-Ulrich war die, die auf den Facebook-Post reagiert hat. Gudrun Pfeiffers Angebot nennt die alleinerziehende zweifache Mutter "einen Wink des Schicksals".

Viele Familien stoßen nach einem Jahr Corona-Pandemie im Lockdown derzeit an ihre Belastungsgrenzen. Eltern sorgen sich nicht selten um ihren Job und ihre finanzielle Zukunft, sind aber wegen geschlossener Schulen daheim auch mehr denn je als Nachhilfelehrkräfte gefragt und fühlen sich im Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling schlicht überfordert.

Kostenlose Entlastung für Familien

Familien in dieser aufreibenden Situation zu entlasten, das war daher auch für Manuel Göller die Triebfeder. Er habe erst gezögert, sagt der 29-Jährige.

Immerhin gebe es Leute, die mit Nachhilfe Geld verdienen. Ihnen will er nicht den Job wegnehmen. Doch sei die Pandemie ein Sonderfall. Und er helfe ja auch den Kindern einer Freundin, wenn sie in Mathe nicht weiter wissen.

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Göller hat nach dem Quali den Maurerberuf gelernt, sich dann für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, als Fallschirmsprungausbilder Lehrgänge in Methodik und Didaktik absolviert und 2020 im Rahmen des Berufsförderungsdienstes die Mittlere Reife nachgeholt.

Weil er Ingenieurwissenschaften studieren will, macht er nun das Fachabitur Technik. Im Fernunterricht am Ball zu bleiben, gesteht er, sei selbst für ihn als Einserschüler nicht immer leicht. Ein strukturierter Tagesablauf, den er früh mit einer Joggingrunde beginnt, hilft ihm dabei.

Studentin Selina Kundinger aus Tuchenbach hat vor Corona bezahlte Nachhilfestunden gegeben. Jetzt aber, in der Krise, möchte die 20-Jährige "nicht profitieren", wenn sie Kindern beim Aufsatz, Referat oder bei Pronomen unter die Arme greift. Wenn jemand Bedarf hat, sagt sie, "bin ich dabei".


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Gudrun Pfeiffer findet übrigens faszinierend, dass man heutzutage virtuell "so ganz beiläufig beieinander" sein kann, dass es keine Rolle spielt, ob die Online-Nachhilfe aus demselben Ort oder einer anderen Zeitzone kommt.

Übersee-Kontakte früher und heute

Und sie erinnert daran, wie kompliziert Übersee-Kontakte in den 80ern waren: Nach dem Schüleraustausch habe man sich da noch per Brief oder Postkarte zum Telefonieren verabredet. Weil Ferngespräche teuer waren, legte man sich zurecht, was man sagen wollte, und hatte nur wenige Minuten Zeit.

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