Pflege: Lauter Ruf nach mehr Anerkennung für die "Helden"

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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15.5.2020, 21:00 Uhr
Sie leisten in der Corona-Krise eine Arbeit, die wichtiger nicht sein könnte: Pflegekräfte in Krankenhäusern, Rettungsdiensten, in Senioren- und Behindertenpflegestationen und anderen Einrichtungen, in denen Menschen geholfen wird.

Sie leisten in der Corona-Krise eine Arbeit, die wichtiger nicht sein könnte: Pflegekräfte in Krankenhäusern, Rettungsdiensten, in Senioren- und Behindertenpflegestationen und anderen Einrichtungen, in denen Menschen geholfen wird. © Patrick Seeger/dpa

Ob in Krankenhäusern, Seniorenheimen, ambulanten Diensten, in der Behindertenhilfe, im Krankentransport oder Rettungsdienst: Wer sich in der Corona-Krise aufopferungsvoll um kranke, alte und schwache Menschen kümmert, wird gerade als "Held" beklatscht. Arbeitnehmervertreter finden das erfreulich, aber bei Weitem nicht ausreichend.


Zu niedrige Vergütungen: Klinik-Ärger in Corona-Zeiten


Sie pochen – auch in Fürth – auf nachhaltige Anerkennung, eine bessere Bezahlung und strukturelle Veränderungen. Ihre Forderungen haben sie in offenen Briefen an die Staatsregierung, die Stadt und das Fürther Klinikum kundgetan sowie jetzt bei einer Aktion zum Internationalen Tag der Pflege.

"Wir sind systemrelevant": Verdi-Vertreter machen am Internationalen Tag der Pflege aufmerksam auf die Bedeutung dieser Berufsgruppe. © FN

Am Garagengebäude des Klinikums brachten Vertreter der Gewerkschaft ver.di ein großes Transparent an. Mit dem Slogan "Wir sind systemrelevant" weist es nun auf die fundamentale Bedeutung der Gesundheits- und Sozialberufe hin. Die Beschäftigten "meistern eine noch nie dagewesene Krise", sagt Kamran Salimi, stellvertretender Personalratsvorsitzender am Klinikum und Sprecher der Landesfachkommission Krankenhäuser von ver.di in Bayern. Angesichts ihrer Leistung und der Risiken, denen sie ausgesetzt sind, sei die Forderung nach einer Aufwertung der Berufe "mehr als gerechtfertigt".

In einem offenen Brief, dem sich rund 200 Interessenvertretungen angeschlossen haben, wandten sich bereits Mitte April Betriebsräte, Personalräte und Mitarbeitervertretungen auch hiesiger Institutionen wie Awo oder BRK an die Staatsregierung.

Im Namen mehrerer zehntausend Beschäftigter verlangen sie Ausrüstung zum Schutz vor Corona, die vielerorts noch immer fehlte, aber auch Ruhezeiten. "Wer eine Acht-Stunden-Schicht in Schutzkleidung hinter sich hat, ist fertig und bräuchte eigentlich eine Freischicht, um die enorme Belastung wegzustecken", sagt Bernhard Bytom, Gewerkschaftssekretär im ver.di-Bezirk Mittelfranken.

Die Akteure klagen, dass Krankenhäuser effizient wie Fabriken wirtschaften sollen. Sie machen sich stark für eine Reform, die statt auf Fallpauschalen auf Budgetfinanzierung setzt, und für die Neukonzeption der Pflegeversicherung als Voll- statt als Teilversicherung. Für die Beschäftigten verlangen sie auch eine materielle Anerkennung.

Ruf nach drei Prämien

Gemeint sind damit zum einen bessere Tariflöhne. Laut Bytom bewegt sich das "bescheidene" Monatsgehalt einer Pflegekraft zwischen rund 2500 (Berufseinstieg) und 3500 Euro brutto. Zum anderen greife die vom Freistaat angekündigte Einmalprämie von 500 Euro, die Pflegekräfte zurzeit beantragen können, schon deshalb zu kurz, weil alle Beteiligten "täglich an der Front" stünden: auch Reinigungs- und Laborkräfte, Physiotherapeuten und Heilerziehungspfleger, Ärzte und Krankenpflegeschüler . . .

Eine Forderung lautet: drei Bonuszahlungen von je 500 Euro für alle Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen und anderen versorgungsrelevanten Bereichen wie dem Einzelhandel. Die Bundesregierung unterstütze dies dadurch, dass entsprechende Zahlungen bis 1500 Euro steuerfrei bleiben.

"Die Stadtspitze spielt auf Zeit"

Aus einem zweiten offenen Brief an Fürths OB Thomas Jung und Klinikvorstand Peter Krappmann geht hervor, dass die Arbeitnehmervertreter beim städtischen Klinikum auch die Arbeitgeberseite in der Pflicht sehen. Die Antwort aus dem Rathaus, der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) müsse darüber im Juli entscheiden, stößt bei den Gewerkschaftern auf "völliges Unverständnis".

Sie glauben, die Stadtspitze spiele "auf Zeit", um die Zahlung "im Schutz der Herde" abzulehnen, statt jetzt ein Signal des Dankes zu setzen. "Das wäre eine freiwillige, übertarifliche Leistung, dazu braucht man keinen KAV", argumentiert Bytom und stellt klar: "Wir werden nicht lockerlassen." Denn auch wenn die Corona-Krise den Kommunen finanziell zusetzt, gebe es doch die Aussicht auf einen staatlichen Schutzschirm. Und ein Teil dieses Geldes gebühre den sogenannten Helden des Alltags.

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