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Jetzt werden Saisonkräfte mit dem Flugzeug geholt

Die Spargelbauern der Region machen sich Sorgen - 18.03.2020 17:04 Uhr

Spargelbauer Konrad Kreß bei der Ernte 2019, im Hintergrund Saisonarbeitskräfte: Vor einem Jahr war die Corona-Krise noch weit weg. © Matthias Kronau


Auf dem Hof von Konrad Kreß (Münchauracher Morgentau) sind bereits fünf Saisonkräfte aus Rumänien bei der Arbeit. Die Ernte muss vorbereitet werden, damit dann alles wie am Schnürchen klappt. „Vielleicht in neun bis zehn Tagen stechen wir den ersten Spargel.“ Ein bisschen kommt das noch darauf an, wie intensiv die Sonne scheint.  Wichtiger als der Sonnenstand ist Kreß derzeit aber die Lage an der Corona-Front. Rund 20 Saisonkräfte braucht er jede Saison, um seine Felder abzuernten. „Momentan besteht noch kein Einreiseverbot“, sagt Kreß, „aber das kann sich ja täglich ändern“.

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Seine Mitarbeiter aus Rumänien kennt Kreß teils schon seit Jahren, und er weiß, dass einige sich nun sorgen, ob sie überhaupt nach Deutschland kommen sollen – selbst wenn es möglich wäre. So werde eine Rumänin in dieser Situation nicht kommen, weil sie ihre Kinder nicht alleine lassen wolle. In normalen Zeiten sei das für die Frau gut organisierbar gewesen, aber nun schwinge die Angst mit. „Und ich kann das sehr gut verstehen“, so Kreß.

Der Münchauracher hofft, dass sich aber doch noch genug Saisonkräfte aufmachen werden und können. Wenn nicht, dann müsse eine andere Lösung gefunden werden. Und das heißt, deutsche Arbeitskräfte müssten ran, wenn nicht Teile der Ernte verloren gehen sollen. Das allerdings sei rechtlich nicht so einfach, weiß Kreß. Kurzarbeiter beispielsweise dürften keinen Cent dazu verdienen, sie fallen also als Alternative aus. Derzeit jedenfalls, aber die Krise macht derzeit so manche schnelle Ausnahmeregelung möglich.

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Ähnliche Sorgen hat auch Spargelbauer Gerhard Wölfel aus Eckental. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“, betont er, und er ist noch optimistisch, dass seine Saisonarbeitskräfte aus Rumänien anreisen werden, um die rund sieben Hektar Spargelfläche abzuernten. Ein Mitarbeiter ist schon da,  maximal sollen es auch heuer wieder um die zwölf werden.  „Wir dürfen jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagt Wölfel. „Es ist unser Auftrag, die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen.“ Gleichzeitig hofft er, dass diese Corona-Krise zu einem Umdenken führt. „Unsere heimische Produktion ist das wichtigste.“ Leider wüssten viele Menschen nicht mehr, woher die Lebensmittel kommen.  

Eine Meldung kann den Landwirten Hoffnung geben: Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) bekräftigte am Mittwoch in Eitting bei München, dass Erntehelfer trotz der aktuellen Einreisebeschränkungen weiter problemlos nach Deutschland kommen dürfen. „Es gibt hier spezielle Formulare, die die Betriebe den Helfern aushändigen können, damit diese problemlos einreisen können.“ Bis zur nächsten Änderung der Lage darf man darauf vertrauen.

AKTUALISIERUNG: 

Am Donnerstag allerdings zeigte sich, dass die Lage doch komplizierter zu sein scheint. „Meine Arbeiter stehen an der Ungarischen Grenze und werden abgewiesen trotz Formular“, informierte Gerhard Wölfel per Mail. „Ich war heute Morgen am Flughafen und habe Tickets gekauft, um die Leute einfliegen zu lassen.“

Zudem planen die Landwirte aus dem Knoblauchsland offenbar, ein Flugzeug zu chartern, um die Saisonkräfte nach Franken zu holen.

 

Hintergründe zu den vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Zahlen aus unseren Grafiken finden Sie hier. 

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