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Corona: Nürnbergs Bars und Clubs kämpfen ums Überleben

Crowdfunding-Kampagnen werben mit kreativen Gegenleistungen - 27.03.2020 20:50 Uhr

Normalerweise würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wanderer bald die Tische und Stühle aus dem Lager holen. Doch erstmal steht alles still am Tiergärtnertor. © Stefan Hippel


Der Frühling kommt so langsam in Franken an. Beim Café Bar Wanderer mit dem angeschlossenen Bieramt sind die Türen aufgrund des Coronavirus allerdings erstmal wieder verschlossen. Wie viele Restaurants, Bars und Cafés steht auch das Wanderer vor ungewissen Zeiten. Die 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter starteten als Selbsthilfe eine Crowdfunding-Kampagne. Bleibt das Wanderer länger geschlossen, sind 6000 Euro nötig, um den Beschäftigten im ersten Monat unter die Arme zu greifen und ihnen Liquidität ermöglichen zu können.


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"Nach drei Tagen Schockstarre mussten wir einfach etwas machen", sagt Boris Braun, Biereinkäufer des Bieramts. "Viele unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind Minijobber, die gerade leider alle durch das Raster der staatlichen Hilfen fallen", sagt er. Auch die Voll- und Teilzeitbeschäftigten werden demnächst Kurzarbeitergeld bekommen, was den meisten nicht zum Leben reichen wird. Da Braun, nebenbei Herausgeber des Brauereiatlas, bereits gute Erfahrungen mit Crowdfunding-Kampagnen machen konnte, wurde die Aktion mit dem Titel "Café Bar Wanderer & Bieramt vs. Corona" ins Leben gerufen. "Wir alle möchten, dass unser Team nach Corona das gleiche ist wie davor", sagt Braun und betont den Zusammenhalt der Gruppe.

Kreativität als Dankeschön

Als Dankeschön für die Unterstützung hat sich das Wanderer kreative Aktionen einfallen lassen. Für einen Betrag von 18 Euro wird man beispielsweise Pate für zwei Bierkrüge. Nach Wiedereröffnung werden alle Namen der Unterstützerinnen und Unterstützer auf den Boden der Krüge handschriftlich eingraviert. Sollte man das Glück haben und einen Krug mit seinen Namen beim nächsten Besuch erwischen, gibt es ein Bier umsonst. Fünf Spanisch Einzelstunden in gemütlicher Café-Atmosphäre mit Mitarbeiterin Mia, vier Intensivstunden an der Gitarre mit ihrem Kollegen Yevgenij oder ein paar Bier mit Bieramt-Mitarbeiter und Hallensprecher der Nürnberger Falcons, Dominik - das Team möchte, sobald der Betrieb wieder losgeht, etwas zurückgeben.


Wertschätzung in der Corona-Krise auch für kleine Betriebe


Über 200 Personen wurden in den letzten Tagen schon Wanderer-Paten und Patinnen, "darüber sind wir wirklich sehr glücklich", sagt Braun. Er versichert, dass das gesammelte Geld ausschließlich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu Gute kommt. Sollte mehr Geld gesammelt werden, will das Team anderen Betrieben helfen, die wirtschaftlichen Schäden der Corona-Krise zu mindern.

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Im Video der Crowdfunding-Kampagne appelliert das Team mit einem Augenzwinkern an die Solidarität mit kleinen Betrieben:

"Lasst uns zusammen was verändern,

nimm meine Hand aber wasch deine danach,

in diesen Zeiten irgendwas verändern,

ist einfacher zusammen,

denn alleine sind wir schwach"

15 Jahre Club Stereo

Das Jubiläum steht schon dick und fett im Kalender - im September wollen die Betreiber des Club Stereo 15-jähriges Jubiläum feiern. Die Chartstürmer von Annenmaykantereit oder die Deutschrapper Chefket und Maeckes, in der Vergangenheit gaben sich schon viele namhafte Musiker im Musikclub in der Klaragasse das Mikrofon in die Hand. Auch das Programm für 2020 war gut gefüllt - bis Corona kam. Ob sie im Herbst überhaupt Jubiläum feiern, das können die Betreiber David Lodhi und Martin Kaiser natürlich noch nicht sagen. Auch sie wollen mit einer Crowdfunding-Kampagne ihr Überleben sichern.


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Das Ziel von 10.000 Euro wollen sie erreichen, um die Pacht und Nebenkosten für die Club- und Büroräume sowie die Fortzahlung der Löhne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst einmal weiter zu decken. Als Dankeschön für alle Spenderinnen und Spender gibt es ebenfalls viel Kreatives. Wenn der Club wiedereröffnet, soll eine #stereoliebe-Wand im Eingangsbereich gestaltet werden. Für eine Spende von 35 Euro wird der Name darauf verewigt.

Da viele Sponsoren des Nürnberg Pop Festivals im Oktober bereits abgesprungen sind, können Interessierte für 40 Euro ihren Teil dazu beitragen und bekommen ein 2-Tages Festivalticket zur Spende dazu. Wer etwas mehr Geld zur Verfügung hat, kann sich seine eigene Party im Stereo kaufen. Die Kampagne zeigt bereits Wirkung: auch hier haben bereits über 200 Personen mitgeholfen.


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