Darum werden Jüngere manchmal eher geimpft als Ältere

Johannes Handl
Johannes Handl

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16.4.2021, 09:17 Uhr
Um diesen Piks geht es. Während die einen schon einen Impftermin haben, fragen sich andere, warum sie noch nicht an der Reihe sind.

© dpa Um diesen Piks geht es. Während die einen schon einen Impftermin haben, fragen sich andere, warum sie noch nicht an der Reihe sind.

Der Radiomoderator, so erzählt es Hörer Herbert Leigeber, habe bereits einen Impftermin im Nürnberger Impfzentrum erhalten. Er gelte als Kontaktperson der Kategorie 1. Seine Oma sei über 80 Jahre alt und verfüge über den Pflegegrad 1. Leigeber selbst muss dagegen weiterhin auf einen Impftermin warten. Gemeinsam mit seiner Frau kümmert sich der 60-Jährige um seine Schwiegermutter, die sogar Pflegegrad 2 hat. "Verstehe es, wer will," ärgert sich Leigeber, "ich verstehe es nicht."

Wie es sein kann, dass der junge Moderator vor dem 60-Jährigen an der Reihe ist, erklärt Christine Schüßler, die Leiterin der Koordinierungsstelle für die Impfzentren in Nürnberg. Weil sich sowohl der Moderator als auch der Hörer um eine Person mit Pflegegrad kümmern, zählen sie beide zur Prioritätsgruppe 2, auch wenn sie nicht der Altersklasse der 70- bis 79-Jährigen angehören.


Kommentar: Bloß kein Neid - je mehr geimpft sind, desto besser!


Fiktives Alter wird zugewiesen

Die Höhe des Pflegegrads spielt laut Schüßler allerdings keine Rolle. Stattdessen wird den beiden - zunächst gleichberechtigt - vom System jeweils ein fiktives Alter zugeschrieben, da sie sich beide nicht in der eigentlich vorgesehenen Altersklasse befinden. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, dass der jüngere als 73-Jähriger eingestuft wird, der ältere aber nur als 71-Jähriger. Folglich würde der im wahren Leben jüngere ein früheres Impfangebot erhalten. Genau das dürfte in diesem Fall den Ausschlag gegeben haben und die von Leigeber erwartete Impfreihenfolge verändert haben.

Den exakten Algorithmus, der in der Software steckt, möchte das Bayerische Gesundheitsministerium aus Sicherheitsgründen nicht herausgeben, wie Schüßler bereits in einem früheren Interview erklärt hat.

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