Dienstag, 20.04.2021

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"Die Uhr tickt": Friedensmuseum warnt vor Katastrophen

Nürnberger Ausstellung schildert Folgen von Atomkrieg und Erderwärmung - 18.11.2020 12:12 Uhr

Birgitta Meier und Wolfgang Nick, ehrenamtliche Mitarbeiter des Nürnberger Friedensmuseums, präsentieren Flyer zur neuen Ausstellung "Die Uhr tickt".

16.11.2020 © Hartmut Voigt


"Beide Katastrophen sind menschengemacht. Daher sind beide auch noch abwendbar", erklärt Birgitta Meier, eine der Ausstellungsmacherinnen. In dem kleinen Laden in der Nordstadt hängen sogenannte Roll-Ups an den Wänden, dicht bedruckt mit Informationen. Die schier endlosen Textfahnen fordern dem Leser einiges an Konzentration ab, museumspädagogisch aufgelockert ist die Schau nicht..

Orkane und Waldbrände

Man erfährt, dass der Treibhauseffekt in der Wissenschaft seit 200 Jahren bekannt ist. Doch die erforderlichen Konsequenzen hat man noch nicht gezogen, moniert Meier. Waldbrände, heftige Gewitter, Orkane, Überschwemmungen und andere extreme Wetterphänomene treten mit zunehmender Erderwärmung häufiger auf.

Das Wettrüsten mit Atomwaffen hat in den vergangenen Jahrzehnten viel Geld verschlungen. Das "Gleichgewicht des Schreckens" hält vorerst noch. Aber wie lange? "Ständig steigt das Risiko. Es ist so gefährlich wie nie zuvor", meinen die Organisatoren aus dem Friedensmuseum.

Engere Zusammenarbeit erwünscht

Beide Gefahren haben ursächlich nichts miteinander zu tun, sagt Co-Ausstellungsmacher Wolfgang Nick: "Aber wir wollen, dass die Friedensbewegung und die Klima-Engagierten mehr zusammenarbeiten." Dies geschehe noch viel zu wenig. Als der 67-Jährige bei einer Fridays-for-future-Demonstration in Nürnberg Informationsmaterial verteilen wollte, hat man ihm dies untersagt. "Ich verstehe dass, wenn sie nur ihre eigenen Flyer an Passanten abgeben wollen", meint Nick, "sie möchten vermeiden, dass irgendwelche rechte Propaganda dort auftaucht."

Bilderstrecke zum Thema

Die Friedensbewegung der 80er in Deutschland

Der Nato-Doppelbeschluss von 1979 rüttelte die Menschen auf: Aus Angst vor Nuklearwaffen entstand eine Friedensbewegung, die am 22. Oktober 1983 ihren Höhepunkt fand, als 1,3 Millionen Menschen in Deutschland auf die Straße gingen und die erste Menschenkette bildeten. Auch in Nürnberg beteiligten sich die Menschen am Protest. Eine Ausstellung im Friedensmuseum widmet sich noch bis zum 24. Juli der Friedensbewegung in den 80er Jahren.


Doch vom Friedensmuseum hätten sie nichts zu befürchten, im Gegenteil: Man unterstütze die Ziele. Die Bewegung der Mitstreiter müsse größer werden.

Nur im Internet zu sehen

Ein halbes Jahr haben die Friedensmuseums-Aktivisten die Schau "Die Uhr tickt" vorbereitet. Doch Vernissage und Eröffnung in dem Laden an der Kaulbachstraße mussten wegen der Corona-Maßnahmen ausfallen. Daher haben sie die Informationen ins Internet gestellt.

Das Friedensmuseum ist ein eingetragener Verein und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden sowie einer städtischen Unterstützung. Seit 1998 werben die Mitglieder für ihr zentrales Thema. "Wir formulieren es positiv: Wir engagieren uns für den Frieden", erklärt Nick, " statt nur zu sagen, wir sind gegen Krieg."

Informationen für Schüler

Neben Ausstellungen, Stadtrundgängen, Seminaren und Informationsabenden ist auch das Archiv des Friedensmuseums gefragt: Schüler fragen für ihre Facharbeiten nach Quellenmaterial.


Auf der Webseite www.friedensmuseum-nuernberg.de den Reiter "Ausstellungen" anklicken und auf "Online-Ausstellungen" gehen.

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